Erfolgt die Entnahme im Zusammenhang mit der Praxisveräußerung kann die ermäßigte Besteuerung mit 56% auf dem persönlichen Steuersatz generiert werden.

Gewinn aus der Entnahme der Immobilie                                                          245.000 €

persönlicher Steuersatz 42%                                                                                    102.900 €

davon   56%                                                                                                                     57.624 €

zzgl. 5,5% Solidaritätszuschlag                                                                                    3.169 €

ggf. zzgl. 9% Kirchensteuer                                                                                          5.186 €

Gesamtsteuerbelastung                                                                                             65.979 €

resultierend aus der Entnahme des Grundstücks aus dem Betriebsvermögen.

Problem bei der Entnahme der Immobilie aus dem Betriebsvermögen in das Privatvermögen: Dem entnehmenden Arzt wird zwar ein Gewinn zugerechnet, der eine entsprechend (hohe) Steuerbe­lastung auslöst, die früher oder später auch zu bezahlen ist, dem Ganzen steht jedoch kein entsprechen­der Liquiditätszufluss gegenüber. Daher ist die oben genannte Steuerbelastung in Höhe von 65.979 € aus dem Privatvermögen des Arztes (sprich: Sparbuch) zu finanzieren. Wenn keine entsprechenden Werte vorhanden sind, sitzt der Arzt in einer Liquiditätsfalle, aus der er nur herauskommt in dem er

  1. eine Finanzierung zur Begleichung der Steuerschuld aufnimmt, wobei die Zinsen steuerlich nicht abzugsfähig sind, weil private Steuern finanziert werden.
  2. sonstiges Vermögen versilbert.

Gerade Personen, die ein Single-dasein fristen und früher oder später ihre Praxisimmobilie nicht mehr als Praxisimmobilie nutzen wollen, sollten dementsprechend dem Entnahmezeitpunkt und der damit verbundenen zusätzlichen Steuerbelastung ohne entsprechenden Liquiditätszufluss vorbeugen. Dies kann in der Regel nur dadurch erfolgen, dass bereits im Besitzzeitraum adäquate Liquiditätsreserven gebildet werden. Auch hier gilt es wieder zu berücksichtigen, dass Erträge die im Rahmen der Bildung der Kapitalreserve entstehen und ggf. gleichfalls als Liquiditätsreserve dienen sollen, (Abgeltungs)steuerpflichtig sind.

Eine rechtzeitige Kapitalvorsorge schützt in diesen Fällen vor zusätzlichen (überraschenden) Liquiditätsengpässen.

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Holger Wendland

Holger Wendland

Leiter der Fachberaterlehrgänge Gesundheitswesen bei Wendland Steuerberatungsgesellschaft, Wirtschaftsberatungsgesellschaft mbH

Seit 1991 selbstständiger Steuerberater mit der Spezialisierung auf Ärzte, Zahnärzte und anderen Heilberuflern und Pflegedienste; Leiter der Fachberaterlehrgänge Gesundheitswesen; einer anerkannten Fachberaterspezialisierung für Steuerberater, mit bisher über 600 zertifizierten Steuerberatern; mehr unter: www.ibg-institut.de

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