Darauf müssen Ärzte bei Vertragsabschluss achten

Berufsunfähigkeitsversicherung: Fallstricke bei der Vorsorge

Jeder vierte Bundesbürger wird im Laufe seines Lebens arbeitsunfähig. Ärzte sind zwar über ihr Versorgungswerk für solche Fälle abgesichert, allerdings sind die Voraussetzungen für den Leistungsbezug sehr streng. Eine private Zusatzversicherung ist sinnvoll, doch auch in diesen Verträgen lauern fiese Fallen.

Krank geworden durch den Beruf, nach einem Unfall nicht mehr voll einsatzfähig – das Ergebnis sieht gerade für Selbstständige meist dramatisch aus: Die Existenzgrundlage ist weg, das Einkommen fehlt, die Kosten sind aber noch da, der finanzielle Ruin für die ganze Familie droht. Zwar sind Ärzte über die Versorgungswerke für den Fall einer Berufsunfähigkeit eigentlich abgesichert, doch die Voraussetzungen für den Leistungsbezug sind streng. Geld fließt in der Regel nur, wenn der Beruf komplett aufgegeben wird. Wer z.B. nach einem Unfall nicht mehr als Arzt, aber beispielsweise noch als Gutachter arbeiten könnte, bekommt nichts. Vor diesem Hintergrund sind Ärzte gut beraten, zusätzlich noch eine private Berufunfähigkeitsversicherung abzuschließen, die auch zahlt, wenn die Approbation noch nicht zurückgegeben wurde. Aber: Nicht jede Police ist auch zu empfehlen. Entscheidend ist, was sich in den Klauseln versteckt.

So erhält der Versicherer die BU-Rente nach Schaden

Versicherer versuchen durchaus, die Leistung im Falle der Berufsunfähigkeit zu verhindern, beziehungsweise hinauszuzögern. In vielen Fällen sind die kritischen Formulierungen für den Kunden aber gar nicht auf den ersten Blick erkennbar.

Hier hilft ein Blick in entsprechende Vergleiche: So wird eine Berufsunfähigkeitsversicherung von „Ökotest“ als „sehr gut“ bewertet, wenn ihre Leistungen fließen, sobald die Beeinträchtigung „voraussichtlich mindestens sechs Monate ununterbrochen andauert“. Kritisch werden hingegen Policen gesehen, bei denen diese Sechs-Monats-Formel abgewandelt wurde und die BU-Rente nur ausgezahlt wird, wenn der Versicherte „voraussichtlich dauernd (mindestens sechs Monate)“ nicht arbeiten kann. Nur Wortklauberei? Leider nicht! Das hinzugefügte Wörtchen führt zu Problemen, weil der Vertragstext verschieden ausgelegt werden kann.

Noch brisanter wird es, wenn auf ein Zeitfenster verzichtet wird und nur Geld fließt, wenn der Versicherte „auf Dauer“ arbeitsunfähig geschrieben wird. Dies ist auch bei den ärztlichen Versorgungswerken üblich. Da kann der Antrag schon abgelehnt werden, weil der Arzt zumindest theoretisch noch ein paar Stunden praktizieren oder eine andere, verwandte Tätigkeit ausüben könnte.

Die meisten Versicherer ordnen Antragssteller in vier Berufsgruppen ein. Grundregel: Höheres Risiko für einen Schaden, bedeutet einen höheren Beitrag für die Berufsunfähigkeitsversicherung! Ärzte kommen hier immerhin ganz gut weg. Sie werden als Berufsgruppe mit einem geringen Berufsunfähigkeitsrisiko eingestuft.

Wer nicht vor Gesundheit strotzt kann aber trotzdem Probleme bekommen, eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung zu bekommen. Auf Ausschlüsse in den Verträgen für die BU-Rente sollte man sich dennoch nicht einlassen. Sollen etwa nach einem leichten Herzanfall alle Kreislauferkrankungen von der Zahlung ausgeschlossen werden, macht eine Police kaum Sinn. Besser ist es dann, Beitragszuschläge hinzunehmen, dafür aber vollen Schutz einer BU-Versicherung zu haben.

Auf diese Klauseln in Ihrem Vertrag sollten Sie besonders achten:

■ Vorerkrankungen: Wer falsche oder unvollständige Angaben macht, kann im Versicherungsfall leer ausgehen. Wer sich nicht ganz sicher ist, kann allerdings trotzdem vermeiden, dass ihm deshalb die Leistungen gekürzt werden. Weisen Sie die Versicherung auf mögliche Erinnerungslücken einfach vorab schriftlich hin. So kann Ihnen niemand mehr vorwerfen, sie hätten bei Vertragsabschluss arglistig getäuscht.

■ Fünf-Jahres-Grenze: Wählen Sie nach Möglichkeit nur eine Versicherung, die nur nach Krankheiten fragt, die nicht länger als fünf Jahre zurückliegen.

