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Die Krise verlangt Familien alles ab


Corona, Homeoffice

Die Corona-Krise stellt Familien auf eine harte Probe. So sei das Wegbrechen gewohnter Betreuungs- und Kommunikationsstrukturen für Fami­li­en nur schwer zu meistern, heißt es in einer Befragung des Deutschen Jugendinstituts (DJI).

Demzufolge berichtet jede fünfte Familie von mehr Streit zwischen den Eltern und den Kindern. Viele beklagen auch abgebrochene Kontakte zu Lehrkräften. Zwar scheint die Mehrheit der Kinder die Herausforderungen des veränderten Alltags “eher gut” oder “sehr gut” zu bewältigen, zugleich sagt aber auch ein Drittel der befragten Eltern, dass ihr Kind Schwierigkeiten hat, mit der Situation zurechtzukommen.

Streit bleibt nicht aus

Durch den erzwungen Rückzug und die wenigen Möglichkeiten sich draußen zu beschäftigen, bleibt auch Streit in der Familie nicht aus. In jeder fünften befragten Familie (22 Prozent) herrsche neuerdings häufig oder sehr häufig ein konfliktreiches Klima, heißt es in der Veröffentlichung. Gleichzeitig gelinge jedoch mehr als drei Viertel der Familien das ständige Zusammensein überwiegend gut.

Was allerdings auffällig ist, ist, dass Eltern die sich ohnehin schon belastet fühlen, die Krise auch eher als Problem für ihre Kinder wahrnehmen. „Familien mit einer angespannten finanziellen Situation schätzen die Belastung ihrer Kinder deutlich höher ein als diejenigen, die ihre finanzielle Lage positiver beurteilen“, so das DJI.

Die Leiterin der Untersuchung, Andrea Langmeyer, befürchtet deshalb eine hohe Dunkelziffer bei den Familien, die Probleme mit der Situation haben. Wie sie erklärt, haben an der Befragung überdurchschnittlich viele Familien mit formal hohem Bildungsgrad und ohne finanzielle Sorgen teilgenommen. „Das lässt vermuten, wie schwierig die Situation für Familien in belasteten Lebenslagen ist.“

Kontaktbeschränkung nicht ohne Folgen

Auch die Kontaktbeschränkungen haben bei den Kindern ihre Spuren hinterlassen, vor allem psychisch. So stimmten mehr als ein Viertel (27 Prozent) der befragten Eltern der Aussage zu, dass sich ihr Kind zurzeit einsam fühle. Besonders fehlten den Kindern die Freunde, der Sport oder das Schulumfeld.

Laut der Befragung tragen Fachkräfte und Lehrkräfte aus Kitas und Schulen aber nur wenig zur Linderung dieser Einsamkeit bei. Die Antworten ergaben, dass der Kontakt zu den Kindern mit den Kita- und Schulschließungen in vielen Fällen komplett abbrach. Dies betreffe vor allem Kindergarten- und Grundschulkinder.

Was die Umfrage noch ergab: Viele Familien bezogen, entgegen der Empfehlung von Virologen, die Großeltern auch in der Corona-Krise weiter in die Betreuung der Kinder ein. Demnach seien etwa 18 Prozent der Kitakinder, 13 Prozent der Grundschulkinder und sieben Prozent der Kinder der Sekundarstufe I von ihren Großeltern betreut worden.

Das Institut hatte für die Analyse in den vergangenen Wochen mehr als 8.000 Eltern von Kindern zwischen 3 und 15 Jahren befragt.

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