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Datenschutz und langsames Internet: Diese Probleme sehen Ärzte bei Videosprechstunden


Grafik Videosprechstunden Arztpraxis

Einzelhandel und Arztpraxen haben etwas gemeinsam. Beiden droht die „Amazonisierung“: Wer nicht schnell genug auf den digitalen Zug aufspringt, wird untergehen, so die Warnung der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft ETL Advision.

Die Wirtschaftsexperten ließen 200 Ärzte durch das Meinungsforschungsinstitut Civey befragen. Die Ergebnisse zeigen jede Menge ungenutztes Potenzial bei Videosprechstunden in Arztpraxen. Die befragten Ärzte sehen nach wie vor große Hürden beim Datenschutz. Sie beklagen zudem fehlende technische Voraussetzungen wie zu langsames Internet.

Ein Drittel der Befragten hat Videosprechstunden bereits im Angebot bzw. in Planung. Zugleich geben 63,5 Prozent an, in den nächsten beiden Jahren keine Einführung von Videosprechstunden zu planen. Als Gründe geben sie zu hohe technische und bürokratische Hürden bei der Umsetzung digitaler Praxisangebote an.

Ein Grund für die in der Umfrage zutage geförderte Skepsis sind die Schwierigkeiten bei der praktischen Umsetzung. Demnach bemängeln jeweils rund 30 Prozent der Ärzte Unklarheiten beim Datenschutz sowie zu langsame Internetverbindungen an ihrem Standort. Rund 41 Prozent geben ein zu geringes Honorar für Videosprechstunden als Grund für ihre Ablehnung an. Probleme, bei denen die Politik gefragt ist, den Praxen Unterstützung zu leisten, so die Gesundheitsexperten von ETL Advision.

Die Wirtschaftsexperten warnen auf Basis der Ergebnisse vor einer „Amazonisierung“ der Arztpraxen. Es gäbe nicht zu übersehende Parallelen zum E-Commerce, erklärt Janine Peine, Steuerberaterin und ETL Advision-Expertin für das Gesundheitswesen. „In unseren Städten entstehen Ärztezentren ähnlich wie seinerzeit Einkaufszentren. Digitalangebote und Erreichbarkeit zu quasi jeder Tageszeit werden in immer mehr Praxen umgesetzt und von Patienten geschätzt.“ Aus Onlineshoppenden werden also Onlinepatienten. „Profiteure werden die Mediziner sein, die veränderte Patientenbedürfnisse erkennen und darauf aktiv reagieren“, davon ist Peine überzeugt.

Die Umfrageergebnisse würden  zeigen, dass ein grundsätzlicher Widerstand der Ärzteschaft gegenüber digitalen Angeboten nicht zu befürchten ist. Jedoch auch, dass für die Mehrheit der Ärzte das Potential für die eigene Arztpraxis noch nicht erkennbar ist. „Die Öffnung zum digitalen Wandel wird aber von der Branche verlangt“, ist Janine Peine überzeugt. „Das Vogel-Strauß-Prinzip wird zumindest langfristig keine Lösung sein. Diesen Praxen wird es sonst ähnlich ergehen wie seinerzeit dem Einzelhändler.“ Nur wer die Chancen rechtzeitig erkenne, könne seine Praxis „modern, innovativ und zukunftsorientiert“ aufstellen.

Wie Niedergelassene das konkret mit fehlerhafter Technik, hemmender Bürokratie und mangelnder Rentabilität schaffen sollen, verraten die Wirtschaftsexperten leider nicht.

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