Fehlen auch Ihnen 26.000 Euro?

Altersvorsorge reicht oft nicht aus

Viele Niedergelassene werden nach ihrer Verrentung wohl am Lebensstandard knapsen müssen. Sie haben im Schnitt 26.000 Euro zu wenig gespart, um ihr Alter sorgenfrei genießen zu können.

Mehrfach reformiert wurde die Alterssicherung in den vergangenen Jahren. Auch die berufsständischen Versorgungswerke wie die Ärzteversorgungen überarbeiteten wiederholt ihre Versicherungsbedingungen. Das war auch bitter nötig, denn sonst hätte eine immer größere Abgabenlast Arbeitsmarkt und Beitragszahler zu sehr in Mitleidenschaft gezogen.

Die größte Veränderung ist sicherlich die Rente mit 67. Das reguläre Renteneintrittsalter steigt bis 2029 von 65 auf 67 Jahre an: Ab 2012 müssen Arbeitnehmer jedes Jahr einen Monat länger arbeiten. Geschuldet ist dies den demografischen Umständen in der Bundesrepublik: Immer weniger Beitragszahler stehen immer mehr Rentenempfängern gegenüber, die auch noch immer älter werden.

All die Reformen bedeuten aber auch, dass der Anteil der Rente am früheren Erwerbseinkommen, sinken wird. 2030 bekommen Ruheständler nur noch rund 40 statt wie derzeit etwa 50 Prozent ihres früheren Bruttoeinkommens. Zusätzlich nagt das Alterseinkünftegesetz mit seiner Step-by-step-Umstellung auf die höhere Rentenbesteuerung an den Altersbezügen. Private Vorsorge ist also erforderlich. Welche Summen dazu notwendig sind, macht eine Beispielrechnung deutlich: Ein 38-jähriger Arzt möchte mit 68 Jahren in den Ruhestand gehen. Er hat ausgerechnet, dass seine zu erwartende Rente um 250 Euro monatlich zu niedrig ist, um seinen Lebensstandard dann aufrecht zu erhalten. Also beginnt der 38-Jährige zu sparen, damit er ab 68 die fehlenden 250 Euro pro Monat aus eben diesem Ersparten beziehen kann. Zusätzlich möchte der Arzt noch lange Zeit Zinsen, im Alter real 2,5 Prozent, kassieren, deswegen will er das zurückgelegte Kapital im Alter erst innerhalb von 30 Jahren aufbrauchen. Unter diesen Umständen müsste er mit 68 ein Vermögen von 78.354 Euro zusammen haben, um seine Rentenlücke zu füllen.

Nach diesem Muster hat das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln mit den Daten der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe von 2003 auch die Ausgangslage aller deutschen Haushalten untersucht. Dabei wurden Haushalte betrachtet, in denen es einen Hauptverdiener gibt, der nach 1943 und vor 1979 geboren wurde.

Um herauszubekommen, wie viel angespart werden muss, um daraus im Alter regelmäßige Einnahmen zu beziehen, wurde unterstellt, dass die Haushalte später einen bestimmten Anteil des früheren Bruttoeinkommens mit Erspartem ersetzen wollen. Beschäftigte, die ab 2010 in den Ruhestand gehen, streben in den IW-Berechnungen an, die entstandene Rentenlücke von 15 Prozent mit eigenem Kapital zu schließen. Bis 2030 erhöht sich diese Quote auf 25 Prozent, weil sich in dieser Zeit die gesetzliche Rente reduziert. Betrachtet man allerdings die angesparten Vermögen der Haushalte in Deutschland, scheint es auf den ersten Blick keine Rentenlücke zu geben. Besonders üppig mit Kapital ausgestattet sind die Jahrgänge von 1944 bis 1948. Im Schnitt haben die Haushalte mehr gespart, als sie brauchen.

Allerdings verstellt dieser statistische Mittelwert auch den Blick auf die Realität und gibt keinen Anlass zur Entwarnung, denn die Vermögen sind ungleich verteilt, für viele sieht es gar nicht gut aus. Die Hälfte aller Haushalte, deren Hauptverdiener zwischen 1964 und 1968 zur Welt kam, hatte im Jahr 2003 mindestens knapp 30.000 Euro zu wenig auf der hohen Kante, um im Alter ohne größere Einschnitte leben zu können. Würden die Betroffenen ein Jahr länger arbeiten und sparen, würden ihnen aber immer noch fast 24.000 Euro fehlen. Die Lücken bei den jungen Haushalten mit einem Hauptverdiener, der nach 1974 geboren wurde, sind hingegen derzeit noch kleiner, denn zum einen scheinen diese Jahrgänge bereits mehr vom Sparen zu halten, zum anderen hatten sie bisher überhaupt noch nicht die ausreichende Zeit, einen entsprechend großen Fehlbetrag entstehen zu lassen.

Dies hat allerdings zwei Gesichter: Einerseits hat ein junger Mensch noch relativ viel Zeit, Lücken zu schließen. Andererseits bedeutet eine Differenz von beispielsweise 10.000 Euro für jemanden, der in zehn Jahren in Rente geht, einen Fehlbetrag von nur 45 Euro pro Monat, während mit der gleichen Vermögenslücke jemand, der noch 40 Jahre zu arbeiten hat, später einmal monatlich 126 Euro zu wenig im Geldbeutel haben wird. Denn lägen die 10.000 Euro bereits heute auf der hohen Kante, würden sie sich bis zum Jahr 2047 mit Zins und Zinseszins entsprechend vermehren. Von daher sollten sich auch junge Menschen mit dem Thema Vermögensbildung beschäftigen.

Der Zugang zur Vermögensbildung sollte also möglichst leicht gemacht werden. Dass sich das lohnt, zeigt der Erfolg der Riester-Rente: Der Gesetzgeber hat im Jahr 2005 die Regeln dieser staatlich geförderten Anlageform vereinfacht. Seitdem erfreut sich die Riester-Rente wachsender Beliebtheit: Allein im dritten Quartal 2007 erhöhte sich die Zahl der Riester-Verträge um 635.000. Insgesamt gibt es zurzeit 9,7 Millionen Riester-Sparer. Die Zehn-Millionen-Grenze ist in greifbarer Nähe. Die Deutschen scheinen also die Zeichen der Zeit langsam verstanden zu haben. Freilich ist noch nicht ausreichend erforscht, ob Riester-Verträge wirklich zusätzlich zu bisherigen Sparanstrengungen hinzukommen oder ob sie andere Anlagen einfach nur ersetzen.

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