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Bitcoin 2022: Wohin geht die Reise nach dem Allzeithoch?


Bitcoin

Die Krypto-Währungen sind wieder im Höhenrausch: Vor kurzem hat der Bitcoin seine bisherige Höchstmarke von rund 66.000 Dollar überwunden. Zudem ist in den USA gerade der erste ETF auf Bitcoin-Futures auf den Markt gekommen, was kurzfristig für weitere Kursphantasie sorgt. Doch wohin geht die Reise für Bitcoin & Co auf mittlere Sicht – also in den kommenden Monaten und Jahren?

 3.000 Mal höherer Wertzuwachs als Nasdaq-Aktien

Wer die Zahlen betrachtet, ist zwangsläufig beeindruckt: Der S&P 500 als immer noch starkes Zugpferd der weltweiten Aktienmärkte schaffte in den vergangenen zwölf Monaten stolze 35 Prozent. Der Preis des Bitcoins ist indes um 360 Prozent gestiegen – eine Differenz um den Faktor 10! Blickt man zehn Jahre zurück, werden die Dimensionen regelrecht galaktisch: Im November 2011 kostete ein Bitcoin zwischen zwei und vier Dollar. Der Anstieg auf 66.000 Dollar entspricht somit einer Multiplikation um den Faktor 22.000! Der Technologie-Index Nasdaq 100 als global stärkster Aktienmarkt hat sich in dieser Zeit inklusive Dividenden „lediglich“ versiebenfacht. Das entspricht einer Differenz in der Wertentwicklung um den Faktor 3.000. Korrekt: 3.000!

Kursverluste von bis zu 80 Prozent möglich

Solchen Zuwächsen stehen jedoch teils abrupte Kursverluste von 80 Prozent gegenüber, etwa im Jahr 2018. „Der Bitcoin und andere Kryptowährungen wie Ethereum und Cardano sind sehr, sehr volatil. Anleger sollten daher nur einen kleinen Teil ihres Vermögens in Finanzprodukte stecken, die auf Digitalwährungen basieren“, sagt Peter Wiederholt von Frankfurt Asset Management. Angemessen ist aus seiner Sicht ein Anteil von höchstens fünf Prozent am liquiden Vermögen. Selbst wenn der Bitcoin 50 Prozent und mehr verliere, seien höchstens 1 bis 1,5 Prozent des Vermögens betroffen.

Die Kraft des exponentiellen Wachstums

Wer glaubt, mit solch geringen Einsätzen auf keinen grünen Zweig zu kommen, unterschätzt die Kraft des exponentiellen Wachstums. Falls sich der bisherige Anstieg des Bitcoin-Preises fortsetzt, würde die Digitalwährung schon zum Jahresende die Marke von 100.000 Dollar knacken. Mitte 2024 wäre die prominenteste Digitalwährung erstmals über eine Million Dollar wert – und knappe drei Jahre später sogar mehr als eine Milliarde Euro. Selbstverständlich ist dies eine hypothetische und vermutlich unrealistische Berechnung. Doch sie verdeutlicht eines: „Selbst wenn sich der Wertzuwachs der vergangenen Jahre deutlich abgeschwächt fortsetzt, können auch kleinere Summen in einigen Jahren ein stattliches Vermögen ergeben“, sagt Dr. Andreas Schyra von der Private VermögensVerwaltung AG in Essen.

Chancen überwiegen Risiken deutlich

Auf längere Sicht überwiegen die Chancen somit die Risiken deutlich. „Das gilt selbst für den von Bitcoin-Skeptikern gern zitierten, aber unwahrscheinlichen Fall, dass die Digitalmünzen verboten werden – sich das Investment also in Luft auflösen sollte““, erläutert Peter Wiederholt. Das lässt sich mit einem einfachen Gedanken belegen: Wer bereit ist, maximal drei Prozent des Vermögens zu riskieren, um die dementsprechende Summe über einige Jahre hinweg zu verfünffachen oder zu verzehnfachen, handelt selbst dann rational, wenn die Wahrscheinlichkeit eines Verbots bei fifty-fifty läge. „Diese Wahrscheinlichkeit beträgt derzeit aber weit weniger als 50 Prozent. Insofern sollten sich Anleger nicht aus diesem Grund von einem Investment abhalten lassen“, sagt der Vermögensverwalter aus der Main-Metropole.

