Gastbeitrag von Uwe Zimmer

Aktienmarkt: Finanzaufsicht befeuert Wirecard-Spekulanten

Die Aktie des Zahlungsdienstleisters Wirecard ist heftig unter Druck geraten. Jetzt hat die Finanzaufsicht Leerverkäufe in der Aktie untersagt. Das als Warnung für Spekulanten gedachte Verbot könnte das Gegenteil bewirken, meint Uwe Zimmer, Geschäftsführer der Fundamental Capital GmbH in Köln.

Grundsätzlich handelt es sich bei Leerverkäufen um eine altbekannte Anlagestrategie. Ein Anleger verkauft Aktien, die er nicht besitzt in der Hoffnung, sie zum Liefertermin günstiger einkaufen und so einen Gewinn einstreichen zu können. Er setzt also auf fallende Kurse. Das ist nicht verwerflich. Auf der anderen Seite steht jemand, der sich absichern will und heute bereits festlegen möchte, zu welchem Preis er die Aktie am Fälligkeitstag kauft. Der Käufer geht also nur das Risiko ein, dass er seine Papiere günstiger bekommen hätte. Der Leerverkäufer geht das Risiko steigender Kurse ein, die zu einem echten Verlust führen. Kritisch wird das erst, wenn der Leerverkäufer aktiv daran arbeitet, dass seine Wette aufgeht. Schlechte Nachrichten zu streuen ist ein bekanntes Vorgehen und kann ein Vergehen sein.

In den vergangenen Wochen nun stand die Aktie von Wirecard im Fokus der Anleger. Viele Leerverkäufe wurden getätigt, dann kamen negative Presseberichte. Die Wette der Leerverkäufer ging auf. Bei einem Minus von bis zu 30 Prozent haben sie gut verdient. Nun ist Wirecard nicht irgendeine Aktie, sondern ein DAX-Wert. Dass ein solches Papier überhaupt auf diese Weise Achterbahn fahren kann, ist bemerkenswert.

Leerverkäufe für Wirecard-Aktie gestoppt

Interessanter aber ist, dass die Finanzaufsicht der gebeutelten Wirecard-Aktie zur Seite springt. Sie hat für zwei Monate Leerverkäufe für die Aktie gestoppt und damit für einen steilen Kursanstieg gesorgt. Spekulanten soll so der Nährboden entzogen werden.

Anleger sollten sich fragen, was die eigentliche Botschaft ist. Zum einen kann Wirecard offenbar nicht alleine mit seinen Problemen fertig werden. Das ist eigentlich eine direkte Aufforderung an Spekulanten, jetzt erst recht auf Wirecard loszugehen. Zum anderen gibt es offenbar tatsächlich große Probleme. Diese Vermutung wird zumindest durch das Handeln der Aufsicht bestärkt.

Wachstumswerte im Fokus

Wirecard ist als stark wachsender Techwert in den DAX gekommen. Natürlich stehen solche Wachstumswerte anders im Fokus der Anleger als traditionelle Firmen. Sie sind angreifbarer, denn viele Anleger kennen sie noch nicht so gut. Deshalb fallen Gerüchte auf einen fruchtbareren Boden. Ob etwas dran ist, wird die Zukunft zeigen. Jetzt gilt in Bezug auf das Unternehmen erst einmal die Unschuldsvermutung.

Ob die Leerverkäufer Wissen über bevorstehende negative Veröffentlichungen genutzt haben oder einfach bei der Wahl ihres Ziels auf das richtige Pferd gesetzt haben, auch das wird die Zukunft zeigen. Schade nur, dass die entsprechende Aufarbeitung noch Wochen dauern kann. Hier wäre ein technisches System hilfreich, dass alle Transaktionen ständig erfasst und bei dem Verdacht auf Marktmanipulation sofort oder zumindest sehr schnell Ergebnisse liefern kann. Vielleicht lässt sich das ja einrichten.

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