3,7 Prozent mehr für vertragsärztliche Vergütung

GKV: Überschuss von 600 Millionen Euro erwirtschaftet

Die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) haben im 1. Halbjahr 2016 trotz steigender Ausgaben einen Überschuss von 598 Millionen Euro erwirtschaftet. Im Bereich der vertragsärztlichen Vergütung stiegen die Ausgaben je Versicherten um rund 3,7 Prozent an.  Das hat das Bundesministerium für Gesundheit mitgeteilt.

Einnahmen in Höhe von rund 111,6 Milliarden Euro standen nach den vorläufigen Finanzergebnissen des 1. Halbjahres 2016 Ausgaben von rund 111 Milliarden Euro gegenüber. Dabei verzeichneten sämtliche Kassenarten ein positives Ergebnis. Im 1. Halbjahr 2015 hatten die Krankenkassen noch ein Defizit von 491 Millionen Euro ausgewiesen. Das Finanzergebnis der Krankenkassen hat sich damit im Vergleich zu den ersten 6 Monaten des vergangenen Jahres um rund 1,1 Milliarden Euro verbessert. Die Finanzreserven der Krankenkassen liegen nunmehr bei 15,1 Milliarden Euro.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe: „Mit Reserven von über 15 Milliarden Euro hat sich die Finanzsituation der gesetzlichen Krankenversicherung im Verlauf des ersten Halbjahres 2016 weiter verbessert. Unser Gesundheitswesen steht finanziell auf einem sicheren Fundament. Notwendige Leistungsverbesserungen sind mit Augenmaß geschehen. Zudem tragen Strukturverbesserungen, wie etwa bei den Krankenhäusern und durch das Präventionsgesetz, zur nachhaltigen Finanzierbarkeit unseres Gesundheitswesens bei. Hier zeigt sich unsere sorgfältig abwägende Gesundheitspolitik, die Einnahmen und Ausgaben zugleich im Blick behält.“

Finanzentwicklung nach Krankenkassenarten

Die Ersatzkassen verzeichneten einen Überschuss von rund 316 Millionen Euro, die AOKen von 125 Millionen Euro, die BKKen von 40 Millionen Euro, die IKKen von 21 Millionen Euro, die Knappschaft-Bahn-See von 84 Millionen Euro und die landwirtschaftliche Krankenversicherung von 12 Millionen Euro.

Moderate Ausgabenzuwächse

Je Versicherten gab es im 1. Halbjahr 2016 einen Ausgabenzuwachs von 3,2 Prozent; im 1. Halbjahr 2015 hatte der Zuwachs noch bei 3,9 Prozent, im Gesamtjahr 2015 bei 3,7 Prozent gelegen. Die Leistungsausgaben stiegen um 3,1 Prozent je Versicherten, die Verwaltungskosten um 4,5 Prozent. Deutlich steigende Versichertenzahlen haben dazu beigetragen, dass die Ausgabenzuwächse je Versicherten um rund 0,9 Prozentpunkte niedriger ausgefallen sind als die absoluten Ausgabenzuwächse.

Entwicklungen in den einzelnen Leistungsbereichen

Nach Zuwächsen von 9,4 Prozent je Versicherten in 2014 und rund 4 Prozent in 2015 sind die Arzneimittelausgaben der Krankenkassen im 1.Halbjahr 2016 je Versicherten um 3,0 Prozent gestiegen. Dies entspricht einem absoluten Zuwachs von 0,67 Milliarden Euro (3,9 Prozent). Bei den aktuellen Ausgabenzuwächsen ist zu berücksichtigen, dass die Ausgaben für innovative Arzneimittel zur Behandlung der Hepatitis C in den ersten sechs Monaten 2016 im Vergleich zum 1. Halbjahr 2015 um knapp 300 Millionen Euro niedriger ausfielen. Durch Rabattvereinbarungen mit pharmazeutischen Unternehmern wurden die Krankenkassen weiterhin deutlich entlastet. Die Rabatterlöse sind im 1. Halbjahr 2016 um knapp 10 Prozent gegenüber dem 1. Halbjahr 2015 auf rund 1,81 Milliarden Euro gestiegen.

