Konsequente Linie

Gesundheitsschutz für Team und Patienten: Experte für Qualitätsmanagement gibt Tipps aus der Praxis

Hygiene hat in der Arztpraxis von Haus aus einen hohen Stellenwert. Da die Gefahr, sich mit Covid-19 zu infizieren, in Gesundheitsberufen besonders hoch ist, ergreifen viele derzeit zusätzliche Hygienemaßnahmen, um sich selbst und die Patienten bestmöglich vor einer Ansteckung zu schützen. Dr. Matthias Frank, Hausarzt und Referent für Qualitätsmanagement beim PKV Institut, gibt einen Einblick in das aktuelle Hygienemanagement seiner Praxis.

Im Moment ist der Allgemeinmediziner, der seit mehr als 20 Jahren eine Praxis in Karlsruhe betreibt, sehr viel auf Hausbesuchen: „Viele Patienten haben Angst, sich anzustecken“, sagt Frank. Er tritt nur mit Schutzkleidung ein, auch wenn beim Patienten kein Verdacht auf Corona besteht. „Wir müssen uns selbst und unsere Patienten jetzt bestmöglich schützen.“

Seine Schutzausrüstung für Hausbesuche besteht aus Einmalkittel, Häubchen, Maske und einem Gesichtsschutz mit Folie: Die Qualitätsma-nagementbeauftragte der Praxis hat auf eigene Faust recherchiert und eine Firma gefunden, die die Stirnhalterung für den Gesichtsschutz mit 3-D-Drucker produziert. Herkömmliche Klarsichtfolien werden gelocht und an der Halterung befestigt: „Man muss kreativ sein und sich umhören. Viele Menschen unterstützen Arztpraxen in dieser Zeit mit ihrem technischen Know-how.“ In seiner Praxis in Karlsruhe war die Schutzausrüstung zu keinem Zeitpunkt knapp, auch weil das Team sich frühzeitig eingedeckt hatte. Eine Lieferung von 60 Masken und Einmalkitteln durch die kassenärztliche Vereinigung vor Kurzem sei aber genau zur rechten Zeit gekommen: „So langsam geht uns das Material aus.“

Systematische Trennung der Räumlichkeiten

Zusätzlich zum regulären Hygieneplan wurden zahlreiche neue Maßnahmen eingeführt. Als eine der wichtigsten Maximen gilt es zu verhindern, dass ein Corona-Infizierter in die Praxis kommen kann: Die Praxistür ist deswegen geschlossen, Patienten müssen läuten und – sofern sie keinen Termin haben – über die Gegensprechanlage erklären, warum sie in die Praxis möchten. Liegt ein Infekt vor, wird der Patient nach Hause geschickt. Im anschließenden Telefonat wird dann geklärt, ob ein Corona-Test angezeigt ist: „Den Abstrich mache ich dann aber außerhalb der Praxis.“

Beim Abstrich tragen Arzt und assistierende MFA eine umfangreiche Schutzausrüstung mit Gesichtsschutz und Haube. In der Praxis wurde ein eigenes Sprechzimmer mit separatem Eingang eingerichtet, auch zeitlich ist die Sprechstunde für Infektpatienten so gelegt, dass etwa Begegnungen zwischen Corona-Verdachtsfällen und allen anderen Patienten möglichst vermieden werden: Die Infektpatienten kommen erst abends, nach Ende der regulären Sprechzeit, über den separaten Eingang ins Infektsprechzimmer. Der Raum wird nach jedem Patienten gründlich desinfiziert.

Mit konsequenter Linie sich selbst und andere schützen

Menschen gehen individuell unterschiedlich mit der Ansteckungsgefahr um. Manche finden die Maßnahmen gegen Corona übertrieben, einige weigern sich sogar, eine Maske zu tragen. Wer ohne Maske in die Praxis eintritt, dem wird an der Rezeption sofort eine Maske zur Verfügung gestellt. Hier desinfiziert sich auch jeder Patient direkt die Hände. „Wir fahren da eine ganz konsequente Linie, um uns und unsere Patienten zu schützen“, sagt Dr. Frank: „Wer keine Maske trägt oder sich die Hände nicht desinfiziert, kommt nicht in die Sprechstunde und muss die Praxis sofort verlassen.“

An der Rezeption steht ein Spuckschutz, alle vier MFAs tragen zusätzlich FFP-2-Masken. Bevor sie zum Patienten gehen, waschen und desinfizieren sie sich die Hände und ziehen Handschuhe an. Es ist zudem sichergestellt, dass jeder weiß, wie man sich die Handschuhe richtig auszieht, damit man sich nicht selbst anstecken kann.

Auch das Wartezimmer der Praxis sieht zur Zeit anders aus als sonst: Hier darf momentan maximal ein Patient anwesend sein, und sämtliche Zeitschriften wurden entfernt: „Deutschland hat die erste Coronawelle relativ gut überstanden. Doch das Virus ist noch lange nicht aus der Welt. Beispielsweise Patienten mit chronischen Erkrankungen, die nach Lockerung der Corona-Schutzmaßnahmen nun wieder in die Arztpraxen kommen, sind weiterhin einem besonderen Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Hygiene ist deshalb weiterhin unser oberstes Gebot.“

Der PKV-Experte für Qualitätsmanagement Dr. Matthias Frank ist Hausarzt in Karlsruhe und hatte seine Praxis während der Pandemie durchgehend geöffnet. Bekannt wurde er einem bundesweiten Publikum als Autor, Referent und Youtuber (Naturmedizin2go)

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