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Gut und günstig? ETFs statt Strafzinsen und Kaufkraftverlusten


Aktienhandel per Handy

Börsengehandelte Indexfonds scheinen ideal als preiswerter Einstieg in die Investmentwelt. Was spricht für und was gegen ETF, um sich mit mehr Rendite vor hoher Inflation zu schützen?

Das beliebteste Sparprodukt der Deutschen ist eine echte Überraschung: Laut einer Studie des Zahlungsdienstleisters Klarna sparen noch immer 62 Prozent der Konsumenten per Bankkonto und seinen Verwandten, wie Sparbuch oder Festgeld. Eigentlich unverständlich, denn hier kosten Guthaben oft sogar Strafzinsen. Gibt es Zinsen, reichen diese bei Weitem nicht, um die Geldentwertung von zuletzt über sieben Prozent auszugleichen.

Nur etwas mehr als jeder Dritte nutzte laut Studie die Chancen des Kapitalmarktes. Dabei sind die eindeutig favorisierten Anlageklassen ETFs, Fonds und Aktien. Gerade die börsengehandelten Fonds mit den drei Buchstabenkürzeln werden hierzulande immer beliebter: Bis 2026 sollen 350 Milliarden mit ihnen angelegt sein. Besonders beliebt sind monatliche Sparpläne. Bis dahin sollen über 20 Millionen Bundesbürger so für einen festgelegten Betrag automatisch ETF-Anteile kaufen. Wer das tut, sollte aber die folgenden Dinge wissen.

Kostenvorteile von ETFs nutzen

Unbestreitbar gibt es einen enormen Vorteil: „ETFs haben allgemein eine sehr günstige Preisgestaltung“, sagt Carmen Bandt, Geschäftsführende Gesellschafterin bei der Kidron Vermögensverwaltung GmbH aus Stuttgart. Meist bilden sie die Wertentwicklung eines bestehenden Börsenindex ab, zum Beispiel die rund 1600 Aktien aus dem bekannten MSCI World.

Die Idee: Da die Auswahl passiv erfolgt, kann auf ein gut bezahltes Management verzichtet werden, das statistisch sowieso nur selten besser abschneidet als so ein Vergleichsmaßstab. Der Großteil der üblichen Fondsgebühren wird eingespart, Ausgabeaufschläge entfallen. Anleger können sich so selbst mit kleinen zweistelligen Beträgen an einem ganzen Korb voller Aktien beteiligen, das reduziert einzelne Risiken. Also alles ganz simpel?

Beim Kauf von ETFs auf Details achten

Leider sind auch ETFs nicht immer die beste Option. Denn mit dem Verzicht auf ein aktives Management schlagen die an der Börse üblichen Schwankungen voll durch. Ein reiner Aktienindex kann da schnell einmal 20, 30 oder mehr Prozent an Wert verlieren und dann ist Geduld gefragt. „Erst wenn der Anlagehorizont in Richtung zehn Jahre geht, sollte in einen ETF auf Aktien investiert werden“, rät deswegen Kidron-Expertin Carmen Bandt. Generell ist es ratsam, sich dabei die Konstruktion eines ETFs genau anzusehen.

Prospekt des Anbieters vor dem Kauf studieren

Inzwischen gibt es auf fast alle Anlageklassen ETFs – von Staatsanleihen bis Industriemetalle und diese Märkte haben oft ihre eigenen Mechanismen. Aber selbst bei den üblichen Produkten auf bekannte Aktienindizes kann es Überraschungen geben. Denn nicht immer enthält das Sondervermögen, das einem Fondsanleger selbst bei einer Pleite des Anbieters zustehen würde, die erwarteten Werte. Finden sich im Prospekt Begriffe wie „Swap-basiert“ oder „synthetisch repliziert“ wird der Wert des Index auf für Laien oft kaum nachvollziehbaren Wegen nachgebildet. Theoretisch könnten in einem ETF auf die 40 Aktien des deutschen Leitindex Dax auch eine Reihe von Termingeschäften und Schwellenländeraktien enthalten sein. „Wichtig ist für uns, einen physisch hinterlegten ETF auszuwählen“, erklärt Kidron-Expertin Carmen Bandt: Hier werden tatsächlich einfach die Wertpapiere gekauft, die ein Index enthält. Jetzt gilt es nur noch, das richtige Börsenbarometer für sich zu finden.

