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Altersvorsorge: Wann lohnt sich eine Fondsrente?

von André Gieße

glücklicher Rentner
Foto: Rawpixel.com - stock.adobe.com

Weniger Garantie, mehr Rendite. Damit werben fondsgebundene Rentenversicherungen oftmals. Doch das Finanzprodukt zahlt sich nur dann aus, wenn man auf die Kosten achtet und bis zum Ruhestand dabei bleibt.

Sie sind das Trendprodukt der Versicherungsbranche, wenn es um eine Altersvorsorge geht: fonds- und indexgebundene Rentenpolicen. Sie versprechen höhere Renditen, Zinsgarantien gibt es dafür kaum. Je nach Gesellschaft stehen Kunden unterschiedliche Anlageprodukte zur Wahl: vom eigens gemanagten Fonds bis zum passiven Exchange Traded Fund (ETF) – jeweils mit Versicherungsmantel.

Ganz egal, ob Aktien oder Anleihen, ob offensives oder defensives Portfolio, ob eher nachhaltig oder breit diversifiziert: Für jedes Spar- und Risikoprofil gibt es Angebote, um monatlich, pro Quartal oder einmalig zu investieren. Doch zahlen sich kapitalmarktorientierte Policen zur Altersvorsorge aus?

Finanzprodukt hat einige Vorteile

In jedem Fall lohnt sich erst einmal ein genauer Blick auf die Produkte: Fonds- und indexgebundene Rentenpolicen kombinieren Fondssparpläne, wie sie auch das Gros der Finanzinstitute anbietet, mit einer lebenslangen Rente. Ob sich solche Kapitalversicherungen rechnen, hängt maßgeblich von der Entwicklung der Investmentfonds ab, die sie enthalten. Für die Kunden sind dabei nicht nur Gewinne möglich, sondern auch zeitweise Verluste. Die Assekuranz garantiert ihnen lediglich, dass aus dem angesparten Vermögen eine lebenslange Rente gezahlt werden kann.

Weshalb das Modell dennoch seit einigen Jahren beliebt ist: Der Staat begünstigt diese Form der privaten Altersvorsorge.

  • Zum Beispiel, indem er in der Ansparphase auf die Kapitalerträge keine Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent erhebt. Eine Kapitalumschichtung innerhalb der Rentenversicherung in einen anderen Fonds oder ETF und somit die Anpassung der Anlagestrategie an geänderte Marktgegebenheiten ist meist kosten- und gebührenfrei möglich. „Bei klassischen Fondssparplänen und ETF-Sparplänen geht dies nicht“, gibt das Online-Finanzportal Biallo zu bedenken. Hier müsse man bei Umschichtungen auf realisierte Gewinne die Abgeltungssteuer zahlen.
  • Wer sich im Ruhestand für die monatliche Fondsrente entscheidet, muss nur einen geringen Teil der Zahlungen mit dem individuellen Steuersatz versteuern. Dieser Ertragsanteil richtet sich nach dem Alter zum Rentenbeginn. Zum Beispiel liegt er mit 67 Jahren bei 17 Prozent. Beim Verkauf eines bei Filial- oder Direktbanken selbst angelegten Fonds- oder ETF-Sparplans sei die Steuerbelastung höher, betonen die Biallo-Experten, weil das Finanzamt nach Abzug des jährlichen Steuerfreibetrags pauschal 25 Prozent der erzielten Kapitalerträge einbehalte.
  • Wählt der Sparer am Ende eine Kapitalauszahlung, muss er bloß die Hälfte der Gewinne mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern. Voraussetzung ist, dass er mindestens 62 Jahre alt ist und der Vertrag mindestens zwölf Jahre lief. Dazu führt Biallo auf seiner Internetseite folgendes Beispiel an: „Haben Sie als Rentner einen Steuersatz von 25 Prozent, fallen unterm Strich nur 12,5 Prozent Steuern auf den Gesamtertrag an.“ Bei gewöhnlichen ETF- und Fondssparplänen sei beim Verkauf der Anteile der Steuerabzug mindestens doppelt so hoch.

Verbraucherschützer raten davon ab

Trotz einiger steuerlicher Vorteile gegenüber einem Direktinvestment in vergleichbare Produkte am Finanzmarkt raten die meisten Verbraucherschützer von fonds- und indexgebundenen Rentenpolicen ab. Der Grund dafür sind hohe Kosten, die die Wertentwicklung der Sparanlage deutlich schmälern können.

Neben einmaligen Abschluss- und Vertriebsgebühren nagen jährliche Verwaltungsgebühren der Versicherungen an der Rendite – selbst bei bester Kursperformance und vor allem in den ersten Jahren nach dem Vertragsabschluss. Das belegt eine Umfrage der Bundesfinanzaufsicht BaFin (siehe Kasten). Wer zudem eine Beitragsgarantie wie bei klassischen Lebensversicherungen will, muss noch mehr abdrücken. Sie regelt, wie viel Geld man aus dem am Kapitalmarkt investierten Vermögen am Ende mindestens rausbekommt. Die Garantie gilt heute für 10 bis höchstens 90 Prozent der Beiträge.

