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Über 60 % der Ärzte-Websites noch nicht fit für „Mobile First“

von A&W Online

Mann misst Seitenladezeit
Foto: Kaspars Grinvalds - stock.adobe.com

Eine Analyse von 400 Arzt-Homepages zeigt, dass fast 61 % der ärztlichen Websites auf Mobilgeräten Probleme mit der Ladegeschwindigkeit haben. Warum das so ist und was man dagegen tun kann, erklärt Dr. rer. oec. Gundolf Meyer-Hentschel*.

Mobiltauglichkeit ist der neue Goldstandard für Ärzte-Websites

Immer mehr Menschen nutzen das Internet mit Smartphones. Seit 2015 gibt es hier eine steile Aufwärtsentwicklung. Damals betrug der Anteil der mobilen Internetnutzer 54 %. Inzwischen (Daten von 2021) surfen bereits 82 % der Deutschen mobil.

Für Arztpraxen bedeutet dies, dass die Mehrheit der Patienten, die eine Arzthomepage besuchen, dies mit ihrem Handy tun. Folglich spielen die Ladegeschwindigkeit und die Wiedergabe von Praxishomepages auf Mobilgeräten inzwischen eine entscheidende Rolle.

Auch Google hat aus dieser Entwicklung Konsequenzen gezogen. Seit September 2020 analysieren die Google-Bots alle Websites vorrangig unter dem Aspekt ihrer Mobiltauglichkeit. Diese Priorisierung ist auch unter dem Begriff „Mobile First“ bekannt. Die Mobiltauglichkeit einer Website bestimmt u.a. ihr Ranking, das heißt, an welcher Position die Website in den Suchergebnissen auftaucht.

Studie Ladegeschwindigkeit von Ärzte-Webseiten

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen hat die „Meyer-Hentschel Online World“ in einer empirischen Untersuchung die mobile Ladegeschwindigkeit von 400 Praxis-Homepages analysiert (jeweils 200 Praxen niedergelassener Zahnmediziner bzw. Humanmediziner). Erhebungszeitraum war 10. bis 20. Mai 2022.

Die Ladezeiten von Praxis-Homepages im Überblick

Die Ergebnisse zeigen, dass

  • 39,25 % der analysierten Ärzte-Websites eine gute bis zumindest akzeptable Ladegeschwindigkeit auf Mobilgeräten (13,5 % gut, 26 % akzeptabel) haben
  • 60,75 % der Praxiswebsites aber nur eine langsame bis sehr langsame Ladegeschwindigkeit (30,5 % langsam, 30,25 % sehr langsam) erreichen.

LAdezeiten Praxiswebsites

Unterschiede Websites für Zahnärzte vs. Humanmediziner

Bei Betrachtung der Teilstichproben Human- und Zahnmedizin zeigen sich zudem große Unterschiede. Die Praxis-Homepages der Humanmediziner sind demnach im Durchschnitt deutlich schneller als die zahnärztlichen Websites. Sie erreichen einen durchschnittlichen PageSpeed Score von 66 (Skala von 1 – 100), während die Zahnarzt-Websites nur 60 Punkte erzielen. Der Unterschied ist statistisch hochsignifikant (t-Test, p < 0,004).

ladegeschwindigkeit

Während 25 % der Humanmediziner sehr langsame Websites haben, sind es bei den Zahnärzten 35,5 %. Bei den langsamen Websites liegen die beiden Berufsgruppen mit 29,5 bzw. 31,5 % fast gleichauf, während bei den Homepages mit akzeptabler Ladegeschwindigkeit die Humanmedizin mit 30 % wieder klar vor der Zahnmedizin mit 22 % liegt. In der Spitzengruppe der schnellen Websites gibt es mit 13,5 % bzw. 13 % keinen bedeutsamen Unterschied.

Mögliche Gründe für die Unterschiede der Webseiten für Zahnärzte und Humanmediziner

Bei der Analyse wurde zudem festgestellt, dass der Anteil der Zahnarztpraxen, die überhaupt eine Website haben, tendenziell größer ist als bei den Praxen der Humanmediziner. Dies deutet darauf hin, dass die Zahnärzte offener für das Thema Internet sind und deshalb vermutlich auch früher gestartet sind. Dies könnte aber zur Folge haben, dass es hier eine größere Zahl von Websites gibt, die technisch nicht mehr auf dem aktuellen Stand sind und deshalb bei „Mobile First“ nicht mithalten können.

In der Studie wurde auch ermittelt, wie die Ladegeschwindigkeiten auf stationären Geräten (Desktop-Computer, Laptops usw. mit WLAN-Verbindung) sind. Dabei erreichen 88,5 % der Zahnarztwebsites akzeptable bzw. hohe Ladegeschwindigkeiten (35,5 % akzeptabel, 53 % gut). Auch dies spricht für die Vermutung, dass es sich um Websites handelt, die für das stationäre Zeitalter perfekt konzipiert waren, aber den Sprung in die Mobile-First-Ära noch vor sich haben.

