Gesundheitssystem

Es krankt. Speziell an den Ausgaben!

Fehlanreize und medizinisch-technischer Fortschritt sind die größten GKV-Kostentreiber. Die Demografie spielt dagegen laut Institut der Deutschen Wirtschaft kaum eine Rolle.

Weil die GKV-Ausgaben seit Jahren stark ansteigen, erhöhen sich die Versicherungsbeiträge und damit die Lohnzusatzkosten. Bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 3.750 Euro sind heute 14,9 Prozent des Monatslohns für die Krankenversicherung fällig. 1992 waren es erst 12,3 Prozent. Der aktuelle Beitragssatz ist zudem nur die halbe Wahrheit: Würde der Bundeszuschuss – derzeit 15,7 Milliarden Euro im Jahr – ebenfalls über Beiträge finanziert, läge der Satz bei 16,5 Prozent.

Es gibt zwei Erklärungen für die Finanzsituation der GKV: Die erste sieht das Problem vorrangig im Ausgabenwachstum, die zweite schiebt die Geldnot auf die Erosion der beitragspflichtigen Einkommen. Was stimmt? Seit 1991 sind die Ausgaben der GKV je Versicherten um 86 Prozent gestiegen, die beitragspflichtigen Einkommen dagegen nur um 48 Prozent. Die GKV-Ausgaben wuchsen also pro Kopf und Jahr um durchschnittlich 1,3 Prozentpunkte stärker als die beitragspflichtigen Bruttoentgelte und Renten. Das konnten auch all die Kostendämpfungsreformen nicht verhindern.

Dass die Gesundheitsausgaben weit überproportional steigen, bedeutet deshalb aber nicht zwingend, der Gesetzlichen Krankenversicherung würde die Finanzierungsgrundlage wegbrechen. In diesem Zusammenhang muss nämlich auch die Einkommensentwicklung beleuchtet werden. Nur wenn das Pro- Kopf-Wachstum der für die GKV beitragspflichtigen Einkommen auf Dauer hinter dem des Volkseinkommens zurückbleiben würde, stünde das GKV-Finanzierungskonzept tatsächlich auf tönernen Füßen.

Doch dem, so das Institut der deutschen Wirtschaft, ist so nicht: Zwischen 1991 und 2009 wuchsen die beitragspflichtigen Einkommen und das Volkseinkommen demnach beinahe gleich stark. Also verschulden weniger die bei- tragspflichtigen Einkommen die GKV-Finanznot, sondern die Ausgaben. Und die steigen weiter.

Fasst man das Zusammenspiel von Fehlanreizen und dem medizinisch-technischen Fortschritt in einem Ausgabenfaktor zusammen, dann gehen die meisten Studien von einer jährlichen Kostensteigerung von einem Prozent für die GKV aus. Bereits ohne den Einfluss der Bevölkerungsalterung werden die Pro- Kopf-Ausgaben der GKV allein aufgrund der Fehlsteuerungen im System bis 2060 real um 68 Prozent steigen. Der Kostenanstieg durch Fehlanreize und den technischen Fortschritt fällt also 2,5- bis 2,8-fach höher aus, als der Anstieg, den die Bevölkerungsalterung in der GKV verursacht.
A&W-KOMMENTAR

Es gibt eine Möglichkeit, …
… die Fehlanreize zu beseitigen: eine sozial abgefederte Prämienfinanzierung der GKV. Diese kann für mehr Transparenz und Kostenverantwortung bei den Versicherten sorgen. Dann wären die Kassen und Leistungserbringer gezwungen, im Wettbewerb nach effizienten Versorgungsformen zu suchen und kostengünstigere Versicherungstarife anzubieten. Dies würde zwar das Ausgabenwachstum nicht komplett stoppen können – wohl aber deutlich abbremsen.

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