Elektronische Gesundheitskarte

Elektronische Gesundheitskarten: Personalisierung ohne Prüfung

Hübsch sind sie ja, die neuen elektronischen Gesundheitskarten. Nur leider weiß niemand so genau, ob das aufgedruckte Foto wirklich einen versicherten Patienten zeigt. Unerfreulich – vor allem für die Ärzte.

Manchmal geht‘s daneben. Ursprünglich sollte die elektronische Gesundheitskarte (eGK) das Gesundheitswesen besser und effizienter machen – und dank des aufgedruckten Fotos vom Karteninhaber auch noch Missbrauch verhindern. So richtig funktioniert hat das Ganze bislang allerdings nicht.

Zwar kommen die eGKs seit Anfang des Jahres tatsächlich zum Einsatz. Ob auf den Karten, die die Patienten in der Praxis vorlegen, aber tatsächlich deren eigenes Konterfei prangt, oder ob es den Nachbarn, Bruder oder Onkel zeigt, ist für Ärzte erst einmal nicht ersichtlich. Grund: Die Kassen haben die von den Versicherten eingesandten Fotos ungeprüft übernommen. Die genauen Folgen sind noch nicht absehbar.

Eine Prüfung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) kam unlängst  zu dem Ergebnis, dass die eGK nutzlos und deren Einführung juristisch angreifbar sei. Die Kassen seien verpflichtet gewesen, die Übereinstimmung des aufgedruckten Lichtbildes, der Person des Inhabers der Karte sowie der künftig auf der eGK gespeicherten Sozialdaten zu verifizieren. Kassen und Gesundheitsministerium sehen das naturgemäß etwas anders. Und jetzt?

Die Verantwortlichen aus Politik und Selbstverwaltung sind erst einmal damit beschäftigt, sich gegenseitig den schwarzen Peter für die Probleme bei der Einführung der Karte zuzuschieben und juristische und technische Versäumnisse zu diskutieren. Die Ärzte hingegen müssen handeln – und bis auf Weiteres wohl nach althergebrachten Mustern verfahren.

„De facto bleibt es dabei, dass sich Ärzte oder die medizinischen Fachangestellten den Personalausweis zeigen lassen, wenn sie Zweifel an der tatsächlichen Identität des Patienten haben“, sagt der scheidende KBV-Chef Andreas Köhler zu Arzt &Wirtschaft. Klingt einfach. Ist es aber nicht.

So pragmatisch es auch erscheint, unbekannte Patienten nach ihrem Ausweis zu fragen: Wenn der Betreffende sich weigert, sind Probleme programmiert. Denn niedergelassene Ärzte haben keine Hoheitsrechte. Sie können nur um die Vorlage des Ausweises bitten, diese aber nicht durchsetzen. Damit sind sie bei der Identitätsprüfung im Ernstfall doch wieder auf das Bild der eGK angewiesen. Das kann, wie gesehen, das falsche sein – oder ganz fehlen (siehe Kasten). Ein unschöner Befund.

Andererseits: Bei einer Vorlaufzeit von nicht einmal zwölf Jahren darf man in der deutschen Gesundheitspolitik wohl auch nicht mehr erwarten.

 

A&W-Kompakt
Die eGK – ein Schildbürgerstreich
Die elektronische Gesundheitskarte ist seit Anfang 2014 Pflicht. Doch auch die  alten Karten ohne Bild sind noch gültig und können von Versicherten ohne eGK bis zum aufgedruckten Gültigkeitstermin genutzt werden. Das war so nicht geplant. Eigentlich sollte die neue Karte  schon 2006 auf den Markt kommen. Wegen technischer Probleme und nicht enden wollender Diskussionen über deren Notwendigkeit, die Kosten und die Datensicherheit verzögerte sich die Einführung immer wieder. Selbst nach dem offiziellen Startschuss im Januar dieses Jahres besitzen noch etwa fünf Prozent der rund 70 Millionen gesetzlich Versicherten nach wie vor keine eGK, sondern nutzen das alte Standardmodell.

FeedbackSenden
Anzeige

KoCoBox MED+: Das Tor zu einer neuen Welt

Der Konnektor sorgt dafür, dass AIS, KIS, ZIS u.v.m. beim Einsatz der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) sicher in die zentrale Telematikinfrastruktur des Gesundheitswesens eingebunden sind. Als e... Mehr
Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

Weitere Artikel zum Thema:

Aktion gilt für alle Neuwagen

VW-Aktionsangebote für Ärzte


Buchtipp der Woche

Taschendolmetscher für Ärzte


Kreditinstitute

Neues Investitionsprogramm für Ärzte


Privatversicherung

Entscheidungshilfen für Patienten


Berufsunfähigkeit

Spezielle Versicherung für Ärzte


Anzeige
Drucken