Märkte sehen seine Schokoladenseite

Trump: Erst wüster Wahlkämpfer, jetzt Wirtschaftsheld?

Wer hätte das gedacht: Die Finanzmärkte gewähren Donald Trump seit gut einem Monat viele Vorschusslorbeeren. Ihre Hoffnung: Der Populist und Milliardär könnte als neuer Präsident in den USA einen Wirtschafts-Boom auslösen. Ob das gutgeht?

Der wüste Wahlkämpfer Donald Trump wird neuer Präsident der USA – das war für die meisten Bürger und Anleger hierzulande ein Schreckens-Szenario. Zudem hatten viele Finanzexperten Schlimmes für die Aktienmärkte befürchtet, wenn Trump gewählt werden sollte. Diese Meinung entpuppte sich als kolossaler Irrtum: Vom Wahltag bis Mitte Dezember hat der Aktienmarkt in den USA rund sechs Prozent zugelegt. Auch in Europa und speziell in Deutschland sind Euro Stoxx 50 und DAX seither mit einem Plus von sechs bzw. sieben Prozent auf der Gewinnerseite.

Deutlich schlechter als den Aktienmärkten der Industrieländer erging es zwei anderen Anlageklassen: sicheren Staatsanleihen und Gold. Amerikanische, aber auch deutsche Schuldpapiere mit 20 Jahren Restlaufzeit haben vier Wochen nach dem Wahltag je rund fünf Prozent verloren, was im Gegenzug die Renditen bzw. die Zinsen steigen ließ. Bei Gold, in Dollar berechnet, beliefen sich die Verluste sogar auf acht Prozent. Euro-Anleger mussten etwas weniger bluten, weil der starke Dollar ihre Verluste auf vier Prozent begrenzte.

Märkte sehen Trumps Schokoladenseite
Für Karl-Heinz Geiger von der SVA Vermögensverwaltung Stuttgart zeigt dies: „Die Investoren schauen derzeit vor allem auf Trumps Schokoladenseite. Sie gehen davon aus, dass er die für die Wirtschaft positiven Dinge – Ausbau der Infrastruktur und Steuersenkungen – umsetzt und negative Maßnahmen unterlässt.“ In der Tat dürften die als positiv bewerteten Maßnahmen das Wirtschaftswachstum kräftig ankurbeln: Während die Infrastruktur-Projekte für eine ungewohnt hohe Nachfrage durch den Staat sorgen und so Gewinne und Einkommen steigen lassen würden, ließe die massive Steuerreform Unternehmen mehr für Investitionen und Bürgern mehr für ihren Konsum – was zu neuen Gewinnen und Einkommen führt.

Industrie- und Energieaktien liegen vorn
An den Aktienmärkten schlägt sich das neue Szenario bereits in einem Favoritenwechsel nieder: Bis in den Sommer hinein lagen defensive Sektoren wie Versorger- und Konsumaktien an der Spitze – wenig aufregende Papiere, aber attraktiv wegen der konstanten, hohen Dividenden. „Seit der Wahl Trumps sind zyklische Industrie- und Energieaktien sowie Bankaktien vorne. Vor allem Industrie- und Energieunternehmen dürften von einer stärkeren Konjunktur profitieren, und Banken erzielen insbesondere dank höherer langfristiger Zinsen mehr Gewinne“, sagt Claus Walter, Geschäftsführer von Freiburger Vermögensmanagement in Freiburg.

Dollar ist so stark wie lange nicht
Während der Anstieg der Aktienmärkte die Hoffnung spiegelt, dass die US-Wirtschaft bald spürbar stärker wachsen wird, zeigt der Rückgang der Anleihekurse: Die Anleger rechnen mit anziehender Inflation und wollen deshalb höhere Zinsen, wenn sie dem Staat Geld leihen. Zudem gehen sie davon aus, dass die US-Notenbank alles im Griff hat – sprich, dass sie die Leitzinsen stets so weit erhöht, dass die Inflation nicht aus dem Ruder läuft. „Wäre das anders, würde der Goldpreis steigen“, erklärt Geiger.

Angesichts der vielen positiven Erwartungen zeigt sich auch der Dollar sehr stark. Der US-Dollar-Index, der den Wert des Dollars gegenüber einem Korb bedeutender Währungen misst, notiert so hoch wie zuletzt vor 13 Jahren. „Das Vertrauen, dass die Vereinigten Staaten zur Lokomotive für die Weltwirtschaft werden können, ist so groß wie lange nicht mehr. Offenbar billigt der Markt Trump einen Reagan-Reloaded-Bonus zu“, so Walters Einschätzung – wobei „der Neue“ trotz hoher Schulden den Vorteil hat, dass die Zinsen für Neukredite viel niedriger sind als in Reagans Amtsperiode.

Schaden höhere Zinsen dem Aktienmarkt?
Stellt sich die Frage, ob die Investoren sich da nicht ein arg rosiges Bild malen. Zum einen ist ja nicht gesagt, dass Trump welt- und handelspolitisch kein politisches Porzellan zerdeppert. Zum anderen stellen steigende Zinsen nach einer Daumenregel an der Börse eine Gefahr für den Aktienmarkt dar. Walter ist jedoch zuversichtlich, dass die Aktienmärkte erst nach einer Reihe von Zinserhöhungen ins Trudeln kommen könnten. Der Grund: „Nicht die Zinserhöhungen allein sind ausschlaggebend, sondern die Differenz zwischen lang- und kurzfristigen Zinsen“, so der Vermögensverwalter.

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