Icon Navigation öffnen

Gold: Krisenwährung ohne Glanz

von André Gieße

Gold, Goldbarren, Goldpreis
Foto: Couperfield - stock.adobe.com

In Zeiten hoher Inflation denken viele Anleger an Gold, gilt das Edelmetall doch als wertstabiles Investment. Doch wer sich damit zuletzt gegen die Geldentwertung stemmte, wurde nicht belohnt. Ändert sich das 2022?

Gold gilt als klassischer Inflationsschutz. Anders als Papiergeld besitzt das gelbglänzende Edelmetall einen realen Wert und ist als Rohstoff nicht beliebig reproduzierbar. Aus Sorge vor der steigenden Teuerung kauften die Deutschen vergangenes Jahr so viel Gold wie lange nicht mehr. Doch das hat sich kaum gelohnt. Nach einem Rekordhoch im Sommer 2020 fiel der Preis. Er pendelt seit Monaten um 1800 US-Dollar je Feinunze. Viele Anleger schichteten in Aktien um, die oft bessere Renditen versprachen. Wie es in diesem Jahr weitergeht, da sind sich die Kapitalmarktexperten uneinig.

Vermögensverwalter erhöhen Goldanteil

Laut dem „Handelsblatt“ wollen viele große deutsche Vermögensverwalter künftig den Goldanteil in den Portfolios ihrer Kunden erhöhen. Das gehe aus einer Studie im Auftrag des Branchenverbandes World Gold Council hervor, so die Wirtschaftszeitung. Darin wurden 20 Fondshäuser, Privatbanken und Family-Offices in Deutschland mit mindestens einer Milliarde verwaltetem Vermögen befragt.

Die Hälfte aller Befragten wollen demnach die Gold-Allokation in den kommenden drei Jahren erhöhen. 35 Prozent planen dagegen im gleichen Zeitraum keine Änderung im Edelmetall-Anteil der Kundenportfolios. Lediglich fünf Prozent der Befragten wollen Gold verkaufen. Der Rest hatte sich noch nicht entschieden oder wollte die Frage nicht beantworten.

Absicherung gegen Inflation treibt Gold an

Als Haupttreiber für Gold-Investments gaben die professionellen Investoren die Absicherung gegen Inflation, den Schutz vor Währungsabwertung und die Erwartung langfristiger Preissteigerungen an. Denn nach der US-Notenbank Fed haben sich auch namhafte Vertreter der Europäischen Zentralbank von ihrer ursprünglichen Einschätzung verabschiedet, dass die Inflation nur vorübergehend sei.

Auf ein geringes Aufwärtspotenzial beim Goldpreis lässt eine Expertenumfrage der Finanzzeitung „Euro am Sonntag“ hoffen, aus der das Online-Portal „Gold.de“ berichtet. Die 18 befragten Banken erwarten das Edelmetall demnach in diesem Jahr bei einem Durchschnittswert von 1878 US-Dollar je Feinunze. Die optimistischste Prognose stamme von den Analysten der Privatbank Donner und Reuschel, die ein Kursziel von 2500 US-Dollar ausgegeben hätten. Die niedrigen Realzinsen dürften diese Entwicklung weiterhin stützen, meint deren Chefvolkswirt Carsten Mumm. Am pessimistischsten sei die US-Investmentbank Morgan Stanley, heißt es. Sie rechne mit einem Rückschlag auf 1560 US-Dollar.

Banken bleiben in Jahresausblicken pessimistisch

Die Jahresausblicke großer deutscher Kreditinstitute lassen auf weniger hoffen: Die Helaba Landesbank Hessen-Thüringen etwa erwartet 2022 eher keine Trendwende. Die Konkurrenz durch Aktien und anziehende Nominalzinsen bleibe bestehen, so die Sparkassenzentralbank. Allerdings dürfte Gold sein erreichtes Niveau um 1800 US-Dollar verteidigen, da Inflationssorgen bleiben – begleitet von Wachstumsunsicherheiten. Rohstoffexperte Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg hat seine Prognose etwas höher angesetzt. Seiner Einschätzung nach könnte die Feinunze Ende 2022 bei 1900 US-Dollar gehandelt werden, berichtet die Presseagentur „dpa“. Er verwies auch auf einen starken Nachfrageanstieg nach Goldschmuck sowie nach Münzen und Goldbarren.

Die Deutsche Bank rechnet in diesem Jahr zwar mit einer insgesamt erhöhten Inflation. Deren Niveau werde aber unter anderem wegen der restriktiveren Geldpolitik fallen, meint ihr Chefanlagestratege Ulrich Stephan. Das sogenannte Tapering der Währungshüter würde die Anleiherenditen in die Höhe treiben und Zinspapiere attraktiver machen. „Meiner Ansicht nach ist Gold nicht der Renditebringer der Stunde“, so Stephan, der für Ende 2022 einen Preis von 1750 US-Dollar prognostiziert. Es gehöre eher wegen seines Absicherungscharakters gegen Rückschläge an Aktienmärkten oder Marktturbulenzen als Langfristanlage ins diversifizierte Depot.

Anzeige

Kostenfreie Online-Fortbildung – exklusiv für MFA/ZFA & Praxismanager

MFA und Praxismanager bilden den Grundstein jeder Praxis – ohne sie würde der Praxisalltag nicht funktionieren. Doch im geschäftigen Praxisalltag kann es vorkommen, dass wenig Zeit für die indivi... Mehr
Author's imageIlias TsimpoulisChief Medical Officer bei Doctolib
Login erfolgreich

Sie haben Sich erfolgreich bei arzt-wirtschaft.de angemeldet!

×