Corona-Krise

Erste Studien zu möglichen Spätfolgen von SARS-CoV-2

Seit dem Ausbruch in Deutschland sind erst ein paar Monate vergangen, dadurch sind Spätfolgen des Virus noch schwer einzuschätzen. Doch jetzt verweist das Robert Koch-Institut (RKI) auf erste wissenschaftliche Studien.

Forscher aus aller Welt beschäftigen sich eingehend mit dem Coronavirus, dennoch ist das Thema noch mit vielen Fragezeichen verbunden. So wie der Krankheitsverlauf, dessen Bandbreite von symptomlosen Verläufen bis zu schweren Lungenentzündungen mit Lungenversagen und Tod reicht.Allerdings gibt es bereits erste Erkenntnisse zu möglichen Langzeitfolgen des Virus. Das Robert-Koch-Institut hat sie in einem aktuellen Steckbrief aufgelistet.

1. Neurologische Erkrankungen

Einige der ausgewerteten Studien berichten über Symptome und Erkrankungen, die darauf schließen lassen, dass auch neurologische Langzeitfolgen auftreten können. Das RKI berichtet beispielsweise von einer Patientin mit möglicherweise SARS-CoV-2-assoziierter akuter nekrotisierender hämorrhagischer Enzephalopathie und von einem Patienten mit SARS-CoV-2-assoziierter Meningitis.

Zudem stellt eine weitere Analyse die These auf, dass SARS-CoV-2-Viren neuroinvasive Eigenschaften besitzen, die das zentrale Nervensystem schädigen und damit zum Lungenversagen beitragen könnten. Auch wird in einigen Fallberichten ein Zusammenhang mit dem Auftreten eines Guillain-Barré-Syndroms in seiner typischen Form und in der Miller-Fisher-Variante mit SARS-CoV-2-Infektionen geknüpft.

2. Dermatologische Manifestationen

Zusätzlich wird eine große Bandbreite an dermatologischen Manifestationen beschrieben. Darunter juckende, morbilliforme Ausschläge, Papeln, Rötungen und ein Nesselsucht-ähnliches Erscheinungsbild sowie Hautbläschen und Frostbeulen-ähnliche Hautläsionen. Eher selten kamen schwere Durchblutungsstörungen in den Akren bis hin zum Gangrän vor. Des Weiteren gehen einige Wissenschaftler ätiologisch von einem direkt durch das Virus ausgelösten viralen Exanthem aus. Wiederum andere führen die Erscheinungen auf eine Hyperkoagulation zurück, einhergehend mit mikrovaskulären, thrombotischen Verletzungen.

Zudem zeigen Studien, dass das Auftreten dieser Hautmanifestationen sowohl am Anfang des Krankheitsverlaufs, also noch bevor andere bekannte Symptome beobachtet werden konnten, als auch im späteren Erkrankungsverlauf zu erkennen sind. Hiervon können sowohl Kinder als auch Erwachsene betroffen sein.

Insgesamt treten solche Hautmanifestationen nach aktuellem Datenstand jedoch selten auf. Hier beruft sich das RKI auf eine Studie, die in China durchgeführt wurde. So waren in China 0,2 Prozent der gesamten und 1,2 Prozent der schwerer erkrankten Personen betroffen.

Deshalb gibt das Institut zu bedenken: „Da viele der berichteten Hauterscheinungen nicht nur spezifisch bei COVID-19, sondern auch bei anderen Erkrankungen vorkommen, ist noch weitere Forschung an größeren Studienkollektiven nötig, um bestimmte dermatologische Erkrankungsmuster zu erkennen, die vielleicht in bestimmten Fällen die Diagnose einer COVID-19-Erkrankung erleichtern, oder eine gezieltere Behandlung gegen mögliche Spätfolgen erlauben.“

3. Herz-Kreislauf

Die Studien berichten auch vermehrt über Herz-Kreislauf-Komplikationen und -Folgeerkrankungen. Insbesondere bei schweren Infektionen der Atemwege mit akutem Lungenversagen und Sauerstoffunterversorgung durch COVID-19 drohen den Patienten kardiovaskuläre Erkrankungen wie Myokardschädigungen, Myokarditis, akuter Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen und venöse thromboembolische Ereignisse.

Eine aktuelle Studie aus den Niederlanden beschreibt außerdem den klinischen Verdacht auf thromboembolische Ereignisse bei 35 von 76 (47 Prozent) COVID-19-Patienten, die auf einer Intensivstation behandelt wurden. In insgesamt 16 Fällen wurde eine Lungenembolie in (sub-) segmentalen Arterien festgestellt. In vier Fällen eine Lungenembolie in der Zentralarterie, in drei Fällen eine tiefe Venenthrombose und in zwei Fällen ein ischämischer zerebrovaskulärer Insult.

4. Nierenerkrankungen

Das Robert Koch-Institut berichtet außerdem, dass in Studien die an hospitalisierten Patienten durchgeführt wurden, das Auftreten von akutem Nierenversagen insbesondere bei schwer erkrankten beatmungspflichtigen COVID-19-Patienten beobachtet wird. „Der Anteil der Patienten, die ein akutes Nierenversagen entwickelt, variiert dabei erheblich von 0,5 bis 36,6 Prozent, was vermutlich mit der unterschiedlichen Zusammensetzung der Studienpopulationen zusammenhängt (Alter, Schwere der COVID-19 Erkrankung, Vorerkrankungen).“

Eine große multizentrische New Yorker Kohortenstudie mit hospitalisierten COVID-19-Patienten stellt fest, dass 36,6 Prozent der 5.449 Teilnehmer ein akutes Nierenversagen unterschiedlicher Schwere entwickelten, davon benötigten 14,3 Prozent eine Dialysebehandlung. Des Weiteren lag der Anteil an akutem Nierenversagen bei beatmungspflichtigen Patienten bei 89,7 Prozent im Vergleich zu 21,7 Prozent bei nicht-beatmeten Patienten.

Anzeige

Sparen Sie Zeit bei der Dokumentation – jederzeit, überall

Die zunehmende Überlastung der Ärzte ist besorgniserregend. Neue gesetzliche und administrative Anforderungen, gestiegene Patientenzahlen sowie begrenzte Budgets stellen die niedergelassenen Praxen ... Mehr
Author's imageServiceredaktion

Weitere Artikel zum Thema:

Kampf gegen das Virus

Weltweit über 1.000 Forschungsprojekte zu Corona


Analyse

Wirtschaft: So unterschiedlich meistern Länder die Corona-Krise


Kosten ohne Leistung

Mitgliedsbeiträge: Muss man während der Corona-Krise weiterzahlen?


Geschäfte mit der Angst

Wettbewerbszentrale: Unlautere Werbung mit der Corona-Krise nimmt zu


Aktuelle Studie

Forscher bestätigen: SARS-CoV-2-Übertragung vor den ersten Symptomen