Hier kennen Ärzte sich aus

Die Medi-Rente: Warum Anlagen in der eigenen Branche sinnvoll sind

Die Deutschen legen ihr Vermögen am liebsten dort an, wo sie sich auskennen. Im eigenen Land, bestenfalls sogar in der eigenen Branchen- oder Hobbywelt. Viele Mediziner tendieren deshalb zu Anlagen im Gesundheitssektor. Wie rentabel diese sind und worauf Ärzte achten sollten.

Vor zwei Monaten hat Dieter Stein seine gutbesuchte Stadtpraxis in Düsseldorf für 200.000 Euro verkauft. Seitdem sucht der 54-Jährige eine Möglichkeit, das Kapital sicher und gewinnbringend anzulegen. Neben verlässlicher Rendite wünscht der Orthopäde sich vor allem Sinn: „Ich will wissen, welche Institutionen und Vorhaben ich mit meinen Mitteln unterstütze.“ So liegen dem Vollblutmediziner vor allem Forschung und Entwicklung innerhalb der eigenen Branche am Herz

Stein ist mit seinen Wünschen nicht allein. „Home Bias“ wird in der ökonomischen Verhaltensforschung die Neigung von Anlegern genannt, ihr Geld eher in Aktien sowie Anleihen von ihnen bekannten Unternehmen ihrer Heimat bzw. der eigenen Branche zu investieren. Die Studie „Finweb-Barometer 2016“ fand zudem heraus, dass sich Anleger mit hohem Bildungsabschluss neben Sicherheit und einfacher Handhabe vor allem Individualität wünschen. 41 Prozent der Probanden gaben an, nach einer eigens auf sie und ihren beruflichen Hintergrund zugeschnittenen Anlageform zu suchen.

Beruflicher Hintergrund beeinflusst Anlageform

Markus Sobau, Anlageberater bei Confina in Mannheim erklärt dieses Phänomen: „Eigenes Branchenwissen bedeutet Risiken besser einschätzen zu können und weniger abhängig vom Wohlwollen Dritter zu sein.“ Selbst Kursschwankungen seien leichter zu verkraften. Ärzte verstehen, welche Branchenentwicklungen hinter eventuellen Einbrüchen stecken und können einschätzen, wie diese sich auf lange Sicht entwickeln.

Deshalb empfiehlt Sobau dem Orthopäden ein Medi-Portfolio. Ein speziell verwaltetes Wertpapierdepot, das aus zehn verschiedenen Fonds besteht. Drei Viertel davon investieren im Bereich Pharma und Gesundheit, ein Viertel im Bereich Biotechnologie. So ist beispielsweise ein Fonds auf die Überalterung der Gesellschaft in Industrieländern und der damit verbundenen demographischen Entwicklung spezialisiert. Investierte Mittel unterstützen dabei, Generika, Medizintechnik und medizinische Dienstleistungen künftigen Anforderungen entsprechend weiterzuentwickeln.

Verbraucherschützer sehen Fixierung kritisch

Andere Experten raten von solchem Vorgehen und vor allem von der Fixierung auf eine Branche allerdings dringend ab. Verbraucherschützer Niels Nauhauser aus Stuttgart beispielsweise warnt vor einem Klumpenrisiko. Dieses entstehe, wenn Ärzte ihr gesamtes Vermögen in derselben Branche anlegen, von der auch ihr Gehalt und unternehmerischer Erfolg abhängt. Gerät der Gesundheitssektor in die Krise sind gleich mehrere Einnahmequellen betroffen.

Ein Punkt, den auch Anlageberater Sobau nicht von der Hand weist. „Mediziner sollten niemals alles auf eine Karte setzen“, warnt der 48-Jährige. Stattdessen heißt die Devise: Kapital streuen. Unterschieden wird zwischen Beteiligungen an Unternehmen; Geldwerten wie Sparbriefen, Staatsanleihen oder Rentenfonds; Immobilien oder Immobilienfonds und Spekulationswerten, zu denen etwa Gold zählt. „Eine ausgewogene Strategie bezieht verschiedene Anlagetypen ein“, so der Mannheimer Anlagespezialist.

Medizinischer Sektor mit hohen Erträgen

Wer einen Teil seines Geldes in den medizinischen Sektor investiert, kann sich auf vergleichsweise hohe Erträge freuen. Innerhalb der vergangenen acht Jahre erwirtschaftete das Medi-Portfolio eine durchschnittliche Rendite von 17 Prozent. Allerdings mussten Anleger auch Rückgänge aushalten. Etwa 2016 als die Rendite kurzzeitig im negativen Bereich lag.

„Wer zusätzliche Sicherheit wünscht, sollte ein Stopp-Loss-Limit festlegen“, findet der Finanzfachmann. Bei Kursverlusten wird dann automatisch bei einem bestimmten Wert verkauft. So ist höchstens ein Rückgang von 5 bis 10 Prozent möglich – je nachdem, wieviel der Mediziner bereit ist zu tragen.

Hätten Sie es gewusst? Deutsche sind Anlagemuffel

Zwei Drittel der Deutschen haben keine Lust, sich um ihre Finanzen zu kümmern. Das ergab eine Umfrage von NFS Netfonds unter 1.000 Bundesbürgern ab 18 Jahren. Mehr als die Hälfte der Befragten hält Finanzprodukte für zu kompliziert und verzichtet lieber ganz. Bei 65 Prozent liegen alle Geldmittel auf einem kaum verzinsten Spar- oder Tagesgeldkonto. Obwohl die Deutschen angeben, selbst nicht durchzublicken, holen sich nur wenige Hilfe. Drei Viertel der Teilnehmer fürchten versteckte Kosten beim Finanzberater, während knapp die Hälfte meint: „Das ist nur was für Besserverdiener.“ Einig waren sich die Probanden beim wichtigsten Kriterium für gute Anlagenberater: 97 Prozent wünschen sich, verständlich über Risiken und Chancen aufgeklärt zu werden.

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