3,7 Prozent mehr für vertragsärztliche Vergütung

Im Bereich der vertragsärztlichen Vergütung, sprich der Arzt-Honorare, stiegen die Ausgaben je Versicherten um rund 3,7 Prozent (absolut um rund 4,6 Prozent bzw. 0,81 Milliarden Euro) an. Die Ausgaben für ambulante psychotherapeutische Versorgung stiegen gegenüber dem 1. Halbjahr des Vorjahres um rund 125 Millionen Euro (14,3 Prozent), die Ausgaben für Hochschulambulanzen um rund 75 Millionen Euro (31,5 Prozent).

Bei den Ausgaben für zahnärztliche Behandlung betrug der Anstieg je Versicherten 2,6 Prozent (absolut 3,5 Prozent); beim Zahnersatz gab es je Versicherten einen geringen Rückgang von -0,5 Prozent und einen geringen absoluten Zuwachs von 0,4 Prozent. Da bei den Krankenkassen für das 1. Halbjahr in diesen Leistungsbereichen noch keine Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen vorliegen, haben die ausgewiesenen Veränderungsraten ausschließlich Schätzcharakter und lassen nur begrenzte Schlüsse auf die Ausgabenentwicklung im Gesamtjahr zu.

Die Ausgaben für Krankenhausbehandlung stiegen im 1. Halbjahr 2016 je Versicherten um 2,4 Prozent (absolut um 3,3 Prozent). Insgesamt erhielten die Krankenhäuser hierdurch allein von den gesetzlichen Krankenkassen in den Monaten Januar bis Juni rund 1,2 Milliarden Euro höhere Finanzmittel als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Buchungsumstellungen bei einer großen Krankenkasse zu Jahresbeginn haben dazu beigetragen, dass die Zuwachsrate insbesondere bei den Krankenhausausgaben ab dem 1. Quartal vergleichsweise niedrig ausgefallen ist, jedoch im weiteren Jahresverlauf noch höher ausfallen wird. Außerdem konnten die insbesondere mit dem Krankenhausstrukturgesetz verbundenen Verbesserungen bei der Finanzierung der Krankenhäuser im 1. Halbjahr bisher nur zu einem Teil finanzwirksam werden.

Beim Krankengeld sind nach mehreren Jahren mit hohen zum Teil zweistelligen Zuwächsen die Ausgaben mit einer Veränderungsrate von rund 3,6 Prozent je Versicherten (plus 4,5 Prozent absolut) vergleichsweise moderat gestiegen.

Bei den Ausgaben für Präventionsleistungen verzeichneten die Krankenkassen einen Zuwachs von rund 157 auf rund 224 Millionen Euro (rund 42 Prozent).

Die deutlichen Zuwächse bei den Ausgaben für die Hospiz- (rund 12 Prozent) und Palliativversorgung (rund 25 Prozent) sind dem im vergangenen Jahr verabschiedeten Hospiz- und Palliativgesetz zu verdanken, damit wurde eine wichtige Weichenstellungen zur Verbesserung der Versorgung vorgenommen.

Die Netto-Verwaltungskosten der Krankenkassen sind im 1. Halbjahr 2016 mit 4,5 Prozent je Versicherten (5,5 Prozent absolut) stärker gestiegen als die Leistungsausgaben. Der Grund: Viele Krankenkassen haben deutlich stärkere Rücklagen für die Altersversorgung ihrer Beschäftigten gebildet haben als in den ersten 6 Monaten des vergangenen Jahres. Grundsätzlich bleiben die Krankenkassen im Bereich der Verwaltungskosten aber gefordert, sparsam mit den Beitragsmitteln der Versicherten umzugehen.

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