Healthcare Value Indicator

Gesundheitssysteme sollen entlastet werden

Weltweit stehen die Gesundheitssysteme unter Druck: Gefordert sind Veränderungen, die das Patientenerlebnis und den Behandlungserfolg verbessern. In diesem Gastbeitrag untersucht Kai-Otto Landwehr, Leiter des Commercial Geschäfts der Siemens Financial Services GmbH und Vorsitzender der Geschäftsführung der Siemens Finance & Leasing GmbH von Siemens Financial Services (SFS), den „Healthcare Value Indicator“ von Gesundheitssystemen in aller Welt und stellt Erkenntnisse zum geschätzten Anlagevermögen vor, das derzeit in der Geräte- und Technologieanschaffung gebunden ist, stattdessen jedoch für die Finanzierung betrieblicher Anforderungen genutzt werden könnte.

Gesundheitssysteme in aller Welt stehen unter Druck. Die Menschen leben immer länger, und vom Gesundheitswesen wird eine immer bessere Versorgung von immer mehr Patienten erwartet. Gefordert sind Veränderungen, die das Patientenerlebnis und den Behandlungserfolg insgesamt verbessern. Daher prüfen viele Entscheidungsträger und Gesundheitseinrichtungen derzeit die Effizienz und Effektivität ihrer Healthcare-Ressourcen, die Nachfrage nach diesen Ressourcen sowie die Ergebnisse, die diese erzielen.

Gesundheitssysteme unter Druck

In Europa stehen öffentlich finanzierte Gesundheitssysteme unter dem Druck, Ausgaben zu senken und Behandlungserfolge zu verbessern – also Effizienz und Effektivität zu steigern und so zu einer gesünderen Gesellschaft beizutragen.

Die angemessene Finanzierung des Gesundheitswesens ist entscheidend, um den Reform- und Entwicklungsdruck zu mindern. Doch der Zahlungsbereitschaft der Steuerzahler sind Grenzen gesetzt – und damit auch der Zahlungsfähigkeit des Staates. Der Anteil des Bruttoinlandprodukts (BIP), der für das Gesundheitswesen ausgegeben wird, spielt eine wesentliche Rolle. Ebenso wichtig sind jedoch die Effizienz und Effektivität, mit der diese Gelder eingesetzt werden. Finanzverantwortliche im Gesundheitswesen versuchen daher inzwischen, nicht nur die Effizienz von Behandlungsmethoden zu messen, sondern auch die Ergebnisse, die diese Behandlungen für Patienten erzielen.1

Aktuelle Studie

Eine neue Studie mit dem Titel “Gesundheitssysteme entlasten” von Siemens Financial Services untersucht den Nettodruck, dem Gesundheitssysteme in 14 Ländern ausgesetzt sind, sowie die Relation zwischen Nachfrage und verfügbaren Ressourcen im Gesundheitswesen. Diese Faktoren werden dann zu den erzielten Behandlungserfolgen und dem „Healthcare Value Indicator“ (dem von einem Gesundheitssystem gelieferten Wert) in Beziehung gesetzt.

Die Ergebnisse zeigen, dass Frankreich derzeit den besten „Healthcare Value Indicator“ erzielt, dicht gefolgt von den skandinavischen Ländern. Andere europäische Staaten – Großbritannien, Deutschland, Spanien – erzielen überdurchschnittliche Werte.

Healthcare Value Indicator

Bessere Behandlungsergebnisse

Zugang zu den neuesten Technologien und Geräten – und dies sind zunehmend digitalisierte Systeme – kann zu besseren Behandlungsergebnissen beitragen.2 Dem neuesten Stand der Technik entsprechende Ausrüstungen sind äußerst wichtig, weil sie die medizinische und pflegerische Versorgung optimieren und so das Gesundheitssystem entlasten. Zu Beispielen zählen ultrapräzise chirurgische Roboter3, hochdetaillierte medizinische Bildgebung für frühzeitige Diagnose4 , patientennahe Diagnostik für schnellere Triagierung5, Laborautomatisierung zur Verbesserung von Testdurchlaufzeiten, automatische Medikamentenausgabe zur Vermeidung von Medikationsfehlern6 sowie Telemedizin für besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung.7 

Zugang zu Technologien der nächsten Generation ist jedoch oft ein echtes Problem für Gesundheitssysteme, die mit der Eindämmung und Optimierung von Betriebskosten sowie der Verbesserung von Behandlungserfolgen zu kämpfen haben. Daher versuchen Gesundheitssysteme in aller Welt zunehmend, zumindest einen Teil ihres Kapitalbedarfs durch alternative Finanzierungslösungen zu decken.8

Alternative Finanzierungslösungen

Die Nutzung von alternativen Finanzierungslösungen kann Kapital freisetzen, das andernfalls an den Erwerb von Investitionsgütern gebunden wäre. Diese Gelder können dann für dringliche betriebliche Anforderungen verwendet werden, die darauf ausgerichtet sind, die Behandlungserfolge kurz- und mittelfristig zu verbessern.

