Praxisnachfolge:

Diese Fragen müssen Sie sich vor dem Generationswechsel stellen

Rückt der Ruhestand näher, wird in vielen Arztfamilien die Praxisnachfolge plötzlich zum zentralen Thema. Vor allem dann, wenn eines der Kinder Medizin studiert hat und nun die Praxis übernehmen möchte. Weil hier nicht nur Fakten, sondern auch Emotionen eine große Rolle spielen, ist eine gut durchdachte Übergabe entscheidend für den weiteren Erfolg der Arztpraxis.

Wer als Arzt mit viel Herzblut eine eigene Praxis aufgebaut und sie durch unternehmerische Höhen und Tiefen gelotst hat, ist ihr auch emotional verbunden. Da ist es im Grunde doch sehr schön, wenn der eigene Nachwuchs bereit ist, das Lebenswerk weiterzuführen. Eine Praxisübergabe innerhalb der Familie bedeutet allerdings nicht weniger, sondern mehr Vorbereitung. Schließlich gibt es gewisse Besonderheiten und emotionale Verflechtungen zu beachten.

Will Ihr Kind die Praxis wirklich?

Der Praxisinhaber muss den potentiellen Nachfolger auf Herz und Nieren prüfen. Das gilt nicht nur für externe Kandidaten, sondern auch für innerfamiliäre. Verfügt er oder sie wirklich über die notwendigen Qualifikationen? Sowohl im medizinischen als auch im unternehmerischen Bereich? Ist ausreichend Erfahrung in Arztpraxen vorhanden? Hier geht es nicht nur um den Umgang mit Patienten, sondern vor allem auch um wirtschaftliche Fragen. Gibt es hier noch Defizite, kann es sinnvoll sein, die Praxis übergangsweise durch einen angestellten Arzt begleiten zu lassen oder die Übergabe noch ein wenig zu vertagen? Das verschafft Zeit. Vor allem muss der Praxisinhaber beim eigenen Nachwuchs aber prüfen: Besteht hier echtes Interesse oder handelt das Kind nur aus Pflichtgefühl gegenüber dem Lebenswerk der Eltern?

Kann ich mir eine Weitergabe leisten?

Auch die eigene Altersvorsorge und die Tilgung von Verbindlichkeiten sind vorab zu bedenken.Wer die eigene Praxis an Sohn oder Tochter weitergibt, kann sie nicht mehr auf dem freien Markt verkaufen. Den eigenen Kindern werden meist deutlich bessere Konditionen eingeräumt. Das bedeutet in den meisten Fällen aber auch, dass weniger Geld übrig bleibt. Lassen Sie sich unbedingt steuerlich beraten, bevor Sie hier unbedachte Zusagen machen.

Ausreichend Zeit einplanen

Auch wenn der Nachfolger aus der Familie stammt, sollte man die Übergabe der Praxis und die dafür benötigte Zeit nicht auf die leichte Schulter nehmen. Schon im „Normalfall“ gehen Experten davon aus, dass für die Vorbereitung der Übergabe etwa fünf Jahre benötigt werden. Übernimmt der Nachwuchs die Praxis, kann es sogar etwas länger dauern. Schließlich müssen die Beteiligten nicht nur die Übergabe abwickeln, sondern auch noch lernen, hierbei die „Eltern-Kind-Rolle“ abzustreifen. Vor allem der älteren Generation fällt es hier oftmals sehr schwer, die Haltung des Erziehers abzulegen und dem künftigen Praxisinhaber auf Augenhöhe zu begegnen.

Einen klaren Rahmen schaffen

Um emotionale Hürden zu überwinden, ist ein klares Nachfolgekonzept von großem Nutzen. Setzen Sie sich rechtzeitig mit dem Nachwuchs an einen Tisch und sprechen Sie offen miteinander. Nur so lassen sich Missverständnisse und falsche Vorstellungen schon im Vorfeld identifizieren und vermeiden. Es ist überraschend, wie stark die Ideen hier oft auseinanderklaffen. Zu klären sind Themen wie die weitere Ausrichtung der Praxis, Haftung, Finanzen, die Entscheidungsfreiheit des Nachfolgers. Familie hin oder her: Halten Sie die gemeinsamen Beschlüsse am besten schriftlich fest.

Zuletzt muss auch ein zeitlicher Nachfolgeplan erstellt werden, der die konkreten Maßnahmen und Termine für den Übergang festhält. Ist der Moment der Übergabe dann gekommen, kann und muss der ehemalige Praxisinhaber endgültig loslassen und seinen wohlverdienten Ruhestand antreten.

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