Indizes verstehen

Vielen Anlegern ist es dabei wichtig, auf Nachhaltigkeit zu achten. „Wer seine eigenen moralischen Vorstellungen mit ETFs verwirklichen will, muss sich gut informieren“, erklärt Lothar Koch, Leiter des Portfoliomanagements des Vermögensverwalters GSAM + Spee Asset Management AG aus Krefeld. Kürzel wie ESG im Fondsnamen oder dunkelgrüne Farbkennzeichnungen nach EU-Richtlinie sagen oft nur wenig aus. Viele Börsenbarometer sind zudem kapitalgewichtet, je mehr Geld in einen Wert fließt, desto mehr Einfluss hat er auf die Wertentwicklung des Gesamtindex. „Anleger sollten sich darüber im Klaren sein, dass sich dadurch das Risiko für Schwankungen erhöht“, erklärt Lothar Koch. Wer zum Beispiel einen ETF auf die 30 Werte des amerikanischen Dow Jones kauft, sollte sich bewusst sein, dass Apple und Microsoft zu etwa 45 Prozent die Entwicklung bestimmen. Am Ende bleibt die Erkenntnis: ETFs können zu klassischen Sparformen eine attraktive und preiswerte Ergänzung sein. Eine Art Goldesel, der ohne jedes Basiswissen Gewinne produziert, sind sie nicht.

Die ETF-Checkliste vor dem Kauf

1. Passt die Basis des ETFs in die persönliche Vermögensstrategie?

Wer einen Vermögensaufbau strategisch angeht, sollte Risken möglichst streuen. Also weder alles nur auf einen Aktienindex setzen noch dabei nur eine Branche oder eine Region bevorzugen. Generell gilt, neben ETFs sollte immer ein ausreichender Notgroschen vorhanden sein, um nicht unter Druck verkaufen zu müssen.

2. Aus was setzt sich der Indexfonds tatsächlich zusammen?

Physisch replizierende Produkte versprechen selbst bei einer Pleite des Anbieters, dass dahinter wirklich die echten Werte aus dem Index liegen. Auf dieses Sondervermögen haben die Anteilseigner dann ein Anrecht. Bei „Swap-basierten“ oder „synthetisch replizierten“ Produkten, können hier ganz andere Titel hinterlegt sein.

3. Sind die Kosten vergleichbar mit Konkurrenzprodukten?

Die Gebühren von ETFs liegen in aller Regel deutlich unter einem Prozent jährlich. Aber auch bei geringen Kosten kann sich ein Preisvergleich lohnen. Achten Sie aber gerade bei den günstigeren Produkten auf die Zusammensetzung (s. Punkt 2). Experten bewerten das Risiko dadurch zwar als eher gering, trotzdem muss jeder für sich abwägen, ob das durch den Kostenvorteil ausgeglichen wird.

4. Thesaurierend oder ausschüttend?

Es macht für die langfristige Wertentwicklung einen deutlichen Unterschied, ob anfallende Erträge automatisch wieder angelegt oder ausbezahlt und verzehrt werden. Bei thesaurierenden Fonds, die Dividenden und Co. direkt wieder investieren, wirkt etwas ähnliches wie der Zinseszinseffekt, hinzu können Steuervorteile kommen.

5. Wie lange ist der ETF schon am Markt und ist er erfolgreich?

Profis bevorzugen eher Produkte, die schon ein paar Jahre gezeigt haben, dass sie funktionieren. Also den Basis Index ohne allzu großen Tracking Error nachbilden und mindestens ein paar hundert Millionen Euro eingesammelt haben, damit sie nicht plötzlich vom Anbieter geschlossen werden.

 

 

 

Autor: Florian Junker

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