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Mischfonds: Meistens stabiler, doch selten besser

von André Gieße

Sparschwein
Foto: Andrey Popov - stock.adobe.com

An den Kapitalmärkten herrscht seit Monaten enorme Unsicherheit. In unruhigen Zeiten versuchen viele Anleger, ihr Depot krisenfester zu machen. Doch nicht immer zahlt sich eine Diversifikation aus.

Angesichts einer drohenden Stagflation und wirtschaftlicher Unsicherheiten bewerten viele Anleger ihre Wertpapiere neu, sortieren Risikotitel aus und stellen sich defensiver auf. Belastend wirken vor allem die Zinswende in den USA und wohl bald auch in der Eurozone, die Rekordinflation, Corona-Lockdowns in China und die durch den Ukraine-Krieg ausgelösten geopolitischen Verwerfungen. Die Unruhe an den Kapitalmärkten übertrug sich auch auf den Fonds-Handel. Nach Panikverkäufen in Frühjahr erfreuen sich bei privaten Investoren vor allem Mischfonds wieder wachsender Beliebtheit, wie der Branchenverband BVI berichtet. In unruhigen Zeiten sollen sie Stabilität ins Depot bringen.

So funktionieren Mischfonds

Mischfonds investieren gleichzeitig in mehrere Anlageklassen. Zum Beispiel in Aktien, Rentenpapiere, Rohstoffe, Edelmetalle und Immobilien. Sie werden daher auch als Multi-Asset-Fonds bezeichnet. Ein klassischer Mischfonds soll die Renditechancen von riskanteren Anlagen wie Aktien mit Erträgen aus sichereren Anlagen wie festverzinslichen Anleihen kombinieren. Daneben gibt es flexible Mischfonds, die weitere Anlageklassen einbeziehen dürfen – zum Beispiel Immobilien und Rohstoffe. Dabei kann das Fondsmanagement die Menge der Anteile je nach Marktsituation anpassen. Das Verhältnis der verschiedenen Assets ist durch die Ausrichtung von Mischfonds tendenziell festgelegt. Je nach Aktienanteil werden sie als offensiv, ausgewogen oder defensiv bezeichnet. Die Aktienquote eines ausgewogenen Mischfonds kann jedoch zwischen 25 und 75 Prozent betragen.

Den Trend zu Mischfonds bestätigten Experten an der Frankfurter Börse kürzlich: „Es ist eine gehörige Portion Angst im Markt“, berichtete Jan Duisberg von der ICF Bank. Die Anleger seien vorsichtiger. Gefragt sind laut Anja Deisenroth-Boström von der Baader Bank derzeit Mischfonds wie der Arero-Weltfonds. Er verfolgt eine passive Strategie. Der Arero investiert breit gestreut über die Anlageklassen Aktien, Anleihen und Rohstoffe sowie über viele Regionen weltweit. Dazu bildet der aktiv gemanagte Mischfonds sechs Börsenindizes nach. Auf Zehnjahressicht kommt er auf ein jährliches Plus von 6,7 Prozent. Mit 0,5 Prozent laufenden Kosten pro Jahr und ohne Ausgabeaufschlag ist er recht günstig.

Finanztester raten eher zu ETF

Der Honorar-Finanzanlageberater Michael Ritzau rät dennoch von Mischfonds als teure Geldanlage ab. Die Gebühren für das Management und die Verwaltung liegen nach seiner Erfahrung bei 1,5 bis 2 Prozent pro Jahr. Dies ist mitunter das Zehnfache der laufenden Kosten von börsengehandelten Fonds, die passiv die Wertentwicklung eines Aktienindex nachbilden (ETF). Dazu kommt beim Kauf des Mischfonds meist ein Ausgabeaufschlag von 3 bis 6 Prozent des Anteilswertes. Das alles zehrt an der Rendite, die im Durchschnitt ohnehin nicht üppig ausfällt (siehe Kasten). Langfristig schaffen es laut Ritzau nur sehr wenige, den Gesamtmarkt zu übertreffen – wenn, dann aufgrund ihres höheren Aktienanteils.

Wie die Zeitschrift „Finanztest“ herausgefunden hat, sind aktiv gemanagte Mischfonds einem selbst erstellten Portfolio-Mix aus weltweit investierenden Aktien- und Renten-ETFs meist unterlegen. Das Konzept, Aktien und Anleihen in einem Fonds zu mixen, klinge zwar vernünftig, sei aber oft für die Anleger mit vermeidbaren Kosten verbunden. Auch die Rating-Agentur Morningstar stellte 2020 fest, dass Mischfonds in Deutschland relativ teuer sind und die Wertentwicklung den Vergleichsindizes überwiegend hinterherhinkt – besonders defensive und flexible Mischfonds schnitten in den Jahren seit 2015 schlechter ab. Sie reagierten in Abwärtsphasen zudem viel stärker als in Aufwärtsphasen.

Die Kursschwankungen der Mischfonds sind zwar der Regel geringer als bei reinen ETF-Strategien. Die Unterschiede bei aktiv gemanagten Multi-Asset-Fonds in puncto Gewichtung, Kosten und Performance sind aber riesig. Um den besten für sich zu finden, sollte man vorher genau prüfen, wie das Fondsvermögen verteilt wird. Anleger sollten sich darüber hinaus bewusst sein, dass trotz Diversifizierung des Portfolios im aktuellen Marktumfeld keine Wunder zu erwarten sind, und langfristig denken.

Im Schnitt 2,3 bis 5,5 Prozent plus pro Jahr
Nach Angaben des Deutschen Fondsverbands BVI aus dem Frühjahr liegt die Wertentwicklung bei Sparplänen mit Mischfonds über die vergangenen 10 Jahre betrachtet im Durchschnitt bei jeweils 2,3 Prozent. Bei einer Einmalanlage variiert die Rendite über 10 Jahre je nach Zusammensetzung des Mischfonds zwischen 2,3 (rentenbetont), 4,0 (ausgewogen) und 5,5 Prozent (aktienbetont) pro Jahr. Davon sind jeweils noch Gesamtkosten und Ausgabeaufschlag abzuziehen.
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Author's imageIlias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib
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