Zusammenhang von Redite und Risiko unbekannt

Studie: Große Wissenslücken zum Thema Finanzen

Das Geldvermögen in Deutschland steigt stetig an und es gibt wohl nur wenige Menschen, die sich keine Gedanken über entsprechende Anlagen machen. Bei Ärzten hat das Thema finanzielle Sicherheit sogar besondere Priorität, wie eine aktuelle Umfrage zeigt. Trotzdem zeigen große Teile der Bevölkerung erhebliche Wissenslücken zum Thema Finanzen, wie ein aktuelles Forschungsprojekt zeigt.

Finanzielle Sicherheit und Altersvorsorge sind für Ärzte eines der Themen, mit denen sie sich am meisten beschäftigen. Das hat kürzlich eine Umfrage der apoBank bestätigt. Wer die Möglichkeit hat, Ersparnisse aufzubauen, fragt sich natürlich auch, wie man das verdiente Geld am besten anlegen und vermehren kann. Die Antwort darauf scheint den meisten Deutschen allerdings schwer zu fallen. Ein Großteil der deutschen Bevölkerung hat große Wissenslücken in der Geldanlage, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Prof. Dr. Matthias Fischer von der TH Nürnberg erforscht im Kompetenzzentrum Finanzen mit seiner Arbeitsgruppe das Finanzwissen der Deutschen. Ziel der repräsentativen Studie ist, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zum Wissen der Deutschen zu Risiko und Rendite bei Geldanlagen zu erforschen. Die Ergebnisse sind durchaus überraschend, da das Thema Geld und Geldanlage bei den Befragten doch eigentlich so eine hohe Priorität genießt.

Geldanlage ist komplexer geworden

Laut Studie fehlt es an grundlegendem Wissen über Anlageformen wie beispielsweise Anleihen, Sparbücher und Tagesgeldkonten. Aber auch über die globalen Abhängigkeiten in der Entwicklung von Immobilienpreisen. Der Leiter des Forschungsprojekts, Prof. Dr. Matthias Fischer, sieht darin Gefahren: „Durch das andauernde Niedrigzinsumfeld und die Notwendigkeit der privaten Altersvorsorge ist die Frage der richtigen Geldanlage deutlich komplexer geworden“, erklärt er. „Mangelndes Wissen über den Zusammenhang von Rendite und Risiko kann in der Bevölkerung zu falschen Entscheidungen im Vermögensaufbau und in der Altersvorsorge führen – mit möglicherweise harten Konsequenzen. Daher ist es eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, das Finanzwissen in der deutschen Bevölkerung zu stärken.“ Für die Studie wurden 1.542 Personen befragt.

Die zentralen Ergebnisse:

– 73 % der Befragten insgesamt ist der Zusammenhang zwischen Rendite und Risiko nicht bewusst.
– 48 % der Befragten insgesamt sind die positiven Auswirkungen eines breit gestreuten Aktienbesitzes nicht bewusst. Im Umkehrschluss waren auch die Gefahren durch einen eng fokussierten Aktienbesitz nicht bekannt.
– Verlustrisiko von Fonds: Zwei Drittel der Befragten insgesamt kennt die Funktionsweise von Anleihen oder Rentenpapieren nicht.
– Insbesondere 80 % der Befragten unter 20 Jahren haben geringe oder keine Kenntnisse über Sparbücher, auch wenn diese in der Bevölkerung immer noch eine beliebte Anlageform sind.

Fazit des Studienleiters: „Diese Wissenslücken können für den Einzelnen gefährliche Auswirkungen haben.“ Um dem entgegenzuwirken, wäre eine praxisnahe und spannende Information über Geldanlagen schon in der Schule wichtig, z.B. mit Planspielen, so Prof. Dr. Matthias Fischer: „Der Großteil der Bevölkerung benötigt eine bessere Aufklärung über den Zusammenhang von Rendite und Risiko. Die Kreditinstitute sollten ihren Kunden intensiv die Vorteile der Risikostreuung kommunizieren. Zur Risikostreuung gehören festverzinsliche Wertpapiere, aber auch ein Teil Aktien.“

Die Sparkasse Nürnberg hat das Forschungsprojekt mit 3.500 Euro bezuschusst.

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