Im Dreischritt zum Bitcoin-Investor

Doch ist es auf Sicht der nächsten Monate sinnvoll, jetzt Bitcoins zu erwerben oder sollte man vor dem Einstieg besser eine eventuelle Korrektur abwarten? Auch wenn viel dafür spricht, dass der Bitcoin langfristig noch deutlich höhere Preise erzielen wird – die Prognose der unmittelbaren Zukunft ist eine der schwersten Disziplinen, in der viele Experten regelmäßig scheitern. Aus diesem Grund rät Vermögensverwalter Schyra interessierten Anlegern, sich in mehreren Schritten in Bitcoin & Co. einzukaufen: „Jetzt ein Drittel investieren, bei Schwäche ein weiteres Drittel kaufen und den Rest anlegen, wenn danach der Bitcoin wieder kraftvoll anzieht“, so sein Tipp.

Investment-Lösungen: Gut genug, aber nicht perfekt

Mit dem ersten Kauf sind Anleger zumindest mit einem Teilinvestment dabei, falls die Digitalwährung weiter anzieht. Schwächelt der Bitcoin indes, halten sich die zwischenzeitlichen Verluste wegen des Ein-Drittel-Investments in Grenzen. Mit dem Kauf des zweiten Drittels bei Schwäche verbilligt sich der durchschnittliche Einstandskurs. Und durch den Kauf des dritten Drittels bei Stärke nach der Korrektur sind die Chancen groß, dass diese letzte Position rasch in die Gewinnzone läuft und die Gesamtposition mit nach oben zieht.

Besicherte Zertifikate: Unkompliziert und gut zu handeln

Viele eher unerfahrene Anleger fragen sich, wie sie am besten in Bitcoin & Co. investieren. Inzwischen hat die Finanzindustrie leicht zu handhabende Anlageinstrumente entwickelt, die an regulierten Märkten wie der Deutschen Wertpapierbörse mit ausreichend Liquidität gehandelt werden. Dazu zählen insbesondere besicherte Zertifikate wie WisdomTree Bitcoin oder VanEck Vectors Bitcoin ETN (siehe Kasten). Sie sind nach Angaben der Emittenten mit Bitcoin hinterlegt, was solche Zertifikate im Fall einer Insolvenz sicherer machen würde als ihre unbesicherten Pendants. Sie eignen sich auch gut, um in regelmäßigen Intervallen in Bitcoin & Co. zu investieren und so einen Sparplan-Effekt zu erzielen.

Diese Zertifikate machen den Zugang zur Bitcoin-Welt leicht

Fonds oder ETF, die in ein einziges Asset wie Bitcoin oder Gold investieren, sind nach deutschem Recht nicht zugelassen. In den USA sind Fonds oder ETF auf einzelne Edelmetalle oder Bitcoin erlaubt, weshalb dort das Geld der Anleger als Sondervermögen getrennt von den Bilanzen der Emittenten verwaltet wird. Deutsche Emittenten indes müssen dank der Vorgaben auf Zertifikate-Lösungen zurückgreifen. Nachteil: Diese Papiere sind Inhaberschuldverschreibungen und fallen bei einer Pleite des Emittenten in die Insolvenzmasse. Inzwischen gibt es jedoch eine Reihe von besicherten Zertifikaten. Bei diesen Produkten erwerben die Emittenten nach eigenen Angaben so viele Bitcoins zum jeweils aktuellen Preis, wie die Anleger investieren. Bei einer Insolvenz sollen die Ansprüche der Investoren mit den hinterlegten Assets erfüllt werden.  (juli)

