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Gesundheitsdaten: Auf einmal ist die Mehrheit bereit, sie für Forschungszwecke zu spenden


Corona-App

Die Einführung einer zentralen Gesundheitsdatenbank, bei der alle gesetzlich Versicherten ihre Daten pseudonymisiert für Forschungszwecke zur Verfügung stellen müssen, sorgte Ende vergangenen Jahres für Unmut. Nun hat die Pandemie die Sichtweise vieler Menschen verändert.

Der Datenschutz hat in Deutschland einen hohen Stellenwert. Viele Bürgerinnen und Bürger sind skeptisch, wenn es um die Verwendung ihrer persönlichen Daten geht. Doch die Corona-Pandemie hat hier einen Gesinnungswandel bewirkt – zumindest was die Gesundheitsdaten betrifft. Das brachte jetzt eine Umfrage der gemeinnützigen Organisation Data4Life, die digitale Lösungen entwickelt, ans Tageslicht. An der Umfrage nahmen 5002 Teilnehmer aus ganz Deutschland teil. Die Ergebnisse zeigen, dass knapp zwei Drittel der Befragten nun bereit sind, ihre Gesundheitsdaten für Forschungszwecke zur Verfügung zu stellen. Im September 2019 in einer Vergleichsstudie sah das noch ganz anders aus. Hier hatten lediglich 38 Prozent der Befragten zugestimmt, ihre Daten – wie zum Beispiel aus Gesundheitsapps – an unabhängige Forschungseinrichtungen weiterzugeben.

Hilfsbereitschaft für die Wissenschaft wächst

Die Corona-Krise hat die Menschen immer noch fest im Griff und die Bereitschaft, etwas gegen SARS-COV-2 zu unternehmen, erhöht sich auch bei den Bürgern deutlich. So würden 77 Prozent der Befragten ihre Gesundheitsdaten spenden, um das neuartige Coronavirus einzudämmen. 65 Prozent wären bereit mit ihren Daten Wissenschaftler bei der schnelleren Findung eines Impfstoffes zu unterstützen. Zudem befürworten etwas mehr als die Hälfte der Teilnehmer, dass ihre Gesundheitsdaten für die wissenschaftliche Erforschung von Früherkennungsmöglichkeiten von Pandemien verwendet werden. Das spiegelt laut der Studie auch den Wunsch der Bevölkerung wider, einer ähnlichen Situation wie der COVID-19-Gesundheitskrise zuvorzukommen. Interessant: Nur 40 Prozent der Befragten können es sich vorstellen, ihre Gesundheitsdaten zu spenden, damit einschränkende Corona-Maßnahmen gelockert werden.

„Die Bereitstellung von Gesundheitsdaten von Bürgerinnen und Bürgern für die medizinische Forschung kann diese signifikant beschleunigen und so die Gesundheitsversorgung deutlich verbessern”, kommentiert Prof. Erwin Böttinger, Leiter des Digital Health Centers am Potsdamer Hasso-Plattner-Institut, an dem auch die Organisation Data4Life entstanden ist, die Ergebnisse der Umfrage.

Datenspende von Infos über Husten bis chronische Erkrankungen

Die Mehrheit der Umfrageteilnehmer, die ihre Daten spenden würden, wäre bereit Informationen über akute Beschwerden wie Husten und Fieber (hier 68 Prozent) und Informationen zum Standort (knapp über 60 Prozent) preiszugeben. Etwas mehr als die Hälfte würden auch die Daten der Abstandsmessungen über Bluetooth offenlegen. 47 Prozent der Befragten würden sogar Informationen über bereits bestehende Erkrankungen weitergeben.

Zudem ergab die Umfrage, dass Menschen mit Kindern im Haushalt weniger offen für die Weitergabe ihrer persönlichen Gesundheitsdaten waren. So hätten 72 Prozent der Teilnehmer, die keine Kinder im Haushalt hatten, ihre Daten für die SARS-CoV2-Forschung gespendet. Wohingegen dazu nur 63 Prozent der Befragten, die Kinder im Haushalt hatten, bereit waren.

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