Erbrecht

Gefährliche Flucht ins Paradies

Eine neue EU-Verordnung könnte Ärzten und deren Familien massive Probleme bereiten. Wer im Ausland arbeitet, seinen Ruhestand im sonnigen Paradies plant oder eine Ferienimmobilie außerhalb Deutschlands besitzt, muss mit dramatischen Nebenwirkungen rechnen.

Zu Hause ist es am schönsten? Für die meisten Deutschen trifft das noch immer zu. Sie leben und arbeiten in ihrer Heimat – und verbringen oft auch ihren Urlaub in bekannten Gefilden. Dennoch belegen aktuelle Studien den Trend, zeitweise oder sogar ganz ins Ausland zu ziehen.

Angehende Mediziner studieren in Übersee, junge Ärzte heuern in der Schweiz an, um vom eidgenössischen Gesundheitssystem zu profitieren – und auch ältere Kollegen werden zunehmend mobil. Nach Ende ihrer aktiven Zeit als Niedergelassener verbringen viele die trüben Wintermonate lieber unter Palmen als im heimischen Schmuddelwetter. Am liebsten in der eigenen Immobilie.

Quelle: Marktstudie Private Ferienimmobilien 2014 - FeWo direkt/Engel&Völkers

Quelle: Marktstudie Private Ferienimmobilien 2014 – FeWo direkt/Engel&Völkers

Wer Deutschland vorübergehend oder für immer verlässt, seine Familie aber dennoch gut absichern möchte, muss künftig umdenken. Der Grund: Ab dem 17. August  2015 greift bei Erbfällen mit Auslandsbezug eine neue EU-Erbrechtsverordnung. Sie gilt in allen Mitgliedsstaaten außer Dänemark, Großbritannien und Irland. Und sie bringt gerade für die Deutschen erhebliche Änderungen, auch die es frühzeitig zu reagieren gilt.

Arzt-Wirtschaft.de hat zusammengetragen, worauf reisefreudige Ärzte bei der Vermögensplanung künftig achten müssen.

Warum viele Testamente bald Makulatur werden könnten

Die neue EU-Verordnung bricht mit einem ehernen Prinzip des bisherigen deutschen Rechts, das besagte: Auch wenn ein deutscher Staatsangehöriger im Ausland lebt und stirbt, wird er grundsätzlich nach deutschem Recht beerbt. Ausnahmen gab es zwar, etwa wenn zum Nachlass auch Immobilien gehörten.  In diesen Fällen könnten auch fremde Rechtsordnungen zum Tragen kommen – je nachdem, in welchem Land Wohnung oder Haus gelegen waren.

Künftig wird hiesiges Recht bei Auslands-Deutschen jedoch nur noch zur Anwendung kommen, wenn diese – etwa in einem Testament – ausdrücklich dafür optiert haben (siehe nächste Seite): Die EU-Verordnung knüpft die Rechtsfolgen eines Erbfalls grundsätzlich an das Recht jenes Staates, in dem der Verstorbene zum Zeitpunkt seines Todes „seinen gewöhnlichen Aufenthalt hatte“. Das kann, muss aber nicht der gemeldete Wohnsitz des Verstorbenen sein. Ein Arzt, der seinen Lebensabend auf Mallorca verbracht hat, wird also in der Regel nach spanischem Recht beerbt. Dass sein Erstwohnsitz weiterhin Deutschland lag, ist dann unerheblich.

Vorsicht, Falle

Besonders tückisch: Ausländisches Recht gilt oft sogar dann, wenn der Verstorbene ein ausgefeiltes deutsches Testament hinterlassen und klare Anordnungen zur Verteilung seines Nachlasses getroffen hat. Der Grund: Nicht alle Rechtsinstrumente, die hierzulande gebräuchlich sind, werden auch im Ausland anerkannt. Das gilt vor allem für eine besonders beliebte deutsche Spezialität. Im sogenannten Berliner Testament setzen sich Eheleute gegenseitig zu Alleinerben ein – und enterben somit zunächst die Kinder, bevor diese dann, nach Versterben des zweiten Elternteils, den Rest des Nachlasses erhalten.

Diese Gestaltung wird im Ausland nicht ohne weiteres anerkannt. Statt der maßgeschneiderten, individuellen Vorgaben gelten dann die spanischen oder italienischen Erbrechts-Regeln – und die sichern den überlebenden Ehegatten oft ausgesprochen lausig ab.

So schaffen Sie Rechtssicherheit und vermeiden Steuernachteile

Ärzte, die einen längeren Auslandsaufenthalt planen, sei er nun beruflich oder privat, können sich und ihre Familien gegen unerwünschte Folgen der EU-Verordnung absichern. Dazu ist es allerdings unerlässlich, ein Testament zu erstellen und darin per „Rechtswahlklausel festzuschreiben, dass die eigene Staatsbürgerschaft auch weiterhin bestimmt, welches Erbrecht zur Anwendung kommt.

Gute Nachricht für alle, die bereits einen letzten Willen zu Papier gebracht haben: Selbst bestehende Testamente lassen sich im Normalfall um einen solchen Klausel ergänzen. Der Weg zum Notar – und die damit verbundenen Kosten sind bei beurkundeten Dokumenten allerdings unvermeidbar.

Bei größeren Vermögen ist eine Beratung durch den Fachmann zudem auch aus anderen Gründen anzuraten. Denn auch wenn die Novelle versucht, für (fast) alle EU-Bürger gleiche erbrechtliche Voraussetzungen zu schaffen: Die Erbschaftsteuer wird durch die Verordnung nicht harmonisiert. Das bedeutet: Jedes Land kann auch weiterhin seine eigenen Sätze erheben.

Da Doppelbesteuerungsabkommen nur in wenigen Fällen existieren, kann es sogar passieren, dass Erben in verschiedenen Ländern vom Fiskus zur Kasse gebeten werden. Eine frühzeitige steueroptimierte Gestaltung kann helfen, unnötige Zahlungen zu minimieren oder sogar zu vermeiden.

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