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“Diese Krise stellt auch Führungskräfte auf eine harte Bewährungsprobe”


Chefarzt mit seinem Team im Hintergrund

Die Corona-Pandemie stellt auch Führungskräfte in Arztpraxen und Kliniken vor besondere Herausforderungen. Arbeitspsychologe Prof. Dr. Hannes Zacher von der Universität Leipzig sagt im Interview, was Chefs jetzt unbedingt beachten und auch, was sie vermeiden sollten.

Wie sind Führungskräfte in deutschen Unternehmen für das Handeln in Zeiten der Corona-Krise gewappnet?

Prof. Dr. Hannes Zacher, Institut für Psychologie. Foto: Swen Reichhold/Universität Leipzig

Prof. Dr. Zacher: Diese Krise stellt auch Führungskräfte in unterschiedlichen Organisationen auf eine harte Bewährungsprobe. Menschen in Führungspositionen unterscheiden sich sehr stark darin, wie effektiv sie in unsicheren und bedrohlichen Zeiten die Erfüllung von Arbeitsaufgaben durch das Team sicherstellen, auf die persönlichen Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden eingehen und mit Veränderungen und Herausforderungen umgehen. Glücklicherweise sind die meisten einflussreichen Managerinnen und Manager sehr erfahren darin, in kleineren und größeren Krisen besonnen zu entscheiden und zu handeln – ansonsten wären sie erst gar nicht in ihre Position gekommen. Wenn Führungskräfte sich jetzt darauf besinnen, was gute Führung ausmacht, bin ich optimistisch, dass sie selbst, ihre Mitarbeitenden und ihre Organisationen die Corona-Krise erfolgreich bewältigen werden, ja sogar persönlich und als Team gestärkt daraus hervorgehen.

Welche Eigenschaften sollten Chefs gerade jetzt an den Tag legen, was unbedingt vermeiden?

Zunächst einmal ist es jetzt wichtig, dass Führungskräfte die Ruhe bewahren und Mitarbeitenden Orientierung in dieser unsicheren und herausfordernden Zeit bieten. Dazu gehört, dass Führungskräfte gut über die aktuelle Faktenlage informiert sind und sich kontinuierlich mit anderen Entscheidungsträgern über die dynamische Entwicklung und notwendige Präventionsmaßnahmen und Reaktionen austauschen. Sie sollten dabei stets realistischen Optimismus ausstrahlen und vermitteln, dass die Krise gemeinsam erfolgreich bewältigt werden kann. Weiterhin ist es wichtig, dass Vorgesetze ihre Vorbildfunktion in Bezug auf Gesundheitsverhalten erfüllen und zum Beispiel nicht krank zur Arbeit erscheinen. Gute Führung bedeutet auch, klar und deutlich zu kommunizieren und Mitarbeitende individuell zu unterstützen, zum Beispiel Menschen, die Schwierigkeiten mit der Vereinbarkeit von Arbeit und Familie haben.

Woran können sich Führungskräfte angesichts der auch für sie neuartigen Krisensituation orientieren?

 Manager sollten sich in erster Linie an gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu guter Mitarbeitenden-Führung orientieren und evidenzbasiert handeln. Die Arbeits- und Organisationspsychologie erforscht seit vielen Jahren, welche Verhaltensweisen von Führungskräften besonders wirksam in Krisenzeiten sind. In erster Linie sollte es immer darum gehen, Mitarbeitenden ein Gefühl von Selbstbestimmung und Kontrolle über ihre Arbeit sowie die Vereinbarkeit der Arbeit mit ihrer persönlichen und familiären Situation zu geben. Gute Führung in der Corona-Krise unterscheidet sich nicht von guter Führung in anderen unsicheren und bedrohlichen Situationen: es geht letztlich immer darum, den Menschen, für die man als Führungskraft Verantwortung übernommen hat, zu dienen und sie bei der Bewältigung von verschiedenen Anforderungen zu unterstützen. Natürlich sollten Führungskräfte dabei nicht vergessen, sich auch um sich selbst und ihre eigene Gesundheit zu kümmern.

Niedergelassene Ärzte und Chefärzte in Kliniken stehen derzeit besonders unter Druck. Haben Sie einen speziellen Tipp für diese Führungskräfte im Gesundheitsbereich?

Niedergelassenen Ärzten und Chefärzten in Kliniken kommt in diesen Tagen eine ganz besondere Führungsrolle zu. Sie stehen stark unter Druck, da ihre Arbeit nicht nur gesellschaftlich extrem bedeutsam, sondern auch potentiell gefährlich ist – und ihre Mitarbeitenden sind häufig am Ende ihrer Kräfte. Auch wenn die Arbeitspsychologie zeigt, dass eine hohe gesellschaftliche Bedeutsamkeit der Arbeit motivierend und zufriedenstellend ist, so ist in der Corona-Krise auch wichtig, dass diese Führungskräfte sich neben ihren Patienten auch gut um sich selbst und ihre Mitarbeitenden kümmern. Auch wenn es schwerfällt, sie müssen Pausen machen und sich am Feierabend erholen, auf andere Gedanken kommen und Zeit mit ihrer Familie verbringen, um „die Batterien wieder aufzuladen“. Nur dann können sie am nächsten Tag und über einen längeren Zeitraum leistungsfähig, resilient und gesund bleiben.

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