Droht uns eine Beitragsexplosion?

Die Gesundheitsreform wird die PKV viel stärker beuteln als bislang geahnt. Das wird teuer, doch nicht existenzgefährdend. Dennoch malt die Asskuranz ein Untergangsszenario. A&W-Autor Claus Cory findet das übertrieben.

Der Kabinettsbeschluss zur Gesundheitsreform hat die PKV-Existenz bestätigt. Durch die Portabilität der Alterungsrückstellung und den Basistarif werden die Wahl- und Wechselmöglichkeiten der Versicherten verbessert. Alle Unternehmen der PKV bieten künftig einen Basistarif an, der sich am Leistungsumfang der GKV orientiert. Der Basistarif löst den Standardtarif ab. Er kann mit Zusatzpolicen desselben oder eines anderen PKV-Unternehmens kombiniert werden. Ein Wechsel in einen der anderen Tarife ist möglich. Jeder PKV-Versicherte, freiwillig GKV-Versicherte und alle Nichtversicherten, die vormals in der PKV waren, können in den Basistarif wechseln. Jeder Antrag muss ohne Risikoprüfung angenommen werden. Um eine nicht behebbare Risikoselektion zu verhindern, kommt ein branchenweiter Risikoausgleich. Der Beitrag für den Basistarif wird der Höhe nach begrenzt, um seine Bezahlbarkeit zu gewährleisten. Er darf den durchschnittlichen GKV-Höchstbeitrag (knapp 500 Euro) nicht überschreiten.

Die Alterungsrückstellung des Basistarifs wird beim Wechsel zwischen PKVUnternehmen übertragen (Portabilität), eine Auszahlung scheidet aus. Für Versicherungsnehmer, die aus einem anderen Tarif in einen Vollversicherungstarif bei einem anderen PKV-Unternehmen wechseln, wird die vorhandene Alterungsrückstellung höchstens in der Höhe übertragen, die dem Leistungsniveau des Basistarifs entspricht.

Für nicht verfassungskonform hält die PKV Basistarif und Portabilität. „Viel DDR, wenig soziale Marktwirtschaft“, so Guido Westerwelle. Sicher wird der Basistarif die Branche belasten – aber bestimmt nicht so, dass eine Beitragsexplosion folgt. Horrende Zahlen sind im Umlauf – 50 Prozent und mehr sollen es werden. Schon der Standardtarif wurde kaum wahrgenommen – ganze 20.000 Versicherte waren es Ende 2005 gegenüber 8,4 Millionen Vollversicherten.

Mit der Portabilität verhält es sich ähnlich. Bei der GKV wurde trotz unterschiedlicher Beitragssätze kaum gewechselt. Auch bei der PKV sind keine riesigen Wechselströme zu erwarten. Aber man tut so, als ob Hunderttausende ihren Krankenschutz wechseln wollten. Es sei denn, PKV-Vertreter machen aus Provisionsinteresse Kampagnen und initiieren „Umdeckungen“, wie ein Makler befürchtet. Dann wäre dies aber ein Problem innerhalb der Branche. Gesundheitsökonom Jürgen Wasem: „Wegen der Mitnahme der Altersrückstellungen und dem subventionsbedürftigen Basistarif rechne ich mit einem Beitragsanstieg von vielleicht zehn bis zwanzig Prozent.“

A&W-KOMPAKT

  • Rückstellungen können nur für den Teil mitgenommen werden, der auf den neuen Basistarif entfällt.
  • Diese Regelung gilt für die ersten fünf Jahre nur für die, die älter als 40 Jahre sind.
  • Ganz geöffnet wird das System ab 2013.
  • Um eine negative Risikoauslese zu verhindern, wird ein branchenweiter Risikoausgleich eingeführt.
  • Die PKV will Nachbesserungen.
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