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Fristen für Krankschreibung nach telefonischer Konsultation gelten nur für Vertragsärzte


Krankschreibung

Was viele Patienten nicht wissen: Die Attestierung einer Arbeitsunfähigkeit (AU) ist in Deutschland auch durch Ärzte ohne Kassenzulassung möglich – und für die gelten bei der “Krankschreibung nach telefonischer Diagnose” bislang keinerlei Fristen. Einen Haken hat die Sache für Kassenpatienten aber trotzdem.

Wenn es um das Thema Krankschreibung von Arbeitnehmern geht, rücken vor allem Vertragsärzte in den Vordergrund. Was viele Patienten aber nicht wissen: Nicht nur sie, sondern auch privatärztlich tätige Ärzte, Honorarärzte, und auch angestellte Ärzte können Arbeitnehmern die Arbeitsunfähigkeit (AU) bescheinigen. Der Bundesverband der Honorarärzte möchte hier für mehr Transparenz sorgen und Patienten darüber informieren, dass “ein Besuch beim Kassenarzt und das Warten im u. U. vollen Wartezimmer” nicht zwingend notwendig ist, um das Dokument zu erhalten.

Honorarärzte haben mehr Spielraum

Die Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit ist ein ärztliches Attest, das nicht an die kassenärztliche (vertragsärztliche) Tätigkeit gebunden ist. Tatsächlich benötigt der ausstellende Arzt deshalb weder eine offizielle “Niederlassung” noch ist er an die Beschlüsse des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) gebunden. Auch eine von diesen Ärzten ausgestellte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist vom Arbeitgeber und vom Kostenträger zu akzeptieren.

Allerdings müssen die Kosten vom Patienten privat getragen werden, wenn er keinen Vertragsarzt in Anspruch nimmt. Die Gebühren halten sich allerdings in Grenzen und richten sich stets nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), die online eingesehen werden kann (u.a. www.e-bis.de/goae/defaultFrame.htm) (Ziffern 70 ff.). Bei einer privatärztlichen Konsultation fallen u. U. weitere Gebühren an, daher sollte man sich beim Nicht-Kassen-Arzt (“Privatarzt”) stets vorher über die Kosten erkundigen, die dieser nicht mit der gesetzlichen Krankenkasse abrechnen darf.

Worauf Ärzte achten sollten

Für Ärzte ist es durchaus empfehlenswert, dabei eine inhaltliche Orientierung an den Formularen für die vertragsärztliche Versorgung, die der Privatarzt 1:1 nicht verwenden darf, vorzunehmen. Verschiedene Fachverlage bieten z. B. AU-Bescheinigung in blauer Färbung an. Die Bescheinigung muss den Namen des erkrankten Arbeitnehmers sowie die Feststellung enthalten, dass der Arbeitnehmer arbeitsunfähig ist und seine berufliche Tätigkeit infolge seiner Erkrankung nicht erbringen kann. Aus der AU- Bescheinigung muss sich auch die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit ergeben.

Nicht Gegenstand der ärztlichen AU-Bescheinigung für den Arbeitgeber ist dagegen die Ursache der Erkrankung oder der Krankheitsbefund.

Auch wenn Ärzte ohne kassenärztliche Zulassung nicht an die Vorgaben des GBA gebunden sind und die dort vereinbarten Fristen für die “telefonische Krankschreibung” eigentlich ignorieren können: Vor allem aus haftungsrechtlichen Gründen sollte eine Krankschreibung niemals leichtfertig und ohne Kontakt mit dem Patienten durchgeführt werden. Ob sich der Arzt mit einer telefonischen Konsultation begnügt oder nicht, beibt aber am Ende ihm allein überlassen und kann beim Privatarzt nicht durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) vorgeschrieben werden.

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