Gehirn unterscheidet nicht zwischen psychischen und körperlichen Schmerzen

Finanzielle Unsicherheit kann körperliche Schmerzen verursachen

Finanzielle Unsicherheit beschäftigt Menschen nicht nur mental. Sie bekommen die Probleme auch körperlich zu spüren. Wer Geldsorgen hat, leidet häufiger unter Schmerzen.

Wer wissen will, wie es um die wirtschaftliche Lage eines Landes steht, der sollte nicht nur auf offizielle Zahlen wie das Bruttoinlandsprodukt vertrauen. Aussagekräftig könnte auch der Umsatz durch Schmerzmittel sein. Wie Forscher von der University of Virginia (Fachbeitrag veröffentlicht in „Psychological Science“) herausfanden, steigt mit der finanziellen Unsicherheit nämlich der Konsum von rezeptfreien Schmerzmitteln. Die Forscher vermuten hier jedenfalls einen direkten Zusammenhang.

Vorausgegangen waren der Erkenntnis andere Studien darüber, dass sich finanzielle Probleme negativ auf die Gesundheit auswirken können. Belegt ist unter anderem das Risiko, Herzkrankheiten zu entwickeln und vermehrt unter psychischem Stress zu stehen. Da bei psychischem Stress häufig die gleichen Gehirnareale aktiviert werden wie bei körperlichen Schmerzen, vermuteten die Forscher einen Zusammenhang zwischen finanzieller Unsicherheit und verstärkter Schmerzempfindlichkeit.

Tatsächlich stieg in den USA der Kauf von Schmerzmedikamenten zwischen 2006 und 2012 um 50% an. Bei Paaren, bei denen beide Partner arbeitslos sind, liegt der Schmerzmittelkonsum um 20% höher als bei Gemeinschaften, in denen nur ein Partner keinen Job hat. Eine weitere Befragung dieser Personen bestätigte einen Zusammenhang zwischen dem Gefühl finanzieller Unsicherheit und dem persönlichen Schmerzempfinden.

Um zu testen, ob finanzielle Unsicherheit tatsächlich eine Ursache für erhöhte Schmerzen sein kann, führte das Forschungsteam um Eileen Chou auch experimentelle Untersuchungen durch. Ein Teil der Probanten sollte einen Text über eine Phase der finanziellen Unsicherheit im eigenen Leben verfassen, der andere Teil von Zeiten berichten, in denen sie sich finanziell besonders sicher gefühlt hatten. Anschließend wurden sie zu aktuellen Schmerzen gefragt. Die Teilnehmer, die sich an die finanzielle Unsicherheit erinnern mussten, empfanden z.B. ihre Kopfschmerzen als doppelt so stark wie die Teilnehmer in der Vergleichsgruppe. Das Schmerzgefühl stieg parallel zum Gefühl von Kontrollmangel.

Der Zusammenhang könnte sich dadurch erklären, dass das Gehirn nicht zwischen psychischen und körperlichen Schmerzen unterscheidet. Das Gefühl, die Kontrolle über das eigene Leben verloren zu haben, kann deshalb durchaus körperliche Schmerzen auslösen. Im Umkehrschluss bedeutet das allerdings auch: Findet sich eine Lösung für die finanziellen Probleme, nehmen auch die empfundenen Schmerzen und der dazugehörige Schmerzmittelkonsum ab.

 

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