Emerging Markets

Anlagestrategie: Wie viel China soll in das Depot?

Auf der Weltbühne verschieben sich die Verhältnisse: China gewinnt wirtschaftlich an Größe, während alte Größen wie die USA nicht mehr so kräftig wachsen. Können Anleger an Chinas Boom teilhaben?

Danach legte die Wirtschaft im Reich der Mitte allein im ersten Quartal des Jahres um 18,3 Prozent zu. Und auch für den Rest des Jahres sieht es offenbar gut aus: Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt, dass die chinesische Wirtschaft in diesem Jahr um 8,1 Prozent zulegen könnte. Zum Vergleich: Für die USA erwartet der IWF für dieses Jahr ein Wachstum von 6,4 Prozent.

Für viele Anleger ist China ein Nischenmarkt

An vielen Anlegern geht der steile Aufschwung Chinas allerdings vorbei. «Bisher fokussieren sich deutsche Anleger stark auf den Heimatmarkt», hat Andreas Görler, Vermögensberater bei Wellinvest- Pruschke & Kalm beobachtet. «Zusätzlich wird noch in europäische und amerikanische Titel investiert, die in Deutschland liquide handelbar sind.» Emerging Markets seien bisher oft noch Nischenmärkte.

Selbst Anleger, die einen Indexfonds kaufen, setzen zum großen Teil auf die USA. Denn deren Anteil ist in den Weltindizes groß. Der Grund: Die Gewichtung im MSCI World wird vom Börsenwert bestimmt, heißt es im Ratgeber «Anlegen mit ETF» der Stiftung Warentest.

Börsenwert contra Wirtschaftskraft

Die Gewichtung nach Börsenwert, die bei vielen Indizes angewendet wird, führt zu einer gewissen Verzerrung. Denn der Börsenwert entspricht nicht notwendigerweise auch dem Anteil eines Landes oder einer Region an der weltweiten Wirtschaftskraft. «China ist in vielen Indizes unterrepräsentiert», erklärt Nicolas Pilz, Geschäftsführer der Societas Vermögensverwaltung.

Gewichtet man nach Marktkapitalisierung, kommen die USA im weltweiten Vergleich auf etwa 55 Prozent. Legt man aber die Wirtschaftskraft zugrunde, liegt der Anteil der USA weltweit bei nur etwa 29 Prozent. Bei den Schwellenländern ist es umgekehrt: Gewichtet man sie nach Wirtschaftskraft, kommen sie auf einen Anteil von 39 Prozent. Schaut man nur auf den Börsenwert, liegt ihr Anteil bei 15 Prozent.

China bald größer als die USA?

Viele Beobachter sind sich aber sicher: Die chinesische Aktienmarktkapitalisierung wird die US-amerikanische in absehbarer Zeit überholen. «Die Frage ist meiner Meinung nach nicht ob, sondern nur wann es passieren wird», sagt etwa Christian Köpp, Vermögensverwalter bei Oberbanscheidt & Cie.

«China verfügt heute über zahlreiche strukturelle Vorteile», findet auch Tina Tian, Fondsmanagerin bei Fidelity International. «Damit ausgerüstet, wird sich das Land als Innovationsführer des 21. Jahrhunderts etablieren.»

Markt nur schwer zugänglich

Einen Haken für Privatanleger gibt es allerdings: Der chinesische Aktienmarkt ist nicht so offen wie der US-Markt. «Gerade die A-Aktien (A-Shares), die an den Börsen in Shanghai oder Shenzhen notiert und in lokaler Währung gehandelt werden, sind eigentlich nur Chinesen vorbehalten», sagt Philipp Erler, Vermögensverwalter bei Böhke & Compagnie Consultants.

«Privatanleger können als Direktinvestments nur die in Hong Kong gelisteten «H-Shares» beziehungsweise an ausländischen Börsenplätzen notierten ADR’s kaufen», ergänzt Rainer Göritz, Vermögensverwalter bei B&K Vermögen. Daher rät er Privatanlegern zum Kauf ausgewählter Aktienfonds beziehungsweise ETFs.

Bei Auswahl genau hinschauen

Bei Fonds oder ETF sollten Anleger aber genau hinschauen, was wirklich drin steckt, rät die Stiftung Warentest. Bei ETF etwa spielt die Zusammensetzung der infrage kommenden Indizes eine wichtige Rolle. Manche Indizes beziehen sich nur auf die A-Aktien, andere nur auf die H-Aktien. Empfehlenswert ist aus Sicht der Experten der MSCI China, der mit mehr als 700 Unternehmen einen guten Querschnitt durch Chinas Wirtschaft bietet.

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