Diesen Sprung haben aber auch viele Websites der Humanmediziner noch vor sich. Zur Erinnerung: 56 % dieser Websites laden langsam oder sehr langsam.

Wollen Sie testen, wie schnell Ihre Praxishomepage ist? Hier geht es zum von Google empfohlenen Analyse-Tool PageSpeed Insights.

Warum ist die Ladegeschwindigkeit von Arzt-Homepages wichtig?

Der Ladegeschwindigkeit kommt eine große Bedeutung zu, weil Google großen Wert auf eine positive Nutzererfahrung legt und dazu gehört auch eine kurze Ladezeit. Auch der potenzielle Besucher hat inzwischen wenig Geduld mit langsamen Internetauftritten von Ärzten. Experten haben festgestellt, dass für jede zusätzliche Sekunde, die das Laden einer Seite dauert, 10 Prozent der Nutzer die Seite verlassen.

Was sind häufige Gründe für eine geringe Ladegeschwindigkeit von Webseiten für Ärzte?

Bei der Analyse von langsamen Ärztewebsites findet man überwiegend drei Problemfelder:
• „Kunstfehler“ bei der Verwendung von Bildern
• „Übergewichtiger“ Code
• Träge Erstreaktionszeit des Servers

„Kunstfehler“ bei der Verwendung von Bildern

Die meisten Webseiten für Ärzte verwenden viele Bilder. Das ist grundsätzlich gut. Andererseits kann man dabei viele Fehler machen, vor allem: Verwendung von alten Bildformaten und falsch dimensionierten Bildern. Wenn ein Bild auf der Website z.B. eine Breite von 500 Pixeln haben soll, man aber ein Bild mit 1000 Pixeln Breite bereitstellt, entsteht Rechenaufwand, der die Ladezeit erhöht.

Zu den veralteten Bildformaten zählen unter dem Aspekt „mobile first“ die verbreiteten Formate .jpg und .png. Google empfiehlt Bildformate, die noch stärker komprimiert sind, also vom Datenvolumen her kleiner sind und sich deshalb schnell laden lassen.

Ein letzter Punkt: viele Webseiten von Ärzten arbeiten mit sogenannten Slidern bzw. Diashows. Unter dem Aspekt der mobilen Ladegeschwindigkeit sind solche kreativen Lösungen mit Zurückhaltung zu betrachten.

„Übergewichtiger“ Code

Viele Webseiten von Ärzten fallen durch zu viel bzw. unnötigen Code auf. Jedenfalls macht PageSpeed Insights häufig darauf aufmerksam. Effizienten Code schreiben ist eine Kunst, die nur wenige perfekt beherrschen. Selbst wenn Ihre Webdesigner oder Webagenturen fertige „Themes‘“ bzw. „Templates“ verwenden, schützt dies nicht vor übergewichtigem Code. Auch die „Fertigware“ ist häufig wenig effizient codiert.

Träge Erstreaktionszeit des Servers

Hier geht es darum, wie schnell der Server, auf dem die Website gehostet wird, reagiert. Google nennt folgende Ursachen für eine langsame Reaktionszeit: „Sowohl Designs, Plug-ins als auch Serverspezifikationen tragen zur Serverantwortzeit bei. Versuchen Sie, ein noch weiter optimiertes Design zu finden, wählen Sie ein geeignetes Optimierungs-Plug-in aus und/oder upgraden Sie Ihren Server.“

Hier ist wieder Ihre Webagentur gefordert, die möglicherweise einen suboptimalen Job gemacht hat. Unabhängig davon sollten Websitebetreiber dafür sorgen, dass ihre Homepage auf einem leistungsfähigen Server gehostet wird. Hier lohnt es sich, nicht den billigsten Anbieter zu wählen. Ein Hochleistungs-Server hat seinen Preis.

*Der Autor: Dr. rer. oec. Gundolf Meyer-Hentschel ist Inhaber von Meyer-Hentschel Online World. Der erfahrene Unternehmens- und Praxisberater ist Autor/ Hrsg. von 9 Büchern. 2020 wurde er aufgrund seiner fundierten Expertise in Marquis „Who’s Who in the World“ aufgenommen. Weitere Informationen unter: https://mho.world

Technische Daten der Studie

N = 400  (200 Praxen Zahnmedizin, 200 Praxen Humanmedizin, einschl. MVZ-Praxen). Stichprobe: Geschichtete Zufallsstichprobe. Schichtungskriterium: alle zehn deutschen PLZ-Bereiche, aus denen je zwei zweistellige Bereiche mit Zufallsgenerator ermittelt wurden, konkret: 12, 17, 22, 27, 34, 36, 47, 48, 55, 57, 64, 67, 75, 77, 85, 88, 91, 99, 04, 09

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Author's imageIlias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib
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