Neue Krankenhauseinweisungs-Richtlinie

Krankenhauseinweisungs-Richtlinie: Fundamentale Folgen für Ärzte

Für Ärzte ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sie vor einer Krankenhauseinweisung zuerst alternative ambulante Behandlungsmöglichkeiten in Erwägung ziehen. Zukünftig genügt dieses grundsätzliche Verständnis aber bei weitem nicht mehr.

Trotz zahlreicher Gegenstimmen seitens der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und kritischen Stimmen aus der Ärzteschaft hat der Gemeinsame Bundesausschuss die Neufassung der Krankenhauseinweisungs-Richtlinie beschlossen. Nachdem sie im Bundesanzeiger veröffentlicht worden ist, tritt sie nun zeitnah in Kraft und hat für einweisende Ärzte fundamentale Folgen.

Diese könnten zukünftig für eine Krankenhauseinweisung wirtschaftlich haften, wenn eine – auch nur rein theoretische –ambulante Behandlungsalternative zur Einweisung bestanden hätte. Die niedergelassenen Ärzte trifft durch die Verschärfung der Richtlinie nunmehr eine umfangreiche Prüfpflicht.

Für alle Ärzte ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sie vor einer Krankenhauseinweisung zuerst alternative ambulante Behandlungsmöglichkeiten in Erwägung ziehen. Zukünftig genügt dieses grundsätzliche Verständnis aber nicht mehr.

Den Ärzten dürfte bisher völlig fremd sein, dass sie alle denkbaren zur stationären Einweisung möglichen ambulanten Alternativen heranziehen müssen. Dies ist umso verheerender, als sich die Prüfpflicht nicht nur auf die Behandlungsalternativen beschränkt, die den Ärzten präsent bekannt sind oder überhaupt von diesen aus medizinischer Sicht in Erwägung gezogen worden wären. Hätte irgendeine ambulante Behandlungsmethode objektiv bestanden – dem Arzt bekannt oder nicht bekannt – und wurde diese vom einweisenden Arzt nicht berücksichtigt, kann ihm dies im Rahmen einer Wirtschaftlichkeitsprüfung angekreidet werden und finanziell belastende Regresse nach sich ziehen.

Daher muss sich der Arzt künftig wohl auf ausführliche medizinische Recherche dahingehend begeben, ob und welche ambulanten Alternativen es zur geplanten Krankenhauseinweisung gibt. Um jegliches Risiko auszuräumen, wird der sicherste Weg wohl sein, die Einweisung in das Krankenhaus über den Umweg vom Hausarzt über zahlreiche Fachärzte erfolgen zu lassen. Letztere werden in ihrem jeweiligen Fachgebiet mögliche Alternativen ausschließen und zur Absicherung an den nächsten spezialisierten Facharzt überweisen. Dies geht zwangsläufig mit hohen zusätzlichen Kosten zu Lasten der jeweiligen Krankenkassen einher. Ob dieses Ergebnis von diesen tatsächlich so bedacht wurde, ist höchst fraglich.

Die eigentliche Intention der Verschärfung der Krankenhauseinweisungs-Richtlinie war, die vielen neuen ambulanten Angebote abzubilden und von der stationären Behandlung abzugrenzen. Dies mag verständlich sein, führt jedoch im Ergebnis neben den zusätzlichen finanziellen Belastungen für die Krankenkasse zu einem erheblichen Verwaltungsmehraufwand für die Ärzte.

Letzterer trägt im Rahmen der derzeitigen laufenden Diskussionen um lange Wartzeiten für Patienten sicherlich nicht dazu bei, dass sich diese verkürzen. Vielmehr erhöht sich der bürokratische Aufwand für die Ärzte und verringert sich die Zeit, die den Ärzten für die Versorgung der Patienten verbleibt.

Die Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Hessens, Frank Dastych und Dr. Günter Haas, sehen in der neuen Richtlinie außerdem eine „präventive Abschreckung“ für junge Ärzte, sich niederzulassen. Sie sagen: „Denn die Aussicht, sich im Rahmen von Wirtschaftlichkeitsprüfungen für etwaige Einweisungen verantworten zu müssen, dürfte auch den letzten klar denkenden Kollegen von einer Niederlassung abhalten.“

Ob angesichts dieser weiter anhaltenden Kritik die Krankenhauseinweisungs-Richtlinie in ihrer derzeit beschlossenen Fassung lange Bestand hält, wird abzuwarten sein. Bis dahin sind die Ärzte jedenfalls gut bedient vor einer Krankenhauseinweisung ihrer Prüfpflicht umfangreich nachzukommen und im Zweifel an einen Facharzt zu überverweisen, anstatt die Krankenhauseinweisung zu veranlassen.

Isabel Wildfeuer

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Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

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