Erben und vererben

Erben: Die schlimmsten Fehler, die besten Tipps!

Erben und vererben – nur wer nichts zu hinterlassen oder zu erben hat, kann keine Fehler machen. Ansonsten ist kein Rechtsgebiet verminter und riskanter.

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  • Erster Fehler: Das Missachten von Formen, das Versäumen von Fristen, die Untätigkeit nach Fristversäumnis.

Vermeidungsstrategie: Beachten Sie bei der Abfassung eines Testaments die Form der Eigenhändigkeit. Holen Sie sich Beratung ein, besonders auch bei einem gemeinschaftlichen Testament von Ehegatten. Fertigen Sie im Erbfall eine Liste der in Frage kommenden Fristen an und beschaffen Sie sich Infos, wie genau eine Frist sicher zu hemmen ist.

  • Zweiter Fehler: Das Nichternstnehmen von Interessenkollisionen; das Übersehen von Problemen, die bei Erbengemeinschaften und der Beteiligung von Minderjährigen entstehen.

Vermeidungsstrategie: Respektieren Sie, dass es Interessenkollisionen bei mehreren Personen immer gibt – manchmal nur von gemeinsamen Interessen verdeckt. Vermeiden Sie Erbengemeinschaften (latenter Streit). Beachten Sie bei der Beteiligung von Minderjährigen die eingeschränkte Vertretungsmacht der Eltern.

  • Dritter Fehler: Die Vernachlässigung der Prinzipien „Herr im Haus“ und „Vorrang der Eigensicherung“ und des sachlichen Überblicks; Stichwort Kaninchenfalle.

Vermeidungsstrategie: Steuersparstrategien übersehen oft das Risiko unwiderruflicher Entreicherung des Übergebers. Behalten Sie den Überblick über Ihre Vermögenswerte und sichern Sie vor allem sich und Ihren Ehepartner. Allerdings muss die Verantwortlichkeit eines Nachfolgers immer auch mit einer seinerseits gesicherten wirtschaftlichen Position verbunden sein.

  • Vierter Fehler: Das Verwechseln von Rechtsgebieten und die Vernachlässigung des rechtlichen Überblicks.

Vermeidungsstrategie: Bei jeder Gestaltungsüberlegung klar machen, für welches Rechtsgebiet die Vorgehensweise maßgebend sein soll. Danach immer auf Kompatibilität zu anderen Rechtsgebieten achten. Beispiel: Haftungsrecht, Gesellschaftsrecht, Ehe-, Unterhalts- und Scheidungsrecht, Erbrecht und Pflichtteilsrecht.

  • Fünfter Fehler: Das Übersehen steuerlicher Folgen bei Auseinandersetzung; Stichwort Abfindungsgewinn.

Vermeidungsstrategie: Bei Übergabe oder bei Vererbung einer Praxis streng darauf achten, dass abzufindende Anteile an Beteiligte, die die Praxis auf Dauer nicht mitübernehmen, vorab außerhalb der Praxis übertragen werden. Anderenfalls wird der Abzufindende zeitweise Unternehmer und sein Ausstieg kann teure einkommensteuerliche Konsequenzen haben.

  • Sechster Fehler: Vernachlässigung denkbarer Überraschungen wie Tod Jüngerer, Scheidung, Kinder, aber auch Auffinden des Testaments.

Vermeidungsstrategie: Spielen Sie bei der Erb- und Praxisnachfolgeplanung unbedingt auch ungewöhnliche Fallgestaltungen durch und treffen Sie Vorsorge, etwa für das Vorversterben des Nachfolgers, für den Fall der Scheidung oder für den Fall unguter Einflussnahme Dritter. Ein Testament gehört nicht in die Schublade. Hinterlegen Sie es beim Amtsgericht.

  • Siebter Fehler: Unkritische Auswahl des Beraters und mangelnde Kontrolle.

Vermeidungsstrategie: Erbfolgegestaltung ohne Beratung empfiehlt sich nur in Einfachstfällen. Nehmen Sie sich Zeit für die Suche eines geeigneten Beraters: Verwenden Sie alle Ihnen zur Verfügung stehenden Infos. Kontrollieren Sie Ihren Berater ständig, gegebenenfalls auch durch anderweitigen fachlichen Rat.

  • Achter Fehler: Das Ermöglichen von Haftungen des Erben für Nachlassschulden oder des Nachlasses für Erbenschulden.

Vermeidungsstrategie: Der Erbe haftet unbeschränkt, seine Haftung kann jedoch beschränkt werden durch Testamentsvollstreckungen, durch Eigenanträge über Nachlassverwaltung und Insolvenzverfahren, jedenfalls dürfen die Vermögen nicht vermischt werden. Die Beschränkung der Haftung kann auch verloren gehen durch Versäumung der Inventarfrist, durch Inventuruntreue und durch Eidesverweigerung. Der Nichterbe, der etwa durch Vermächtnis oder durch Vertrag zu Gunsten Dritter (etwa Sparkonto) begünstigt ist, haftet nicht persönlich für die Nachlassschulden. Der Nachlass wird andererseits von den Gläubigern des überschuldeten Erben geschützt durch Testamentsvollstreckung, Nachlassverwaltung, gegebenenfalls über eine Vorerbschaft.

  • Neunter Fehler: Das Übersehen möglicher Steuerschulden.

Vermeidungsstrategie: Die Blauäugigkeit von Erben hinsichtlich der Farbe ererbten Geldes kann teuer werden. Der Nachlass haftet für die zurückliegenden zehn bis zwölf Jahre für Steuerschulden plus Zinsen. Der Fiskus wird bei Todesfällen gut informiert. Meldepflicht der Banken und Versicherungen. Vorsicht, Erben haften auch strafrechtlich wegen ihrer Berichtigungspflicht.

  • Zehnter Fehler: Das Übersehen von Unterschieden zur deutschen Rechtslage, sobald eine Auslandsbeteiligung vorliegt.

Vermeidungsstrategie: Bei Auslandsberührung oder Beteiligung von Ausländern gilt oft ausländisches Erbrecht über das so genannte internationale Privatrecht und ausländisches Erbschaftsteuerrecht über Doppelbesteuerungsabkommen. Den Gefahren kann nur durch Spezialberatung auf beiden Rechtsgebieten begegnet werden.

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