■ Verjährung: Viele Versicherer haben Verjährungsklauseln in ihren Verträgen. Am günstigsten ist es für Sie, wenn diese bei drei Jahren liegt. Es gibt nämlich auch eine gesetzliche Verjährungsfrist für falsche Angaben. Die liegt bei grob fahrlässiger Anzeigenpflichtverletzung bei fünf Jahren. Vorsätzliche oder arglistige Anzeigenpflichtverletzungen verjähren erst nach 10 Jahren. Bietet der Versicherer von sich aus kürzere Fristen an, ist das natürlich zu ihrem Vorteil. Auf längere Fristen sollten Sie sich hingegen nicht einlassen.

■ Abstrakte Verweisung: Unterschreiben Sie nur, wenn auf die „abstrakte Verweisung“ verzichtet wird.  Was harmlos klingt, ist ein ziemlicher Hammer: Nur bei einem Verzicht auf die „abstrakte Verweisung“ haben Sie die Gewähr, dass Ihnen eine Zahlung nicht mit der Begründung abgelehnt wird, Sie könnten ja noch in einem anderen Beruf arbeiten und somit arbeitsfähig bleiben. Bestehen Sie deshalb darauf, dass dies ausgeschlossen ist.

■ Achten Sie auf die Definition des Schadens: Manche Versicherungen springen nicht schon bei Berufsunfähigkeit, sondern erst bei Erwerbsunfähigkeit ein. Das bedeutet: Wenn der Versicherte überhaupt keine Arbeit mehr ausüben kann. Das macht nur für Kinder, Schüler, Studenten und Auszubildende Sinn.

■ Rentenstaffelung: In der Regel bekommt der Versicherte volle Rente, sobald er zu 50 Prozent berufsunfähig ist. Lehnen Sie ungünstigere Modelle von der Berufsunfähigkeitsversicherung ab.

■ Sechs-Monats-Prognose: Klauseln, die für die Anerkennung der Berufsunfähigkeit fordern, ein Vertrauensarzt müsse bescheinigen, dass Sie auf Dauer nicht arbeiten können, sind eine Falle. Das kann niemand abschätzen. Faire Gesellschaften legen hier einen genauen Zeitraum fest, etwa sechs Monate.

■ Nachversicherungsgarantie: Lassen Sie sich diese ohne neue Gesundheitsprüfung zusichern. Dann können Sie den Schutz der Berufsunfähigkeitsversicherung nämlich jederzeit erhöhen.

■ Geltungsbereich: Der Schutz für die Berufsunfähigkeit muss für den Kunden weltweit gelten.

■ Altersbeschränkung: Der Versicherungsschutz muss mindestens bis zum 65. Lebensjahr wirken. Gute BU-Versicherungen sichern noch länger ab.

■ Freistellung: Können Sie Beiträge für die Lebensversicherung nicht mehr zahlen, wird oft auch die daran gekoppelte Berufsunfähigkeitspolice gekündigt. Achten Sie drauf, dass Ihnen eine Zahlungsfrist eingeräumt wird, wenn Sie einmal „nicht flüssig“ sind.

■ Zinslose Stundung: Wenn Sie sich berufsunfähig melden, fließt das Geld der Versicherung nicht sofort. Lassen Sie sich schriftlich geben, dass Sie in der Wartezeit keine Beiträge für die BU-Versicherung zahlen müssen. Bestehen Sie auf einer zinslosen Stundung.

arzt-wirtschaft.de FINANZEN-TIPP

Die Berufsunfähigkeitsklauseln in den Versicherungsverträgen sind oft absichtlich uneindeutig formuliert. Darum lassen Sie die Vertragbedingungen vor der Unterschrift von einem Experten Ihres Vertrauens auf Herz und Nieren prüfen. Infos über einzelne Versicherer erhalten Sie auch bei den Verbraucherzentralen.

arzt-wirtschaft.de FINANZEN Kompakt

Risikogruppen

■ Unter die Berufsgruppe 1 mit niedrigem Risikograd fallen unter anderem Ärzte, Architekten und Büroangestellte.

■ Zur Stufe 2 (normal) gehören etwa Bankfachleute und Verkäufer.

■ In die Berufsgruppe 3 mit erhöhtem Risikograd werden Kranken- und Altenpfleger, Gastwirte und Kranführer eingeordnet.

■ Als Berufe mit besonders hohem Risiko gelten schließlich Betonbauer, Maurer und Maschinenschlosser

Anzeige

Wie Sie mit diesem Trick die Beiträge nebst Zinsen Ihrer Lebensversicherung zurückfordern können

Lebens- und Rentenversicherungen, die zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen wurden, kamen zumeist widerrechtlich zustande und können rückabgewickelt werden. Das entschied letzthin der Bundesgerichtsh... Mehr
Author's imageServiceredaktion

Weitere Artikel zum Thema:

Berufsunfähigkeit

Spezielle Versicherung für Ärzte


Absicherung für den Ernstfall

Risikolebensversicherung: Absicherung für die Familie



Vorteile für Selbständige und Gewerbetreibende

Telefontarif für Selbständige


Hospiz- und Palliativversorgung

Mehr Geld auch für Vertragsärzte


Anzeige