Je nach Anbieter, Risikogewichtung und gewählter Beitragshöhe könnten Fondspolicen den Sparer im Laufe der Zeit um Zehntausende Euro bringen, kritisiert die Stiftung Warentest, die regelmäßig den Versicherungsmarkt untersucht. „Ein Grund, warum in unseren Tests nur sehr wenige Angebote gut abschneiden“, so die Tester.

Der Trend geht deshalb zu den günstigeren ETF-Fondspolicen, die einen Aktienindex wie den DAX oder MSCI World abbilden. Diese kosten nach einer Analyse der Ratingagentur Assekurata in der Regel aktuell 0,1 bis 0,5 Prozent an Gebühren pro Jahr und haben damit deutlich niedrigere laufende Kosten als aktiv gemanagte Fonds mit 1,5 bis 2,0 Prozent. Auch die Stiftung Warentest bevorzugt sie. Die versicherungsinternen Fonds seien nämlich meist nicht nur teuer verwaltet, sondern häufig auch intransparent für die Kunden.

Konditionen vorher genau prüfen

Informationen zu den einmaligen Abschluss- und Vertriebskosten sowie jährlichen Vertriebskosten finden sich in Produktinformationsblättern und den regelmäßigen Standmitteilungen an Versicherte. Dort finden sich auch Schätzungen zu der Entwicklung des Investments und der späteren Auszahlung. Hierbei sollte man sich bewusst machen, dass Renditeprognosen von bis zu sechs Prozent im Jahr auf Erfahrungen mit Durchschnittswerten aus der Vergangenheit basieren. Planbar ist dieser Ertrag nicht. Auch der Rentenfaktor steht erst fest, wenn der Kunde die Rente beantragt. Er gibt an, wie viel Rente man pro 10.000 Euro Fondsvermögen im Monat erwarten kann. Dazu meint die Stiftung Warentest: „Die Mindest-Rentenfaktoren bei Vertragsabschluss sind häufig so niedrig, dass der Rentner deutlich über 100 Jahre alt werden müsste, um sein Geld in Form von Rentenzahlungen wiederzubekommen.“

Der Nachteil der hohen Kosten und das Risiko von Kursschwankungen, das jeder Kunde selbst trägt, lassen sich in der Regel zwar durch Laufzeiten von 15 Jahren und mehr ausgleichen. Das Online-Portal Finanztip betont aber: „Eine günstige fondsgebundene Rentenversicherung lohnt sich nur, wenn die Beitragszahlung bis zum Renteneintritt durchgehalten wird.“ Erst dann sei die Auszahlung steuerlich begünstigt. Wer eine fondsgebundene Rentenversicherung vor dem Laufzeitende auflöse und seine Fondsanteile verkaufe, müsse 25 Prozent Abgeltungssteuer bezahlen, warnen die Finanzprofis.

Am ehesten sei als Fondsrente ein Netto-Versicherungstarif mit günstigen ETFs zu empfehlen, den Makler oder Honorarberater ohne die sonst üblichen Abschlussgebühren vermitteln. Im direkten Vergleich bringe das Wertpapier-Sparen mit ETFs jedoch in vielen Fällen letztlich etwas mehr Geld, hat Finanztip errechnet.

BAFIN-Abfrage
Je kürzer die Vertragslaufzeit, desto höher die Effektivkosten
Eine Abfrage der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) aus dem ersten Halbjahr 2021 belegt, dass fondsgebundene Rentenversicherungen unterschiedlich teuer sind und es auf den Startzeitpunkt ankommt, wie viel der Rendite am Ende bei den Sparern bleibt. Maßgeblich dafür sind die im Zeitraum zwischen Vertragsabschluss und Beginn der Auszahlungsphase anfallenden Kosten.
Die Effektivkosten der meistverkauften Produkte liegen bei einem Eintrittsalter von 37 Jahren und einer Vertragslaufzeit von 30 Jahren im Mittel bei 1,90 Prozent der jährlichen Rendite. Mit dem 47. Lebensjahr und einer Ansparphase von 20 Jahren beträgt die Kostenquote schon 2,17 Prozent pro Jahr. Und mit 55 Lebensjahren und einer Vertragslaufzeit von zwölf Jahren gehen jährlich 2,66 Prozent des Anlage­gewinns allein für die Abschluss- und Vertriebs-, Verwaltungs- sowie Fondskosten drauf.
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Author's imageIlias TsimpoulisChief Medical Officer bei Doctolib
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