Medizin 4.0

Die Möglichkeiten der Digitalisierung wahrnehmen und nutzen

„Digitalisierung“ und „Medizin 4.0“ neigen dazu, zu bloßen Schlagwörtern zu verfallen. Grund dafür ist die stockende Umsetzung einer übergreifenden IT-Infrastruktur, beispielsweise durch die elektronische Patientenakte. Dabei haben neue digitale Technologien unbestritten das Potenzial, die medizinische Versorgung von Patienten und die Qualität des Gesundheitswesens allgemein zu verbessern.

Auf der MEDICA 2015 wird die Notwendigkeit, das Gesundheitswesen ganzheitlich zu vernetzen, einmal mehr diskutiert. Frank Gotthardt, Vorsitzender des Vorstands der CompuGroup Medical AG, steht bereits vorab Rede und Antwort zum Thema „Digitale Gesundheitswirtschaft: Medizin 4.0“.

Das Interview mit Frank Gotthardt, Vorstandsvorsitzender der CompuGroup Medical AG, führte Melanie Günther.

Herr Gotthardt, Medizin 4.0 – Was bedeutet das überhaupt?

Frank Gotthardt: Wir sollten weniger über Begrifflichkeiten sprechen, als über die Möglichkeiten, welche sich mit einer Digitalisierung von Prozessen, der Kommunikation sowie der Arbeitsweisen im Gesundheitswesen ergeben.

Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern vielmehr Mittel zum Zweck. Am Ende geht es darum, die Versorgung in Deutschland weiter zu verbessern, Prozesse effizienter zu gestalten und Mehrwerte für alle Beteiligten zu schaffen. Das Gesundheitswesen ist hier noch sehr anachronistisch aufgestellt und viele Möglichkeiten moderner Technologie werden noch nicht genutzt. Zum Schaden der Patienten, aber auch aller Beteiligten im Gesundheitswesen. Das muss sich dringend ändern und insbesondere die Vernetzung auf den Stand der Technik gebracht werden.

Darüber hinaus hat sich auch das Patientenverhalten geändert. Heute will man besser informiert sein und mehr Eigenverantwortung für die Gesundheit übernehmen. Auch dem gilt es Rechnung zu tragen. Dazu kann moderne und sinnvolle IT einen erheblichen Beitrag leisten.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden, um die Gesundheitswirtschaft zu digitalisieren und welche sind realistisch zu erfüllen?

Gotthardt: Eine Kernvoraussetzung für eine erfolgreiche Digitalisierung des gesamten Gesundheitssystems sind Investitionen in eine funktionierende IT-Infrastruktur. Das sieht man am Beispiel der Krankenhäuser: Die Ergebnisse des EU Hospital Surveys aus dem Jahr 2014 zeigen, dass Deutschlands Krankenhäuser nur unzureichend Gelder für ihre IT-Infrastruktur bereitstellen. Dies hat zur Folge, dass nur 6 Prozent der deutschen Akut-Krankenhäuser die Möglichkeit der regionalen oder nationalen Vernetzung nutzen. Der EU-Durchschnitt liegt bei 15 Prozent, in Dänemark, Island und Schweden sind es über 50 Prozent. Im Krankenhaus der Zukunft aber spielt IT – beispielsweise im Bereich der Robotik und bei der Vernetzung mit anderen Kliniken, um schnell präzisen Zugriff auf die Ergebnisse der Diagnostik zu erhalten – die zentrale Rolle.

Die Dynamik, mit der sich der Markt für private Gesundheitsdienstleistungen entwickelt, zeigt, wie groß die Nachfrage nach innovativen Lösungen ist. Eine weitere Herausforderung liegt deshalb darin, die staatlichen Rahmenbedingungen so zu konzipieren, dass diese möglichst schnell die Anwendung der Verfahren ermöglichen. Dabei sollte nach technik- und qualitätsfördernden marktwirtschaftlichen Grundsätzen agiert werden, wo immer dies möglich ist. Das bedeutet natürlich auch, den berechtigten Interessen der Ärzte, Krankenhäuser, Labore oder Apotheker Rechnung zu tragen und neue, digitalisierte Prozesse und Verfahren angemessen zu vergüten.

Quelle: MEDICA.de/Melanie Günther http://www.medica.de/

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Jürgen Veit

Jürgen Veit

Leiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

Jürgen Veit ist bei der CompuGroup Medical Deutschland AG für die Kommunikation D-A-CH verantwortlich. Der Kommunikationswirt war vorher rund 25 Jahre in führenden Funktionen in internationalen Kommunikationsagenturen tätig.

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