Wissenswertes über die Gemeinschaftspraxis

Freunde fürs Leben – Teil I

Die bekannte Arztserie aus den 90-er Jahren hatte es schon vorgemacht: Ausgangspunkt der Handlung war ein Suizidversuch eines verschuldeten älteren Praxisinhabers, der Haus und Praxis nicht mehr halten kann. Drei zufällig anwesende junge Ärzte retten ihm das Leben. Der Praxisinhaber bietet jedem von ihnen die Praxis zum Kauf an. Nachdem keiner der drei alleine das Geld aufbringen kann, tun sie sich zusammen und eröffnen eine Gemeinschaftspraxis.

Vorteile und Fallstricke der Gemeinschaftspraxis

Die Gemeinschaftspraxis oder Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) ist eine der engsten Formen der Ärzte-Kooperation. Die Vorteile der gemeinsamen Berufsausübung nach dem Praxiskauf liegen auf der Hand: Verteilung der Investitionen, bessere Abstimmung der Notdienste und Urlaube, erhöhte Planbarkeit von Arbeitszeiten, Kompetenzverteilungen und kollegiale Ansprechpartner in der eigenen Arztpraxis.
Was aber im Innenverhältnis schnell zu emotionalem und finanziellem Stress führen kann, sind Versäumnisse auf versicherungs- und haftungsrechtlicher Ebene. Gerade wenn alte Partner aus einer Gemeinschaft aus- und neue Partner einsteigen, ist es empfehlenswert die Berufshaftpflichtversicherungen aller Partner aufeinander abzustimmen.

Die wichtigsten zu beachtenden Punkte haben wir in dem folgenden fiktiven Frage-Antwort-Katalog zusammengefasst. Akteure sind der aussteigende Partner, der neu einsteigende Juniorpartner und der verbleibende Seniorpartner.

Aussteigender Partner:
Muss ich eine separate Nachhaftungsversicherung abschließen, wenn ich meinen KV-Sitz zurückgebe und aus der Gemeinschaftspraxis ausscheide?

Fachbereich:
Gemäß den Ihrem Vertrag zugrundeliegenden Bedingungen besteht bei HDI bei vollständiger Beendigung der versicherten ärztlichen Tätigkeit zeitlich unbefristet Versicherungsschutz für Schadenereignisse, die nach Risikowegfall eintreten, aber durch die berufliche Tätigkeit vor diesem Zeitpunkt verursacht wurden. Für den Umfang der Nachhaftungsversicherung gelten die bis zur Aufgabe der Tätigkeit bestehenden Bedingungen und Deckungssummen des bei unserer Gesellschaft bestehenden Vertrages.
Da Sie jedoch eine ärztliche Ausbildung absolviert haben und demzufolge über eine reine Privathaftpflichtversicherung für z. B. Erste-Hilfe-Leistungen kein Versicherungsschutz besteht, ist es in jedem Falle sinnvoll bzw. ratsam, zumindest das „Ärztliche Restrisiko“ zu versichern. Der Versicherungsschutz umfasst das Risiko bei Erste-Hilfe-Leistungen, Behandlungen in Notfällen, gelegentlichen Behandlungen im Verwandten- und Bekanntenkreis. Sollten Sie darüber hinaus planen, gelegentlich noch als Praxisvertreter oder als ärztlicher Gutachter zu agieren, ist es wichtig auch diese Risiken weiterhin abzusichern.

Junior-Partner:
Ich steige neu in die Gemeinschaftspraxis ein. Kann ich den Vertrag von meinem Vorgänger übernehmen?

Fachbereich:
Leider nein. Bei der Berufshaftpflichtversicherung handelt es sich um eine personenbezogene Versicherung, die nicht übertragbar, sondern fest dem Arzt zugeordnet ist und an die jeweilige berufliche Tätigkeit angepasst wird. Sie wächst quasi mit Ihrer beruflichen Laufbahn „vom Medizinstudium bis zum Ruhestand“. Wir erstellen Ihnen aber natürlich gerne ein Angebot für Ihre niedergelassene Tätigkeit.

Junior-Partner:
Wird mir dann trotzdem der Niederlassungsnachlass gewährt, da die Praxis ja schon besteht?

Fachbereich:
Ja, der Begriff „Erstniederlassung“ orientiert sich an der Person und nicht an der Bestandspraxis.

Junior-Partner:
Ich habe schon eine Berufshaftpflicht für meine bisherige Angestelltentätigkeit. Wird diese dann automatisch obsolet?

Fachbereich:
Wenn Sie schon eine Berufshaftpflicht haben, sind Sie auf Ihr neues Tätigkeitsfeld und das dadurch bedingte höhere haftungsrechtliche Risiko gut vorbereitet, denn bedingungsgemäß besteht Versicherungsschutz im Rahmen der schon bestehenden Berufshaftpflicht auch für eine geänderte ärztliche Tätigkeit. Es handelt sich hierbei um eine aus dem Versicherungsgedanken hervorgehende Schutzbestimmung, die vermeiden soll, dass der einzelne Arzt nach der Änderung seiner Tätigkeit einem in der Regel größeren Haftungsrisiko ohne ausreichenden Versicherungsschutz gegenübersteht. Im Gegenzug steht dem Versicherer der entsprechende Beitrag für dieses Risiko zu (siehe Allgemeine Versicherungsbedingungen für die Haftpflichtversicherung (AHB)).