SFS schätzt das Kapitalvolumen, das aus Geräte- und Technologieanschaffungen freigesetzt und für dringlicheren betrieblichen Finanzierungsbedarf genutzt werden könnte, wie folgt:

 

Gebundenes Kapital Schätzung 2017 (Mrd. USD)
 USA 34,78
China 16,53
Indien 1,3
Frankreich 3,68
Deutschland 6,47
Polen 0,61
Russland 1,2
Skandinavien 1,56
Spanien 1,39
Türkei 0,77
Großbritannien 1,89

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Finanzierungslösungen für neue Technologien

Spezialisierte Finanzierungslösungen wie Technologie-Upgrades auf Pay-for-Outcome-Basis und Übergangsfinanzierung werden von Gesundheitseinrichtungen daher zunehmend als Möglichkeit für kosteneffektive Investitionen in neue Technologien gesehen. Derartige Finanzierungslösungen verteilen die Kosten einer technologischen Anschaffung über einen vereinbarten Finanzierungszeitraum, wobei die Zahlungen auf den erwarteten Nutzen der Technologie – beispielsweise bessere betriebliche Effizienz – über diesen Zeitraum zugeschnitten sind.

Diese maßgeschneiderten Finanzierungspakete werden normalerweise von Geldgebern angeboten, die sich auf das Gesundheitswesen spezialisieren und umfassende Kenntnisse zur Medizintechnologie und ihren Anwendungen besitzen. Sie verstehen die tiefgreifende Auswirkung, die neue Technologien auf die alltäglichen Betriebsabläufe haben können, und sind in der Lage, die damit verbundenen Risiken zu beurteilen. Diese Anbieter sind daher geneigter und fähiger, individuelle Finanzierungspakete zu schnüren, die den spezifischen Anforderungen einer Einrichtung entsprechen – beispielsweise durch flexible Finanzierungszeiträume, die den Cashflow-Bedarf des Kunden berücksichtigen. Dies steht im Gegensatz zu den üblichen Finanzierungsbedingungen von nicht spezialisierten Trägern, denen umfassende Kenntnisse von Technologie und Gesundheitswesen fehlen. 

Einrichtungen des Gesundheitswesens weltweit haben jetzt die Chance, ihren eigenen Bestand an gebundenem Kapital zu prüfen und zu ermitteln, wie viel davon freigesetzt werden könnte, um Behandlungserfolge und Wertschöpfung zu unterstützen.


1Deloitte, 2018 Global health care outlook: The evolution of smart health care, 12. Jan. 2018
2HealIT.gov, Improved diagnostics and patient outcomes, 12. Okt. 2017; Physiotherapy Journal, The clinical use of assisted technology to maximise patient outcomes, Nov. 2016; International Journal of Nursing Sciences, Mobile technology for health care in rural China, Sep. 2014; Moscow Times, Digital Technology will Move Russia Forward, 5. Feb. 2018; et al.
3Lakeview Regional Medical Center, Lakeview Regional Improving Patient Outcomes With Investment in New Robotic Surgery Technology, 8. Aug. 2017
4Zum Beispiel: Zhu H., Zhang L., Wang Y., Hamal P., You X., Mao H. et al., Improved image quality and diagnostic potential using ultra-high-resolution computed tomography of the lung with small scan FOV: A prospective study, 2017, PLoS ONE 12(2): e0172688. doi:10.1371/journal.pone.0172688; Scottish Funding Council, New medical imaging technology has potential for earlier diagnosis, 27. Mai 2017
5S. K. Vashist, Pont-of-care Diagnostics – Recent Advances and Trends, Biosensors (Basel)v.7(4) 2017 Dez.
6Z. Ahmed, S. Garfield, Y. Jani, S. Jheeta, B. Dean Franklin, Impact of electronic prescribing on patient safety in hospitals: implications for the UK, Clinical Pharmacist, 5. Mai 2016
7Regierung Indiens – Ministerium für Gesundheit, Familie, E-Health und Telemedizin, (verschiedene Veröffentlichungstermine)
8PwC, Depleting resources adding pressure to healthcare, 2018; Weltbank – Multilateral Development Bank Group, Mobilization of Private Finance 2017; European Scientific Journal, Public Private Partnership in the Provision of Health Services for the Millennium Development Goals, Okt. 2016; The Economist, How and when to use private money in infrastructure projects, 22. Apr. 2017; BSR, Innovative Finance to Expand Access to Healthcare, 7. Sep. 2017; Institute for Global Health Sciences/PwC, PPPs in healthcare – models, lessons and trends for the future, 2018; NHS Providers, The state of the NHS provider sector, Nov. 2016; Polnisches Ministerium für Wirtschaftsentwicklung, The government policy for the development of PPPs (Poland), Juli 2017; International Finance Corporation, Strategy and Business Outlook Update FY19-FY21, 12. April 2018

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Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

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