Arztpraxis

Ein Blick in die Zukunft

In den kommenden Jahren wird sich die medizinische Versorgung von Patienten und dadurch der Arbeitsalltag in Arztpraxen stetig verändern. Dafür sorgen wird die neue Erwartungshaltung von Patienten, die es zunehmend gewohnt sind, dass digitale Lösungen verschiedenste Lebensbereiche vereinfachen. Dieser Anspruch wird sich auch auf die Gesundheitsversorgung übertragen.

Über die „Digital Natives“ und die „Quantified Self“ wird die Digitalisierung im medizinischen Bereich immer mehr an Bedeutung gewinnen.

Die Technik in unserem Leben wird immer einfacher, intuitiver zu bedienen. Musste man früher beispielsweise für das Betriebssystem noch Tastenkombinationen auswendig lernen oder Benutzerhandbücher studieren, fragt uns das System heute oft schon von alleine, ob wir eine bestimmte Funktion ausführen möchten. Die Technik passt sich somit unseren Anforderungen und Gewohnheiten an. Wieso sollte diese Entwicklung den medizinischen Bereich aussparen? Sinnvoller wäre vielmehr, die neuen technischen Möglichkeiten zu nutzen, um die medizinische Versorgung zu verbessern. Was wäre beispielsweise, wenn eine personalisierte Medizin die Gesundheitsrisiken und Krankheiten eines Patienten erkennt, noch bevor diese auftreten? Oder ein Monitoring der Gesundheitsdaten, es dem Arzt ermöglicht, sofort zu agieren, wenn sich die Werte verschlechtern?

Ärzte nähern sich dem digitalen Wandel an

Wie schätzen die Ärzte selbst diese Entwicklung ein? Welche Chancen sehen sie und bei welchen E-Health-Anwendungen halten sie den täglichen Einsatz für wahrscheinlich? In der E-Health-Studie „Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit 2015“ der Stiftung Gesundheit wurden genau diese Fragen gestellt. Ärzte wurden nach ihrer Einschätzung des veränderten Praxisalltags in zehn Jahren befragt. Das Ergebnis: Mehr als 45 Prozent der Ärzte erwarten, dass das Fernbehandlungsverbot innerhalb der nächsten zehn Jahre deutlich gelockert wird. Gleichzeitig können sich 37,4 Prozent der Umfrageteilnehmer vorstellen, dass zukünftig die Steuerung der Terminvergabe und die Terminoptimierung durch Online-Tools wesentlich effizienter werden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Betrachtung des Themas Self-Monitoring. 41,7 Prozent der befragten Mediziner sprachen der Sammlung von Gesundheitsdaten mithilfe von Smartphone und Apps zukünftig eine wichtige Rolle in der medizinischen Betreuung zu. Nur 35,4 Prozent der Ärzte widersprachen dieser Aussage. Damit zeigen die Ergebnisse deutlich, dass sich die Einstellung der Ärzte gegenüber der technischen Entwicklung stark im Wandel befindet. Noch in der Vorjahresstudie der Stiftung Gesundheit konnten sich 52,9 Prozent der Befragten nicht vorstellen, dass Apps in Zukunft den Gesundheitszustand ihrer Patienten überwachen könnten.

Self-Monitoring: Hilfreiche Datensammlung in Eigenregie?

Mit Fitnessarmbändern und Smartphones die eigenen Schritte zählen, den individuellen Kalorienverbrauch berechnen oder gar den eigenen Schlaf analysieren. Solche Messgeräte versprechen in Zukunft immer beliebter und gebräuchlicher zu werden. Für eingefleischte Vertreter der Gesundheitsdatensammler gibt es sogar bereits ein eigenes Netzwerk, „The Quantified Self“. Es besteht aus Anwendern und Anbietern von Methoden sowie Hard- und Softwarelösungen, mit deren Hilfe z. B. umwelt- und personenbezogene Daten aufgezeichnet, analysiert und ausgewertet werden können. Ziel ist es, Erkenntnisse über den eigenen Körper zu gewinnen und darauf aufbauend das eigene Leben zu optimieren, z. B. fitter oder gesünder zu werden. Als weitere Motivation wird oft ein generelles Misstrauen gegenüber den als zu allgemein empfundenen Normen und Wissensgrundlagen der traditionellen Medizin genannt. Dieser Ansatz wird jedoch gerade von Medizinern kritisch gesehen. „Wenn jemand wirklich krank ist und Hilfe braucht, dann kann er das nicht mit Google oder einer App lösen. Dann geht er zum Arzt.“, so z. B. die Einschätzung von Dr. med. Franz Bartmann, Vorsitzender des Ausschusses „Telematik“ der Bundesärztekammer, in einem Beitrag über Medizin-Apps in den Kieler Nachrichten vom 03.02.2015. Er teile die Sorge nicht, dass Ärzte durch solche Angebote überflüssig würden. Sinnvoller hingegen sei ein kontinuierliches Monitoring bei chronischen Krankheiten. Hier könne man mit Hilfe entsprechender Apps Daten schneller an den behandelnden Arzt übermitteln und einfacher auswerten.

Fazit

Die Situation erscheint somit geradezu paradox: Auf der einen Seite arbeiten Ärztevertreter und Gesundheitspolitiker in einem langjährigen und nicht immer einfachen Prozess darauf hin, geeignete Rahmenbedingungen, Voraussetzungen und (Daten)Schutzvorkehrungen für den Einzug der Technik im Gesundheitswesen zu schaffen (Stichwort E-Health-Gesetz). Auf der anderen Seite erstellen sich Patienten kurzerhand ihre eigenen Datensammlungen auf dem Smartphone und im Internet. Das sich aufzeigende Problem ist deutlich: Die oft kostenlos erhältlichen Gesundheitsanwendungen unterliegen keinen Prüfvorgaben. Es gibt sozusagen keinen „App-TÜV“. Weder die Validität noch der Schutz der so gemessenen Gesundheitsdaten sind gewährleistet. Hinzu kommt die Frage nach der richtigen Interpretation der gewonnenen Werte. Wie nützlich somit solche Anwendungen sind, muss stets kritisch bewertet werden. Fest steht jedoch: Das Gesundheitswesen wird digital. Daran ist nicht zu rütteln. Auf Seiten der Patienten befindet sich eine stetig steigende Nachfrage nach technischen Lösungen. Diese muss von Ärzten antizipiert und bedient werden. Für eine erfolgreiche und zufriedenstellende Entwicklung ist es jedoch notwendig, dass sowohl Patienten als auch Ärzte davon einen Nutzen haben, während gleichzeitig ein höchstmöglicher Schutz der Daten gewährleistet ist. Eine Möglichkeit mit dem Ärzte ihren online-affinen Patienten bereits heute entgegenkommen können, ist das Angebot sogenannter Online-Services (z. B. CGM LIFE eSERVICES), wie die Online-Terminbuchung, die Online-Rezeptvergabe oder auch das Angebot einer Online-Sprechstunde bei Rückfragen oder Beratungsbedarf. Damit erfüllen Ärzte nicht nur die neue Nachfrage der Patienten, sondern entlasten gleichzeitig das eigene Praxisteam in hohem Maße.

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Jürgen Veit

Jürgen Veit

Leiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

Jürgen Veit ist bei der CompuGroup Medical Deutschland AG für die Kommunikation D-A-CH verantwortlich. Der Kommunikationswirt war vorher rund 25 Jahre in führenden Funktionen in internationalen Kommunikationsagenturen tätig.

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