Senior-Partner:
Macht es Sinn, wenn wir als BAG-Partner die identischen Deckungssummen vorhalten?

Fachbereich:
Auf jeden Fall. Die Berufsausübungsgemeinschaft bzw. Gemeinschaftspraxis stellt eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches(BGB) dar. In Fällen, in denen der Behandlungsvertrag nicht mit dem einzelnen Arzt, sondern mit der Gesamtpraxis oder gar mit der überörtlichen Berufsausübungsgemeinschaft (ÜBAG) geschlossen wird, sind alle beteiligten Ärzte als Gesamtschuldner verpflichtet. Das bedeutet, dass alle Gesellschafter der Praxis den Vertragspartnern gegenüber zur Leistung verpflichtet sind: Jeder Gesellschafter kann von einem Patienten auf die gesamte Leistung – und nicht nur einen prozentualen Anteil – in Anspruch genommen werden.
Dies gilt unabhängig davon, welcher der Gesellschafter den Schaden tatsächlich verursacht hat. Bei unterschiedlich hohen Deckungssummen der einzelnen Gesellschafter reduziert sich die Deckungssumme immer zum Nachteil derer, die sich höher und somit in der Regel auch angemessener versichert haben. Im Außenverhältnis zum Patienten und den Sozialversicherungsträgern ist dabei eine im Innenverhältnis geregelte Verteilung völlig irrelevant.

Aber nicht nur das sollte man beachten. Auch hinsichtlich der Bedingungskonzepte empfiehlt sich eine Abstimmung. Themen wie Ansprüche nach dem allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG), Mitversicherung von Off-Label-Use, kosmetisch indizierten Behandlungen, mitversicherte angestellte Ärzte, Umweltschadenversicherung (USV) oder schärfere Haftungsregelungen nach der EU-Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) sind in den letzten Jahren neu aufgetaucht und haben Relevanz im Alltag erhalten.

Senior-Partner:
O.k, dass sind neuere Gesetzesbestimmungen und Gegebenheiten, aber ansonsten mache ich doch als Hausarzt dasselbe wie vor 30 Jahren?

Fachbereich:
Hier erleben wir einen Wandel im Berufsbild. In grenznahen Regionen stellen wir eine vermehrte Auslandstätigkeit fest. Auch nimmt das angebotene Spektrum an kosmetisch indizierten Behandlungen und Eingriffen (z.B. Botox zur Faltenunterspritzung) immer weiter zu. Abschließend seien noch weitere Sondertätigkeiten wie Teilnahme an klinischen Studien, eine Tätigkeit als Leitender Notarzt (LNA) oder Programmverantwortlicher Arzt im Mammographie-Screening oder die Teilhaberschaft in Palliativnetzwerken genannt. Nicht selten werden auch Profisportler, Bundesligavereine und Nationalmannschaften betreut, die einer besonderen Risikobewertung obliegen.

Bestenfalls versichern sich alle Partner bei einem Versicherer mit identischem Deckungsschutz. Weiterer Vorteil bei HDI: Sind mehrere Praxenpartner (mindestens 2) einer Berufsausübungsgemeinschaft / Gemeinschaftspraxis / Praxisgemeinschaft oder Partnerschaftsgesellschaft bei HDI berufshaftpflichtversichert, wird jeweils ein Rabatt in Höhe von 20 % gewährt.

Senior-Partner:
Nächstes Jahr wollen wir uns vergrößern und ein weiterer Partner kommt hinzu. Läuft das mit der Haftpflicht dann genauso?

Fachbereich:
Grundsätzlich ja; allerdings bietet HDI alternativ und exklusiv Deckung über das „Großpraxenkonzept“. Dieses Sonderkonzept kann für eine Berufsausübungsgemeinschaft mit mind. 3 Partnern angewandt werden. Das gesamte Konstrukt wird in einem Vertrag zusammengeführt, das alle Besonderheiten der Arztpraxis berücksichtigt. Deckungsunterschiede der einzelnen Partner werden somit komplett vermieden.
Falls Ansprüche entstehen, können diese schnell koordiniert und bearbeitet werden. Sie erhalten alle Services komplett aus einer Hand. Kombiniert wird diese Deckung mit einer hohen Deckungssumme von EUR 10 Mio und einer Dreifachmaximierung im Jahr.

Junior-Partner:
Was muss ich bezgl. der Berufshaftpflicht noch beachten beim Einstieg in die Praxis?

Fachbereich:
Zu prüfen sind zusätzlich bestehende individuelle Kooperationsverträge – z.B. mit Kliniken, aber z.B. auch mit sonstigen Einrichtungen wie Seniorenheimen, Hospizen etc.
Welche Regelungen enthalten die Kooperationsverträge? Werden Sie durch die Teilhaberschaft automatisch Vertragspartner? Sind die Verträge schon länger nicht mehr überprüft und aktualisiert worden? Entsprechen Sie noch der aktuellen gelebten Praxis?

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Steven Ohle

Steven Ohle

Produktmarketing bei HDI Vertriebs AG

Steven Ohle ist bei der HDI Vertriebs AG in Hannover als Projektleiter für die Kooperation mit arzt-wirtschaft.de verantwortlich.

Seit 2018 betreut Steven Ohle die Berufsgruppen der Freien Berufe mit dem Schwerpunkt Ärzte und Gesundheitsfachberufe.

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