Gastbeitrag von Dr. Marc-Oliver Lux

Gold schwankt sich zur Hochform

Das gelbe Metall ist ein Klassiker zur Vorsorge für Krisenzeiten. Kein Wunder also, dass im Zuge der Ausbreitung des Coronavirus die Nachfrage der Investoren nach Gold hochging. Was Finanzexperte Dr. Marc-Oliver Lux* meint, lesen Sie hier.

Die hohe Nachfrage der langfristig orientierten Anleger ist ein entscheidender Treiber für den Goldpreis. So übertraf der Preis pro Feinunze (31,1 Gramm) erstmals seit Ende 2012 wieder die Marke von 1.700 US-Dollar und hat sich zunächst in dieser Region etabliert.

Goldpreis profitiert von der Krise

Die Nachfrage nach der Krisenwährung Gold zeigt sich besonders in den Beständen der Gold-Indexfonds (ETFs). Seit Anfang März wuchs der Bestand der von der Nachrichtenagentur Bloomberg verfolgten Gold-ETFs um 53 Tonnen. Ihr Gesamtvolumen bewegt sich mit 2.700 Tonnen auf Rekordniveau. Seit Jahresbeginn ist in die Produkte bereits mehr als die Hälfte der Summe geflossen, die im gesamten Jahr 2019 auflief.

Der Goldpreis profitiert in der Virus-Zeit von der Suche der Investoren nach sicheren Häfen und von der Geldpolitik. Um die Wirtschaft zu stützen, haben die Notenbanken weltweit damit begonnen, ihre Leitzinsen zu senken. Niedrige Zinsen beflügeln traditionell den Goldpreis, denn im direkten Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren sinken die Opportunitätskosten. Das Edelmetall zahlt schließlich keine Zinsen. Dieser Nachteil fällt somit geringer aus. In Zeiten von Negativzinsen wird es sogar zu einem Vorteil, denn Gold kostet auch keine Zinsen. Das anhaltende Niedrigzinsniveau gilt als einer der Haupttreiber der Goldhausse, die den Preis schon 2019 um fast 19 Prozent steigen ließ.

Die Pandemie wirkt sich auch negativ auf den Preis aus

Die Virus-Krise bremst den Goldpreis allerdings auch. Insbesondere in Asien ist die Nachfrage nach physischem Gold eingebrochen. Viele Juweliere hatten ihre Geschäfte geschlossen, potenzielle Gold-Käufer verließen aus Angst vor Ansteckung ihre Wohnung nicht. Die indischen Goldimporte sind im Februar im Vergleich zum Vorjahr um 44 Prozent zurückgegangen, nachdem sie sich bereits im Januar mehr als halbiert hatten. China und Indien machen zusammen über die Hälfte der weltweiten Gold-Nachfrage aus. Der hohe Goldpreis in lokaler Währung verstärkt ebenfalls die Zurückhaltung der Käufer. Weiterhin dürfte der Einbruch der Aktienmärkte im Februar/März viele Anleger unter Druck gesetzt und damit zu Zwangsverkäufen bei Gold geführt haben. So wurden anderweitige Verluste ausgeglichen oder Nachschusspflichten erfüllt.

Wer sich in Gold engagieren möchte, sollte sich bewusst sein, dass das Edelmetall aktuell hohen Schwankungen unterliegt. Seine Volatilität stieg in den vergangenen Tagen auf den höchsten Stand seit vier Jahren. Im Zuge des Börsen-Crashs geriet an einigen Tagen auch Gold unter die Räder und verlor deutlich. Die negative Korrelation, die häufig zwischen Aktien und Gold besteht, galt in den vergangenen Wochen nur eingeschränkt. Bestes Beispiel: Als die EZB-Chefin Christine Lagarde kürzlich über die Maßnahmen der Europäischen Zentralbank informierte, brachen Aktien und Gold gleichzeitig ein. Die Anleger hatten von den europäischen Währungshütern offensichtlich kraftvollere Maßnahmen erwartet, um die Auswirkung der Pandemie auf die Wirtschaft abzumildern. Momentan reagiert selbst Gold nervös auf Marktereignisse.

*Der Autor: Dr. Marc-Oliver Lux ist Geschäftsführer der Dr. Lux & Präuner GmbH in München.

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