Die PKV wird nur wenig gerupft?

PKV außen vor: „Privatversicherte im Glück“, „PKV nicht geschröpft“ – so oder ähnlich klangen die Schlagzeilen nach Veröffentlichung der Eckwerte der Gesundheitsreform. Zwar gibt es für die Branche etliche Verbesserungen, aber auch gravierende Minuspunkte. Einig sind sich die Experten nur in einem: „Die PKV wurde weniger zur Kasse gebeten als befürchtet.“ „Die Reform dürfte das Neugeschäft sogar noch ankurbeln“, schrieb der Spiegel. Denn wenn eine Kasse mit dem Einheitssatz nicht auskommt, kann sie eine „kleine Kopfprämie“ erheben. Zudem werden ja erneut Kassenleistungen gekappt. Deshalb hört man aus dem SPD-Umfeld: „Noch mehr Gutverdiener werden zu den Privaten wechseln als bisher!“

Altersrückstellungen mitgeben – dies ist der eigentliche saure Apfel, in den die PKV beißen muss. „Versicherungstechnisch nicht machbar“, sagen unisono die PKV-Manager. Nur: Nach Paragraf 178f des Versicherungsvertragsgesetzes kann der Versicherte seinen Tarif bei demselben Unternehmen wechseln. Er bekommt dann auch die bis dahin angesammelte Alterungsrückstellung für den neuen Tarif gutgeschrieben. Der Laie fragt sich: „Wieso geht dies dann nicht auch branchenweit?“ DKV-Pressechef Frank Neuhaus zu ARZT & WIRTSCHAFT „Intern funktioniert dies, weil die Altersrückstellung dem Versichertenkollektiv erhalten bleibt. Somit ist diese Art der Mitgabe risikotechnisch beherrschbar“. Christian Arns von der Debeka ergänzt: „Beim Tarifwechsel eines Bestandskunden innerhalb eines PKV-Unternehmens wird keinesfalls eine ‚individuelle‘ Alterungsrückstellung mitgegeben, sondern eine Art Beitragsnachlass, der einen Durchschnittswert darstellt.“

Stornogewinne sind zudem einkalkuliert. Gemeint: Eine gewisse Zahl von Kunden geht (etwa erneute Pflichtversicherung oder Tod) und hinterlässt die Alterungsrückstellung dem Unternehmen. „Zudem wäre ein chronisch Kranker ein untragbares Verlustgeschäft und müsste immer höhere Beiträge zahlen, während ein Gesunder nach wie vor niedrige Beiträge entrichten müsste“, heißt es bei der Allianz. Die „guten Risiken“ würden das Unternehmen verlassen, das nun für die verbleibenden kränkeren Versicherten erheblich teurer wird. Umgekehrt erzielt die PKV mit jungen, gesunden Beständen enorme Wettbewerbsvorteile. Es müsste dann über einen irgendwie gearteten Risiko- Ausgleich nachgedacht werden. Andererseits: Viele ältere Kunden sind sauer, dass sie zur Zeit nicht wechseln können. Der Wettbewerb ist für sie praktisch ab Alter 40 ausgeschaltet.

Der Teufel steckt im Detail. Besonders empört die Branche, dass der Gesetzgeber nun verlangt, dass auch beim Wechsel zurück in die GKV die Altersrückstellung mitgegeben werden muss. „Es ist absurd, die Systeme so zu verknüpfen“, schimpft Verbandsdirektor Volker Leienbach. Über diesen Umweg würde dann die PKV zur GKV-Finanzierung beitragen. Schon vor Jahren stufte eine vom Deutschen Bundestag eingerichtete Expertenkommission die Möglichkeit, Alterungsrückstellungen individuell zu bilden, als „als nicht praktikabel“ ein.  Auch der IV. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hatte in einem konkreten Fall bereits 1999 entschieden, dass privat Krankenversicherte bei Kündigung keinen Anspruch auf Auszahlung von Alterungsrückstellungen haben. „Sollte uns der Gesetzgeber dazu zwingen, werden wir nach Karlsruhe gehen“, sagen Allianz, DKV und Co.

A&W-KOMPAKT

Auswirkungen der Gesundheitsreform auf die PKV

  • Keine Einbeziehung in den Fonds;
  • Basistarif mit GKV-Leistungen für alle, mit Kontrahierungszwang und ohne Risikoprüfung;
  • Mitnahme der Alterungsrückstellung beim Wechsel zu anderer Gesellschaft;
  • PKV-Wechsel eines GKV-Mitglieds nur dann, wenn Pflichtversicherungsgrenze von aktuell 3.937,50 Euro drei Jahre lang durchgehend erreicht wurde;
  •  Prämien PKV-versicherter Kinder werden nicht aus Steuern finanziert.

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