Icon Navigation öffnen

Der Ölpreis: Spielball von Spekulation und Weltpolitik

von A&W Online

Interview mit Michael Graff, Spiekermann & CO AG in Bielefeld

Heizöl ist Ende Februar oft am günstigsten

Herr Graff, in den 1970er- und 1980er-Jahren konnte die OPEC den Preis für Rohöl quasi bestimmen. Seither hat ihre Preismacht deutlich abgenommen. Woran liegt das?

Michael Graff: Zum einen sorgt die umstrittene Fracking-Technologie in den USA ab einem gewissen Niveau beim Ölpreis für mehr Konkurrenz; zum anderen werden immer mehr erneuerbare Technologien entwickelt. Zudem ist Russland seit längerer Zeit der zweitgrößte Exporteur nach Saudi-Arabien und vor den USA.

Ist die OPEC inzwischen also ein Papiertiger?

Das nicht. Saudi-Arabien, Iran, Kuwait, Venezuela und die Vereinigten Arabischen Emirate gehören zu den zehn größten Erdölförderern der Welt. Zusammen fördern die OPEC-Mitgliedstaaten rund 40 Prozent der weltweiten Erdölproduktion.

Der Ölpreis wird von vielen Faktoren bestimmt. Wie kann man wissen, ob Heizöl teuer oder günstig ist?

Jemand, der den Heizöltank füllen muss, kann sich einen Chart mit einer 200-Tage-Linie ansehen. Diese Linie ist ein bekanntes Hilfsmittel, um den großen Trend eines Marktes sichtbar zu machen und um kurzfristige Schwankungen zu glätten. Notiert der Preis darüber, könnte Heizöl eher teurer werden. Liegt der Preis darunter, kann es noch (deutlich) billiger werden.

So einfach? Und wie sollte man sich dann verhalten?

Das ist natürlich nur eine grobe Orientierung. Werden niedrigere Preise erwartet, kann man mit dem Kauf noch etwas warten. Wer mit höheren Preisen rechnet, sollte den Kauf nicht allzu lange aufschieben. Schwierig wird es nur, wenn man keine Alternative mehr hat, also dringend auf neues Heizöl angewiesen ist.

Haben Sie noch einen Ratschlag?

Heizölkäufer können durchaus immer mal bei diversen Anbietern anrufen und sich so ein Bild vom Trend machen. Außerdem sollte man wissen, dass der Wechselkurs Euro/Dollar wichtig ist, da Rohöl in US-Dollar abgerechnet wird und daher zuvor Euro in US-Dollar getauscht werden müssen. Ein hoher Dollarkurs verteuert also die Ölimporte und somit den Heizölpreis, ein starker Euro hingegen verringert die Kosten für Heizöl bzw. Öl tendenziell.

Gibt es saisonale Muster, an denen man sich orientieren kann?

Ja, aber man sollte sich darauf nicht voll verlassen. So war Heizöl in der Zeit von 1982 bis 2012 an den Terminbörsen im Durchschnitt Ende Februar am günstigsten. Das mag daran liegen, dass in diesen Monaten die Touren eher weniger ausgelastet sind als in den Monaten zuvor und daher etwas günstiger angeboten werden. Ansonsten aber orientiert sich das Angebot unabhängig vom Monat am Geschehen auf dem Weltmarkt. 

Auf der nächsten Seite lesen Sie: “Schwarzes Gold” als Geldanlage

Anzeige

Umsatzrechner für die Arztpraxis – objektiv, transparent und individuell

Terminausfälle, kurzfristige Absagen oder Verschiebungen und die Bindung von Ressourcen am Telefon sind die häufigsten Ärgernisse und Kostenpunkte für Arztpraxen und Gesundheitseinrichtungen. Digi... Mehr
Author's imageIlias TsimpoulisChief Medical Officer bei Doctolib
Login erfolgreich

Sie haben Sich erfolgreich bei arzt-wirtschaft.de angemeldet!

×