Industrie unter starkem Druck

Die Preise für Arzneimittel: seit Jahren rückläufig

Der pharmazeutischen Industrie fällt es immer schwerer, die Forschung und Entwicklung (F&E) von Medikamenten aus ihren laufenden Einnahmen zu finanzieren. Der Grund: Seit Jahren sind die Preise für Arzneimittel rückläufig, während die Kosten für Löhne, Energie und chemische Grundstoffe steigen.

Dies zeigt die Studie „Die Entwicklung der Pharmazeutischen Industrie in Bayern – Standortanalyse 2015“ des BASYS-Instituts, die die Pharmainitiative Bayern in Auftrag gegeben hat.

Um sieben Prozent sind die Preise für Medikamente in Deutschland allein zwischen den Jahren 2010 und 2015 gesunken. Das zeigt der Arzneimittelpreisindex des Arzneiverordnungs-Reports (AVR), der den Umsatz im GKV-Fertigarzneimittelmarkt betrachtet.

„Im Gegensatz dazu hat der allgemeine Verbraucherpreisindex in derselben Zeit um sieben Prozent zugenommen“, erklärt der Geschäftsführer des BASYS-Instituts und Studienautor Markus Schneider. „Das ergibt ein Delta von 14 Prozent und zeigt: Die pharmazeutische Industrie steht hierzulande unter einem besonders starken Preisdruck.“ Der Verbraucherpreisindex misst die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte konsumieren.

Grafik: Pharmainitiative Bayern.

Grafik: Pharmainitiative Bayern.

Allein in Bayern minderten sich die Erlöse der Pharmaunternehmen kumuliert um insgesamt 2,064 Milliarden Euro (2010 – 2015). Der Grund waren Preissenkungsgesetze, wie Preismoratorien, Zwangsrabatte oder niedrige AMNOG-Erstattungspreise. Gleichzeitig stiegen die Kosten für Löhne, Energie und chemische Grundstoffe.

Während Krankenkassen sich über die Einsparungen freuen, ächzt auf der anderen Seite ein ganzer Industriezweig unter der Entwicklung. Schneider sieht das mit Sorge: „Der Inlandsmarkt verliert für die Hersteller von Arzneimitteln zunehmend an Attraktivität – besonders im Vergleich mit dem Ausland.“

Entgegen der Entwicklung in Deutschland erhöhten sich die Ausfuhrpreise für Arzneimittel seit dem Jahr 2010 um fünf Prozent. Das entspricht einem Delta von 12% im Vergleich zum Inland.

Quelle: Markus Schneider, Thomas Krauss, Aynur Köse: Die Entwicklung der Pharmazeutischen Industrie in Bayern – Standortanalyse 2015. BASYS-Beratungsgesellschaft für angewandte Systemforschung, Augsburg, 2017; erschienen in: RPG, Band 23, Heft 2/2017, S. 67-79.

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