Geld in die Gesundheitsbranche investieren

Digital Health: Lieber in große oder kleine Anbieter investieren?

Digital Health ist für Ärzte nicht nur beruflich ein wichtiges Thema. Auch als Anleger können sie davon profitieren. Die Frage ist, ob man lieber in kleine Pioniere oder bekannte digitale Riesen, die den Markt für sich entdeckt haben, investieren soll. Die ApoBank klärt anhand aktueller Beispiele über Chancen und Risiken beider Varianten auf.

Der Markt für digitale Gesundheit lockt derzeit viele Mitspieler an. Auf der einen Seite kleinere Pioniere, die sich auf einzelne Digital-Health-Anwendungen oder nationale Märkte fokussieren. Auf der anderen Seite Digitalriesen wie IBM, die Google-Mutter Alphabet oder den chinesischen Konzern Alibaba. Darüber hinaus auch noch klassische Gesundheitsunternehmen wie Medizintechnikanbieter oder Finanzdienstleister. Sicher ist, wo IT und Gesundheit aufeinander treffen, entstehen neue Geschäftsmodelle. Hendrik Lofruthe, Fondsmanager des apo Digital Health der apoBank-Tochter apoAsset: „Von diesem Potenzial können auch Anleger profitieren, die in Digital-Health-Unternehmen investieren“. Doch welche Aktien eignen sich am besten, um weltweit in den schnell wachsenden Markt zu investieren?

Vorteile der Kleinen: Schnelligkeit und Übernahmepotenzial

Kleinere börsennotierte Unternehmen können oft leichter auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren und sind dadurch schneller in der Entwicklung, erklärt Lofruthe. Ein Beispiel dafür sei Tabula Rasa aus den USA. Das Unternehmen entwickelt und vertreibt Softwaresysteme zur Erkennung und Vermeidung unerwünschter Neben- und Wechselwirkungen verschiedener Medikamente. Tabula Rasa hat sich in den Vereinigten Staaten schnell einen großen Kundenstamm aufgebaut und dominiert nun die attraktive Nische. Seit dem Börsengang im September 2016 hat die Aktie über 240 Prozent zugelegt.

Solche Erfolgsstorys locken nicht nur private Anleger. Viele Großkonzerne wollen durch Zukäufe kleiner Spezialisten einen Fuß in den Digital-Health-Markt bekommen. Beteiligungsgesellschaften sind ebenfalls auf Einkaufstour. „Solche Übernahmen können sich auch für Aktionäre lohnen“, sagt Lofruthe.

Das US-Unternehmen Imprivata beispielsweise, das auf die Sicherheit von Patientendaten spezialisiert ist, wurde 2016 vom Private-Equity-Investor Thoma Bravo für 544 Millionen US-Dollar gekauft. Der Aktienkurs stieg bei Bekanntgabe des Übernahmeangebots um 33 Prozent. Im Folgejahr wurde Web MD übernommen, eine digitale Info-Plattform zu Gesundheitsthemen. Dafür zahlte die Beteiligungsgesellschaft KKR 2,8 Milliarden US-Dollar – ein Aufschlag von 20 Prozent auf den letzten gehandelten Kurs.

Hohe Chancen = höhere Risiken

Den hohen Chancen der jungen Kleinen stehen laut Lofruthe aber auch höhere Risiken gegenüber. Jüngstes Beispiel ist EMIS, ein britischer Spezialist für die Digitalisierung von Patientenakten. Im Januar musste das Unternehmen bekanntgeben, dass bestimmte Berichtsanforderungen der britischen Gesundheitsbehörde NHS nicht erfüllt werden können. Die Aktie verlor darauf an einem Tag mehr als 20 Prozent.

Digital-Health-Startups, die noch nicht an der Börse notiert sind, sind für Privatanleger bisher nur sehr begrenzt zugänglich. Sie setzen zwar oft wichtige Impulse. Für die Geldanlage sind börsennotierte Unternehmen jedoch transparenter, flexibler handelbar und ermöglichen eine bessere Risikostreuung.

Stärken der Großen: Stabilität und Dividenden

Letztere ermöglichen vor allem die großen Unternehmen. Sie bringen in der Regel mehr Stabilität ins Portfolio, da sie Risiken besser abfedern können.

Ein Beispiel ist Philips. Der niederländische Konzern hat sich in den vergangenen Jahren vom Gemischtwarenladen zum Gesundheitskonzern entwickelt. Die Sparten für Fernseher und Leuchtmittel wurden verkauft. Seitdem konzentriert sich das Unternehmen nun komplett auf Gesundheit. Mehr als die Hälfte des Forschungs- und Entwicklungsbudgets steckt Philips dabei in Software.

„Das zeigt einmal mehr den Stellenwert, den die Digitalisierung auch bei Gesundheitsunternehmen einnimmt“, sagt Lofruthe. Die Großen drängen mit Macht in diesen Wachstumsmarkt. Neben geringerer Volatilität sind auch höhere Dividenden ein Argument für Aktien etablierter Unternehmen.

Die Mischung macht’s

Was heißt das nun für private Anleger? „Wie so oft gilt: Die Mischung macht’s“, sagt Lofruthe. Für große wie kleine Aktien gilt: Anleger sollten bei der Auswahl nicht in erster Linie auf schicke Apps oder populäre Marken achten. Wichtiger sind die Fundamentaldaten: das Geschäftsmodell des Unternehmens, die Wettbewerbsposition, das langfristige Innovations- und Wachstumspotenzial und das Verhältnis zwischen Börsenkurs und realer Geschäftsentwicklung.

Zudem sollten Anleger bei dem noch jungen Markt besonders langfristig denken, da die Kurse kurzfristig immer wieder schwanken können. „Insofern gilt auch in der digitalen Welt die alte Regel, dass man sein Geld möglichst breit streuen sollte, also auf viele Unternehmen verteilen“, resümiert Lofruthe. Zu empfehlen sei eine gesunde Mischung aus mittelständischen Visionären und den Superstars der Digital-Health-Branche.

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