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Investmentsteuergesetzreform: Ab 2018 Abgeltung für alle


Die Steuervorteile für Investmentfonds, die vor dem Jahr 2009 gekauft wurden, werden praktisch abgeschafft. Was bringt die beschlossene Investmentsteuergesetzreform Anlegern noch Neues?

Am 31.12.2017 wird in vielen Depots etwas Ungewöhnliches passieren. Fondsanteile werden quasi automatisch verkauft und sofort zum gleichen Preis wieder zurückgebucht. Dieses fiktive Geschäft ist eine Folge der gerade beschlossenen Reform des Investmentsteuergesetzes und könnte Investoren treffen, die alten Versprechen glaubten. Denn als im Jahr 2009 die Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge eingeführt wurde, sollten Gewinne aus zuvor erworbenen und über ein Jahr gehaltenen Fondsanteilen ohne zeitliche Begrenzung ausgenommen bleiben. Durch den jetzt beschlossenen fiktiven Verkauf solcher Altfonds endet diese Regelung aber praktisch zum Jahresende 2017. Der Zähler wird im Prinzip auf Null gestellt und ab dann neu erzielte Gewinne unterliegen wie bei allen anderen auch grundsätzlich der Abgeltungssteuer. Aber was bedeutet das konkret für Anleger und welche Neuregelungen treffen sie noch?

Freibetrag schützt

„Zunächst gibt es keinen Grund zum Aktionismus“, sagt Claus Walter, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Freiburger Vermögensmanagement GmbH. Denn trotz der quasi Abschaffung der Abgeltungssteuerausnahme müssen jetzt nicht alle, die vor dem Jahr 2009 Fondsanteile gekauft haben, um ihren Steuervorteil bangen. Ein Freibetrag von 100.000 Euro für Gewinne mit Altfonds wird auch nach dem automatischen Verkauf die meisten Sparer vor den neuen Steuerregeln einige Jahre schützen. Solche Depotbestände nur wegen der Neuregelung jetzt schnell abzustoßen macht deswegen keinen Sinn, denn damit würde auch der Freibetrag hinfällig. „Aber ein möglicher Steuervorteil sollte nicht das einzige Kriterium sein, einen Fonds im Depot zu halten“, sagt der Freiburger Vermögensverwalter Claus Walter, „denn ohne eine langfristig positive Wertentwicklung hilft auch der Schutz vor der Abgeltungssteuer unter dem Strich nicht.“ Andere Reglungen werden noch mehr Anleger betreffen.

Weitere Regelungen

Denn deutsche Fonds werden ab 2018 grundsätzlich für Dividenden, Mieterträge und Verkaufsgewinne inländischer Immobilien 15 Prozent Steuer direkt an den Staat abführen. Auch Mieterträge offener Immobilienfonds werden dabei einbezogen, allerdings gibt es für die Belastung auch eine Entlastung: Von Ausschüttungen oder Verkaufsgewinnen wird ein Teil für Anleger abgeltungssteuerfrei. Bei mehrheitlich in Aktien investierenden Fonds sind 30 Prozent teilfreigestellt, bei Immobilienfonds mit inländischem Fokus sind es 60 Prozent und bei mehrheitlich in ausländischem Betongold anlegenden Fonds sogar 80 Prozent. Erträge von Mischfonds, die zumindest 25 Prozent Aktienanteil haben, sind zu 15 Prozent frei. „Verlierer sind hier allerdings die Kleinsparer, die ihren Sparerpauschalbetrag nicht voll ausnutzen“, sagt Finanzexperte Stephan Witt vom Berliner Vermögensverwalter FINUM.Private Finance AG. Denn bisher mussten sie keine Steuern zahlen, nach der Neureglung würden sie quasi auf Fondsebene besteuert und werden durch die Teilfreistellung aber praktisch nicht entlastet. Hier könnte das gerade beschlossene Gesetz möglicherweise aber noch vor der Bundestagswahl 2017 nachgebessert werden. Eine Vereinfachung bietet das reformierte Investmentsteuergesetz zumindest auch jetzt schon. Bei thesaurierenden (wiederanlegenden) Fonds werden die Steuern per Vorabpauschale unter Einrechnung der jeweiligen Teilfreistellung automatisch abgeführt. „Damit wird die Steuererklärung für ausländische thesaurierende Fonds ab 2018 so einfach wie für inländische Fonds“, sagt FINUM-Experte Stephan Witt.

Beispielrechnung:

Vor 2009 in Fondsanteile investierte Summe:    50.000 Euro

Kurswert zum 31.12.2017:                                        150.000 Euro

Steuerfreier Gewinn:                                                 100.000 Euro

 

Ab dem 1.1.2018 fiktiver Einstandskaufwert:         150.000 Euro

Kurswert bei einem Verkauf in einigen Jahren:    300.000 Euro

Gewinn:                                                                          150.000 Euro

Freibetrag:                                                                   -100.000 Euro

Zu versteuernder Gewinn:                                           50.000 Euro

 

Die wichtigsten Änderungen der Investmentbesteuerung

Interview:

Qualität ist wichtiger als die Herkunft“

Finanzexperte Stephan Witt vom Berliner Vermögensverwalter FINUM.Private Finance AG erklärt, warum ausländische Fonds ab 2018 noch einfacher im Depot zu integrieren sind.

Brauchen normale Anleger überhaupt ausländische Fonds im Depot?

Stephan Witt: Es kommt bei Fonds in der Regel nicht so sehr auf das Herkunftsland an, sondern auf die Qualität des Managements. Viele Bereiche können mit inländischen Produkten abgedeckt werden, aber oft gibt es auch für einzelne Segmente Spezialisten aus dem Ausland, die mehr Erfahrung, einen besseren Marktzugang oder aufgrund der Größe günstigere Konditionen anbieten können.

Werden diese Produkte durch die Neuregelungen attraktiver?

Witt: Nachdem ausländische Fonds auch separat ihre Steuern bezahlen werden, wird es für Anleger einfacher. Gerade bei thesaurierenden Fonds, die Erträge nicht ausschütten, sondern direkt wieder anlegen, ist es bisher relativ kompliziert das in der deutschen Steuererklärung korrekt anzugeben, um nicht bei einem späteren Verkauf doppelt besteuert zu werden. Das entfällt ab dem Jahr 2018 und ausländische Fonds sind ab dann so einfach zu behandeln wie inländische.

Ist die Besteuerung auf Fondsebene nicht ein Grund, alle Fondsanteile zu verkaufen?

Witt: Ganz sicher nicht, denn warum sollte ein Anleger nur wegen der Besteuerung seine komplette Anlagestrategie ändern? Bei Altbeständen würde das sogar zum Verlust des Freibetrags führen. Aber es macht immer Sinn, die Performance eines Fonds im Auge zu behalten. Wer keine positive Wertentwicklung einbringt, kann auch nicht von Steuerprivilegien profitieren.

Trifft die Neuregelung der Fondsbesteuerung nicht nur Millionäre?

Witt: Das Auslaufen der Abgeltungssteuerausnahme für vor dem Jahr 2009 gekaufte Fonds trifft durch den hohen Freibetrag tatsächlich erstmal eher die großen Depots. Die Besteuerung auf Fondsebene und die Teilfreistellung werden dagegen viele Anleger spüren insbesondere die, die bisher im Rahmen ihres Freibetrags keine Abgaben leisten mussten. Auch innerhalb von Renten- und Lebensversicherungen ist noch nicht abschließend geklärt, wie die dort nicht greifende Teilfreistellung zumindest bei Riester- und Rürup-Produkten in der Praxis ausgeglichen wird. (Florian Junker)

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