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Staatsanleihen als Inflationsschutz: So kann es funktionieren


Geldsack mit Münzen und Säulen

Anleger, die sich vor Inflation schützen wollen, denken in erster Linie an Aktien, Immobilien und Gold. Dabei kann man sich mit einer speziellen Art von Staatsanleihen ebenfalls gegen die Geldentwertung wappnen. Investementstratege Mirko Kohlbrecher* erklärt, wie es funktioniert.

Inflationsgeschützte Anleihen, Inflation-Linked Bonds (ILB) genannt, werden von einigen Staaten wie den USA, Deutschland oder Großbritannien ausgegeben. Anders als bei gewöhnlichen Anleihen, bei denen sich der Nominalwert, auf den sich die Zinszahlung bezieht, nicht verändert, passt sich der Nominalwert bei ILB im gleichen Maß wie die Inflationsrate an. Zudem verändern sich die prozentualen Zinszahlungen analog zum größer werdenden Kapitalstock. Auf diese Weise können sich Anleger effektiv vor einer möglichen Geldentwertung schützen.

Anlagebeispiel in Staatsanleihen

Ein hypothetisches Beispiel mag das erläutern: Ein Anleger investiert 10.000 Dollar in eine zehnjährige US-Staatsanleihe mit einer Verzinsung von 1,5 Prozent im Jahr bei einer konstanten Inflationsrate von vier Prozent jährlich. Bei Fälligkeit nach zehn Jahren ist das nominale Kapital wegen des Inflations-Links auf 14.802 Dollar angewachsen, während es bei einer normalen Staatsanleihe weiterhin 10.000 Dollar betragen würde.

Zusätzlich kassiert der Anleger jährlich 1,5 Prozent auf den sich vergrößernden Kapitalstock. Folglich erhöhen sich die Zinszahlungen sukzessive, bis die letzte Zinszahlung von 222 Euro auf die 14.802 Euro erfolgt. Für den Fall einer anhaltenden Deflation, also einer negativen Inflationsrate, integrieren die meisten Emittenten von ILB einen „Floor”: Dieser Boden garantiert bei Ablauf der Anleihe die Rückzahlung des nominalen Kapitals zu 100 Prozent.

Gute Aussichten auf attraktive Renditen

Neben inflationsgeschützten Anleihen bieten Fremdwährungsanleihen gute Aussichten auf attraktive Renditen. Dabei investieren Anleger in Unternehmens- und Staatsanleihen, die in anderen Währungen emittiert werden. Es ist zu unterscheiden zwischen sogenannten Risk-on und Risk-off-Währungen.

In Risk-on-Zeiten legen vor allem Schwellenländer-Währungen, australischer Dollar oder norwegische Krone tendenziell gegenüber dem Euro zu. In Risk-off-Zeiten sind der Schweizer Franken oder der japanische Yen gesucht. Die Bandbreite der Renditen bewegt sich zwischen einem (Norwegen) und sechs Prozent (Mexiko). Chinesische Staatsanleihen bringen bei einem relativ stabilen Wechselkurs derzeit um die drei Prozent.

Sind klassische Anleihen noch sinnvoll?

Bleibt die Frage: Sind klassische Staatsanleihen in diesem Umfeld noch sinnvoll? Für ein Dauer-Investment lautet die Antwort derzeit klar „Nein“. Es muss sogar von einem nominalen Wertverlust ausgegangen werden. Als taktisches Instrument bieten klassische Staatsanleihen Chancen!

So steigen die Kurse lang laufender Staatsanleihen solider Emittenten, wie der USA und Deutschland, wenn an den Aktienmärkten Unheil droht oder die Kurse in den Keller rauschen. In diesen Extremphasen können Langläufer effektiv das Risiko eines Portfolios senken und zudem einen Beitrag zur Rendite leisten. Gleichwohl ist vor allem bei Langläufern Vorsicht geboten: Erhöhen die Zentralbanken die Zinsen, geben die Kurse langlaufender Anleihen besonders nach.

*Der Autor: Mirko Kohlbrecher, Investementstratege bei der Spiekermann & CO AG in Osnabrück. Bitte beachten Sie: Der Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder und hat keine allgemeine Gültigkeit. Er dient der Erstinformation und kann eine individuelle Anlageberatung nicht ersetzen.

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