Aktuelle Analyse

Einnahmen je Praxisinhaber um durchschnittlich 40.800 Euro gestiegen

Die wirtschaftliche Lage in Arzt- und Psychotherapiepraxen hat sich laut aktuellem Zi-Praxis-Panel zwischen den Jahren 2013 und 2016 merklich verbessert. Ein Einkommen, das zumindest dem Gehalt eines Oberarztes im Krankenhaus entspricht, erreichen viele Praxisinhaber trotzdem nicht.

Laut Zi-Praxis-Panel konnten niedergelassene Ärzte 2013 bis 2016 hohe Zuwächse bei ihren Praxiseinnahmen verzeichnen. Lagen die Gesamteinnahmen im Jahr 2014 im Durchschnitt noch bei 304.000 Euro, stiegen sie 2015 auf 312.700 und 2016 nochmals auf 326.500 Euro an. Bei den Aufwendungen für Personal, Material und Miete gab es in diesem Zeitraum allerdings ebenfalls starke Zuwächse.

Was nach Abzug der Praxiskosten bleibt

Nach Abzug dieser Praxiskosten bleibt ein Anstieg der Einnahmen je Praxisinhaber um durchschnittlich 40.800 Euro auf zuletzt (2016) 170.400 Euro. In Gemeinschaftspraxen erreichten die Jahresüberschüsse je Praxisinhaber 2016 sogar 197.900 Euro. Damit fielen sie 27 % höher aus als in Einzelpraxen (156.400 Euro).

Wie die Details der aktuellen Analyse zeigen, erfolgte der Zuwachs nicht gleichmäßig. So stiegen die Einnahmen je Praxisinhaber 2014 -vor allem dank nachträglicher Honorarzahlungen der KVen – um satte 6,5 %, im Jahr darauf nur noch um 2,8 %. 2016 fiel der Anstieg mit 4,4 % wieder etwas höher aus.

Welche Ärzte am meisten vom aktuellen Plus profitierten

Das höchste durchschnittliche Plus beim Jahresüberschusses verbuchten Praxisinhaber im Fachgebiet Psychotherapie mit 7,7 %. Ihrer Einnahmensteigerung von 5,7 %  stand nur ein Kostenzuwachs von 0,7 % gegenüber. Außerdem profitierten Psychotherapeuten insbesondere 2016 von Honorarnachzahlungen für die Jahre 2012 bis 2015.

Die Praxisinhaber im Fachgebiet Dermatologie mussten die höchsten prozentualen Kostensteigerungen hinnehmen, nämlich um durchschnittlich 5,2 %. Die größte durchschnittliche Steigerungsrate der Einnahmen (+6,0 %) wurde allerdings ebenfalls im Fachgebiet Dermatologie erzielt. Im Mittel blieb Dermatologen mit eigener Praxis beim Jahresüberschuss ein Plus von 7,0 %.

Markant sind die Unterschiede zwischen Ärzten mit konservativer Tätigkeit und Ärzten, die operative Leistungen erbringen. So wurden im Jahr 2016 in operativ tätigen Praxen im Vergleich zu konservativ tätigen Praxen durchschnittlich 23.500 bis 357.500 Euro höhere Jahresüberschüsse je Praxisinhaber erzielt.

Bezogen auf die durchschnittliche Arbeitszeit von 2.215 Stunden pro Inhaber und Jahr ergibt sich ein rechnerischer Überschuss von 77,50 Euro je Inhaberstunde im Jahr 2016. Hausärzte erreichten hier etwa 76 Euro je Inhaberstunde, fachärztliche Internisten mit etwa 111 Euro je Inhaberstunde mehr als alle anderen Praxisinhaber. In der psychotherapeutischen Versorgung wurde ein Überschuss von etwa 43 Euro je Inhaberstunde erreicht.

Einnahmen je Praxisinhaber

Gesamteinnahmen sind nicht das Einkommen des Praxisinhabers

Abgesehen davon, dass es sich nur um Durchschnittswerte handelt, kann nicht oft genug betont werden, die Gesamteinnahmen je Praxisinhaber keinesfalls mit dem Einkommen der Ärzte und Psychotherapeuten zu verwechseln. Denn das tatsächliche „Netto-Einkommen“ der Ärzte und Psychotherapeuten ergibt sich erst nach Abzug von Steuern, Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie den Beiträgen zu Versorgungswerken und ggf. weiteren Vorsorgeaufwendungen.

Wie der Zi-Praxis-Panel an einer Beispielrechnung zeigt, fällt das verfügbare Nettoeinkommen eines selbständigen Arztes dann deutlich niedriger aus. Nimmt man den durchschnittlichen Jahresüberschuss von 170.351 Euro und zieht davon die üblichen Beiträge zur ärztlichen Altersvorsorge, zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie die Einkommenssteuer ab, verbleibt nur noch ein Nettoeinkommen in Höhe von 85.399 Euro bzw. 72.871 Euro im Jahr. Dies entspricht einem monatlich verfügbaren Einkommen in Höhe von immerhin 7.117 Euro bzw. 6.073 Euro. Berücksichtigt man allerdings noch die durchschnittlichen Arbeitszeiten der Niedergelassenen, ergibt sich ein Netto-Stundensatz von 39 Euro bzw. 33 Euro.

Der Grundsatz, dass ein Praxisinhaber bei vollzeitiger Tätigkeit einen Überschuss erzielen sollte, der mindestens einem Oberarztgehalt entspricht, wird somit oftmals gar nicht erreicht. Im Gegensatz zu angestellten Medizinern tragen Niedergelassene aber trotzdem noch das volle unternehmerische Risiko.

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