Social Distancing

Die Spätfolgen der Corona-Krise für das Gesundheitswesen

Nicht nur Patienten fürchten die Langzeiteffekte von Covid-19. Auch im Gesundheitswesen zeichnen sich bereits erste Spätfolgen der Pandemie ab – zum Beispiel bei der Ausbildung junger Hausärzte.

Auch wenn die Wissenschaft vorsichtige Hoffnung schürt, dass es Mitte 2021 einen Impfstoff für das neuartige Corona-Virus geben könnte: Aktuell stellt der Umgang mit Covid-19 die Ärzteschaft vor mannigfaltige Herausforderungen. Und die werden womöglich auch dann noch zu bewältigen sein, wenn erst einmal ein wirksames Vakzin gefunden ist.

Der Grund: Während man zu Beginn der Pandemie noch davon ausging, dass Menschen, die einen leichten oder moderaten Verlauf überstanden haben, wieder völlig gesund sind, zeigen sich inzwischen immer häufiger Langzeitfolgen des Virus. Viele vermeintlich Genesene leiden nach wie vor unter Atemnot, andere klagen über Kopfschmerzen, anhaltende Müdigkeit, Geschmacksstörungen, Herzrasen oder Haarausfall. Auch die psychischen Probleme sind mitunter massiv: Nicht nur die Angst vor Ansteckung macht vielen zu schaffen. Allgemeine Unsicherheiten, Zukunftsängste sowie der Verlust sozialer Kontakten können psychische Erkrankungen hervorrufen oder verstärken. Vor allem Hausärzte sind hier gefragt, solche Patienten besonders aufmerksam zu begleiten.

Ungesunde Entwicklung

Psychische Auswirkungen von Krankheiten und der Umgang mit ihnen sind in der medizinischen Ausbildung derzeit aber eher unterrepräsentiert. Meist liegt der Schwerpunkt des Lehrstoffes vor allem auf dem Erkennen und Behandeln physischer Symptome. Dies könnte sich durch Covid-19 ändern, denn die Krankheit hat das gesellschaftliche Leben so stark beeinflusst wie nur wenige zuvor.

Doch auch heute schon sollten Ärzte dringend darauf achten, negative Folgen des Social Distancing auf die Gesundheit ihrer Patienten zu erkennen. Angst und Einsamkeit können schwerwiegende Folgen haben, aber auch bedenkliche Verhaltensweisen auslösen, etwa einen gesteigerten Alkoholkonsum. Zudem besteht die Gefahr, dass Menschen zu Hause buchstäblich die Nerven verlieren – und dann zu einer Gefahr für sich oder andere werden.

Wachsendes Hygienebewusstsein zu erwarten

Eine weitere Folge der Pandemie: Im Umfeld von Medizin und Pflege dürfte sich langfristig ein neues Hygienebewusstsein durchsetzen. Zwar gibt es in Krankenhäusern von jeher Fachpersonal, das für die hygienischen Bedingungen und entsprechende Schulungen der Belegschaft zuständig ist. Das Virus rückt die Notwendigkeit eines umfassenden Hygienekonzepts nun allerdings ins kollektive Bewusstsein und dürfte entsprechend auch die Anspruchshaltung vieler Patienten verändern.

Zudem hat sich gezeigt, dass Abstandsregeln und ein verstärktes Hygieneverhalten auch das allgemeine Ansteckungsrisiko mit anderen Erregern senken. Es spricht daher viel dafür, die Regeln, die während der Krise gelten, auch künftig zur Routine werden zu lassen – allen voran häufiges und gründliches Händewaschen und -desinfizieren sowie regelmäßiges, gründliches Lüften.

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