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So viele Stunden arbeiten Ärzte pro Woche wirklich


Kinderarzt im Gespräch mit Mutter und Kind in der Arztpraxis

Ärzte werden oft zu den Top-Verdienern in Deutschland gezählt. Doch das liegt oftmals weniger am Stundenlohn als an den überdurchschnittlich langen Wochenarbeitszeiten. Angestellte Ärzte sind gegenüber niedergelassenen Kollegen beim Thema Arbeitszeit häufig im Vorteil.

Laut Zi-Praxis-Panel betrug die Arbeitszeit der Ärzte im Jahr 2014 durchschnittlich knapp 48 Wochenstunden. Zwischen den Subgruppen der Mediziner zeigen sich allerdings deutliche Unterschiede in der wöchentlichen Arbeitszeit. Niedergelassene Ärzte arbeiten im Durchschnitt deutlich mehr als ihre angestellten Kollegen: Von 10, 20 oder 40 Stunden pro Woche, wie sie in Verträgen mit Angestellten möglich sind, können die selbstständigen Mediziner nur träumen. Außerdem begrenzt grundsätzlich das Arbeitszeitgesetz bei Verträgen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bzw. die Regelungen aus einem Tarifvertrag die wöchentliche Arbeitszeit. Eine Ausnahme bilden bei den angestellten Medizinern nur die Chefärzte in einem Krankenhaus.

Wie viele Wochenstunden arbeiten niedergelassene Ärzte?

Laut dem aktuellen Zi-Praxis-Panel (Daten aus 2014) arbeiten niedergelassene Ärzte (ohne psychotherapeutische und psychosomatische Versorgung) im Durchschnitt 51 Wochenstunden. Angestellte Mediziner sind durchschnittlich 24 Stunden pro Woche im Dienst. Demzufolge bewerten auch nur etwa 49 Prozent der Inhaber einer Praxis ihre Arbeitszeiten als gut bis sehr gut. 

Kein Wunder, dass Medizinstudenten sich mit Blick auf das Thema Arbeitszeit eher für eine Festanstellung als Angestellter in einem Krankenhaus oder MVZ interessieren. Das gilt vor allem für den zunehmenden Anteil von Frauen unter den Studierenden im Fach Medizin. Angehende ÄrztInnen streben nicht nur ein gutes Gehalt an, sondern auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Das Thema Teilzeit und die Work-Life-Balance ist für sie oft wichtiger als die Karriere in der Klinik oder die eigene Praxis.

Doch wieviel Zeit verbringt in Deutschland eigentlich ein Selbstständiger im Durchschnitt mit Arbeit? Laut Mikrozensus arbeiteten Selbstständige in Deutschland im Jahr 2014 etwa 43 Stunden pro Woche. Das bedeutet, Mediziner mit eigener Praxis liegen pro Woche sieben Stunden über der mittleren wöchentlichen Arbeitszeit eines Selbstständigen.

Regionale und fachspezifische Unterschiede

Daneben zeigen sich zusätzlich sowohl regionale als auch fachspezifische Unterschiede hinsichtlich der Arbeitszeit. So verbringen vor allem selbstständige Fachärzte der spezialisierten internistischen Gebiete (z. B. Kardiologie und Gastroenterologie) sowie Fachärzte der Nuklearmedizin und Radiologie überdurchschnittlich viel Zeit in der Arbeit. Ein Gasttroenterologe hat beispielsweise eine durchschnittliche Arbeitszeit von 55 Stunden pro Woche.

Auch Inhaber von Einzelpraxen arbeiten mit mindestens 50 Wochenstunden länger, als die Kollegen in Gemeinschaftspraxen. Deren Arbeitszeit liegt im Mittel bei 48 Wochenstunden.

In ländlichen Regionen sind 52 Stunden pro Woche die Norm für Ärzte mit eigener Praxis, während die niedergelassenen Kollegen in der Stadt im Schnitt wöchentlich 48 Stunden für die Arbeit aufwenden. Auf dem Land fällt die direkte Arbeit am Patienten dabei mehr ins Gewicht. Hier entfallen etwa 35 Stunden pro Woche auf die medizinische Behandlung von Patienten, während es in der Stadt nur rund 33 Stunden sind. Überdurchschnittlich viel Zeit wird auf dem Land auch für Notfalleinsätze aufgewendet. Sie machen 1,5 Stunden der wöchentlichen Arbeitszeit aus.

Bezahlung im Vergleich

Der daraus resultierende Netto-Stundenlohn der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten lag im Jahr 2014 im Schnitt bei 34 Euro bzw. 29 Euro. Eine lächerliche Bezahlung im Vergleich zu Deutschlands Top-Managern, die es im Durchschnitt auf einen Stundenlohn von etwa 800 Euro bringen. Aber ein hervorragender Schnitt im Vergleich zu „normalen“ Arbeitnehmern. Deren Durchschnitts-Stundenlohn liegt nämlich je nach Region zwischen 15,02 und 22,12 Euro – brutto. Ein Arbeitnehmer muss allerdings auch im Gegensatz zu einem Arzt mit eigener Praxis kein unternehmerisches Risiko tragen.

Verteilung der Arbeitszeit auf unterschiedliche Bereiche

Wie aus dem Zi-Praxis-Panel weiter hervorgeht, wenden Ärzte den überwiegenden Teil der Arbeitszeit in allen Fachbereichen für ärztliche Tätigkeiten auf (rund 43 Stunden pro Woche). Davon entfallen 80 Prozent bzw. 35 Wochenstunden auf den direkten Kontakt mit Patienten, also Beratung, Untersuchung und Behandlung. Das allein entspricht schon etwa dem Durchschnitt der wöchentlichen Arbeitszeit aller Erwerbstätigen in Deutschland (35,5 Stunden).

18 Prozent der Arbeitszeit bzw. 8 Wochenstunden entfallen auf Tätigkeiten ohne Patienten, wie Dokumentation, Gutachtenerstellung oder Fallkonferenzen. Notfalldienste (ohne Bereitschaftsdienste) machen nur etwa eine Stunde der wöchentlichen Arbeitszeit aus. Für Fortbildungen wenden Ärzte im Durchschnitt 2,5 Wochenstunden auf – das sind etwa 5 Prozent der Wochenarbeitszeit. Für Aufgaben des Praxismanagements, wie Führung von Mitarbeitern, QM, Sichtung von Fachinformationen oder Erfahrungsaustausch mit Kollegen fallen etwa 4 Stunden pro Woche an.

Urlaub und Abwesenheit

Ein Blick auf die Abwesenheiten der Praxisinhaber im Jahr 2014 zeigt folgendes: Insgesamt waren Ärzte und Psychotherapeuten an 36 Tagen im Jahr nicht im Dienst. Im Durchschnitt gönnten sie sich 31 Tage urlaubsbedingte Auszeit vom Job. In der Anästhesiologie, der Neurochirurgie und der Nuklearmedizin nahmen sich die Ärzte mit eigener Praxis nur 27 Tage Urlaub.

Etwa zwei weitere Abwesenheitstage wurden durch Krankheit und drei Tage durch sonstige Anlässe verursacht. Damit liegt der Krankenstand der Niedergelassenen weit unter dem Durchschnitt der krankheitsbedingten Fehltage deutscher Arbeitnehmer. Diese waren 2014 im Schnitt 9,5 Tage wegen Krankheit nicht bei der Arbeit.

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