Zertifikat*/** WKN Volumen Kosten p.a.
Perfor. 1J.
WisdomTree Bitcoin A3GKGK 338 Mill. € 0,95 % 321 %
21Shares Bitcoin ETP A2T64E 497 Mill. €  1,49 % 315 %
BTC Physical Bitcoin A27Z30 1.412 Mill. € 2 % 312,4 %
Iconic Funds Phys. Bitcoin A3GK2N 7 Mill. € 0,95 %
CoinShares Phys. Bitcoin A3GPMN 492 Mill. € 0,98 %
VanEck Vectors Bitcoin A28M8D 296 Mill. € 1 %

*alle Zertifikate sind nach Angaben der Emittenten mit Bitcoins besichert / ** geordnet nach der Performance über 1 Jahr bzw. nach niedrigeren Kosten

Recherche: Jürgen Lutz / Stand: Mitte November 2021 / Quelle: justetf.com

Interview mit Peter Wiederholt von Frankfurt Asset Management

Für den Bitcoin gelten andere Regeln als für Aktien

Foto: privat

Herr Wiederholt, der Bitcoin hat vor Kurzem ein neues Allzeithoch erreicht und ist damit erneut in den Blickpunkt gerückt. Warum können Digitalwährungen für langfristige Anleger interessant sein?

Peter Wiederholt: Anders als bei Aktien, Anleihen und Immobilien ergibt sich der Wert des Bitcoins nicht aus späteren Zahlungsströmen wie Dividenden, Zinsen oder Mieten. Auch hat er keinen greifbaren Wert wie Rohstoffe, die für die Produktion von Gütern benötigt werden. Am ehesten ist der Bitcoin mit Gold vergleichbar, weil er wie das Edelmetall vorrangig als Wertspeicher fungiert.

Gold zahlt weder Dividenden noch Zinsen, weshalb es die geharnischte Kritik des Starinvestors Warren Buffett auf sich zog. Wie bestimmt sich sein Wert?

Während Aktien einen inneren Wert haben, ihr Kurs aber von Angebot und Nachfrage bestimmt wird, fallen bei Währungen oder dem Bitcoin der Wert und der Preis zusammen. Das heißt: Was sie kosten, hängt ausschließlich von Angebot und Nachfrage ab. Euro und Bitcoin steigen, wenn Anleger glauben, dass andere Marktteilnehmer deren Wert bald höher einschätzen werden. Dann kaufen sie in dieser Erwartung, und das treibt ihre Kurse.

Also handelt es sich um eine selbsterfüllende Prophezeiung. Kann man auf dieser Grundlage denn langfristig anlegen?

Bedenken Sie bitte, dass das beim Gold schon seit Tausenden von Jahren so läuft. Das Edelmetall ist abseits von der Verwendung in der Schmuckindustrie nur deshalb etwas wert, weil Milliarden Menschen es für wertvoll halten. Den Bitcoin gibt es erst seit 2008, weshalb die Skepsis noch überwiegt. Ich gehe aber davon aus, dass die Vorbehalte mit der Zeit schwächer werden. Und weil immer mehr Anleger investieren, dürfte auch die Schwankungsbreite des Bitcoin zurückgehen.

Was macht sie da so zuversichtlich?

Die Menge an Bitcoin ist strikt auf 21 Millionen begrenzt. Diese Knappheit unterstreicht die Funktion des Wertspeichers, die selbst bei Gold nicht in dieser Stärke ausgeprägt ist. Zudem kommen immer mehr Finanzprodukte auf Bitcoin & Co. auf den Markt. Dies wird das Zutrauen der Anleger stärken, indem es für Liquidität im Handel und so für geringere Kurssprünge sorgt.

Was ist mit dem möglichen Verbot von Digitalwährungen?

Dieses Risiko schwebt theoretisch über dem gesamten Sektor. Ich glaube aber nicht, dass es dazu kommt. Dagegen spricht das Volumen an Assets, das bereits im Krypto-Bereich investiert ist, und die Tatsache, dass über die neuen ETF und Zertifikate der Finanzindustrie bald weitere Milliarden ihren Weg in den Sektor finden. Ein Verbot käme somit einer umfassenden Enteignung gleich.

Autor: Jürgen Lutz

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