Ratgeber Geldanlage

Die neue Transparenz: Wenn nach Abzug der Kosten die Rendite fehlt

Seit Beginn des Jahres müssen Banken und Fondsgesellschaften die wahren Kosten Ihrer Produkte ausweisen und einen umfangreichen Kostenausweis an Ihre Kunden schicken. Haben Sie Ihren schon gelesen?

Anleger stehen bei Abschluss eines Finanzproduktes in Deutschland meist vor dem gleichen Problem. Sie kaufen die Katze im Sack. Fragt man einen deutschen Anleger, in was genau er investiert ist, wird das Wissen darüber meist recht dünn.

Hand aufs Herz: Wer von Ihnen weiß denn genau, was seine Rentenversicherungen, seine Fondssparpläne oder die sonstigen Exoten, in die man investieren kann, wirklich kosten? Eine ganze Finanzindustrie baut darauf, dass da niemand so ganz genau nachfragt. Und damit keine Nachfragen kommen, versteckt man die Kosten so geschickt und unübersichtlich in den beigefügten Unterlagen, dass man als Anleger erst gar nicht in die Versuchung kommt, Licht ins Dunkel zu bringen.

Zumindest bei den Fondsgesellschaften ist damit jetzt Schluss. Seit Beginn des Jahres greift eine neue EU Richtlinie, MIFID II, die die Fondsgesellschaften verpflichtet, die Kostenstruktur Ihrer Produkte übersichtlich zu gestalten. Die ersten Schreiben wurden zu Beginn des zweiten Quartals 2019 an die Anleger verschickt und das Entsetzen bei den Anlegern ist groß.

Kostenüberblick

Denn in diesem Schreiben müssen ausführlich die Kosten aufgegliedert werden, sowohl in Geld- als auch in Prozentbetrag, in Relation auf den Anlegebetrag. Sollte das Institut die genauen Kosten selbst nicht mehr rückwirkend recherchieren können, muss es präzise Schätzungen erstellen und diese Schätzungen als solche deklarieren. Auf Wunsch des Kunden müssen die Wertpapierdienstleister eine detaillierte Kostenaufstellung nach einzelnen Posten erstellen.

Renditeschwund

Spannend ist, dass nun auch die Auswirkungen von Kosten auf die tatsächliche Rendite aufgezeigt werden müssen. Der Spruch vieler Anlagerberater, dass Kosten nicht so erheblich sind, vielmehr käme es auf die Wertentwicklung des Papiers an, läuft also zukünftig ins Leere. Denn mit der neuen Darstellungsform der Kosten kann sich ein Fonds schnell von einer leicht positiven Rendite vor Kosten zu einer stark negativen Rendite nach Kosten entwickeln.

Diese Kosten fallen an

Typische Kosten sind Abschlussprovisionen, Ausgabeaufschläge (Agios) sowie jährliche Managementgebühren und Verwaltungskosten. Oft wird auch eine Performance Fee erhoben. Mit dieser greift die Gesellschaft noch einmal in den Renditetopf, nur weil sie das geschafft hat, was Sie vorher versprochen hat. Nämlich einen guten Job zu tun.
Nicht alle Kosten müssen bei jedem Finanzinstrument anfallen und können unterschiedlich hoch sein. Je besser Sie informiert sind, desto weniger können Sie von bestimmten Kosten überrascht werden.

Prüfen Sie Ihre Investments und suchen Sie sich ggf. Hilfe

Das Verhältnis von Rendite und Kosten sollte in einem vernünftigen Verhältnis stehen. Es gilt der alte Kaufmannspruch, dass der Gewinn im Einkauf liegt. Wenn Sie zu teuer einkaufen, dann werden Sie auf Dauer nicht glücklich mit Ihrem Investment werden. Sollten Sie einzelne Posten nicht verstehen, dann lassen Sie sich diese von Ihrem Berater erklären, suchen Sie die Verbraucherschutzzentralen auf oder gehen Sie zu einem professionellen Honorarberater. Es ist schließlich Ihr Geld.

Kaufen Sie günstig ein

Machen wir ein einfaches Beispiel. Sie haben vor 20 Jahren für 100.000€ einen Fonds gekauft. Dieser machte durchschnittlich eine Rendite von 5,5%. die Kosten betrugen jährlich 2,5%. Dann wären nach 20 Jahren aus 100.000€ knapp 180.000€ geworden.

Könnten wir die Kosten jedoch auf 1,5% reduzieren, dann hätten wir statt 180.000€ ca. 220.000€ erwirtschaftet, also 40.000€ mehr. Sie sehen, dass sich ein Blick auf die Kostenstruktur mehr als lohnt.

Großer Schritt in Richtung Transparenz

Dank der Umsetzung der EU Richtlinie, bekommen Anleger ein sehr gutes Instrument zur Hand, aus dem Dschungel der Gebühren herauszufinden. Auf einen Blick kann auch der interessierte Laie erkennen, ob sich ein Investment lohnt oder ob man besser die Finger davon lässt. Anleger sind jetzt in der Lage verschiedene Anlageklassen von der Kostenseite her zu vergleichen. Sie können aber auch Anbieter vergleichen. Wer bietet mir mein gewünschtes Produkt zum besseren Preis an?

Investieren Sie in Märkte

Wenn Sie günstig und clever investieren wollen, dann kommen Sie an ETF nicht vorbei. Ein ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der einen Index (z.B. den DAX) kostengünstig nachbildet. Diese Fonds kommen ohne aktiven Fondsmanager aus und können daher eine ganz andere Kostenstruktur aufweisen, als ein gemanagter Fonds. Sie streuen mit einem ETF breit und kaufen günstig ein. Das sind schon zwei wissenschaftliche Ansätze, die Ihrem Portfolio mit Sicherheit gut zu Gesicht stehen.

Sie müssen als Investor also nicht schlauer sein, sondern nur clever.

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Karsten Matt

Karsten Matt

Karsten Matt unterstützt erfolgreich Ärzte und Zahnärzte darin, Ihre finanziellen Potentiale zu erkennen und optimal zu nutzen. Als staatlich zugelassener Honoraranlageberater hat er sich als ETF Experte (Exchange Traded Funds) einen Namen gemacht. Die Erkenntnisse der Kapitalmarktforschung übersetzt er in seinen Vorträgen und Seminaren in eine einfache, verständliche Sprache. Seine Kunden innerhalb kürzester Zeit zu finanzieller Freiheit zu führen, das ist sein Ziel.

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