Hier brauchen Anleger starke Nerven

Goldminen-Aktien: Vor der großen Wende?

Goldminen-Aktien sind nichts für Angsthasen: Wer bei den Metallschürfern einsteigt, braucht wegen des starken Auf und Abs der Kurse gute Nerven. Gleichwohl kann es sich lohnen, jetzt etwas Geld in einen Branchenfonds zu stecken. Denn: Die Kurse der Minenaktien haben ihren Abwärtstrend, der 2012 begann, überwunden und sind in großen Schritten auf dem Weg nach oben. Zudem stehen viele Unternehmen deutlich besser da als vor der Branchenkrise.

Verglichen mit der Kursentwicklung von Minenaktien sieht der „normale“ Aktienmarkt aus wie ein Kaffeekränzchen. Von 2008 bis 2011 hat der VanEck Vectors Gold Miners ETF über 300 Prozent zugelegt – um im Anschluss daran bis Ende 2015 rund 80 Prozent an Wert zu verlieren. Seither ist der Indexfonds mit den wichtigsten Unternehmen der Branche wieder auf dem Weg nach oben: Vom 2015er-Tief aus betrachtet, steht er knapp 80 Prozent im Plus. Noch kräftiger war der Anstieg bei dem ETF, der auf Unternehmen setzt, die neue Minen erschließen: Der Van Eck Vectors Junior Gold Miners hat in dieser Zeit 110 Prozent gewonnen.

Kaum bemerkt: 110 % Plus in einem Jahr

Bemerkt haben diese Kursexplosion aber nur wenige Anleger. Der Grund: „Nach dem Bärenmarkt von 2012 bis 2015 interessiert sich kaum jemand für Goldminen. Und wer es tut, der traut dem jüngsten Anstieg nicht recht über den Weg und hält sich zurück“, erklärt Lothar Koch von der GSAM + Spee Asset Management AG in Langballig. Doch das dürfte ein Fehler sein, wie die Kursentwicklung seit 2016 zeigt: „Die Goldminen haben ihren Abwärtstrend, der 2012 begann, definitiv beendet und dürften in den nächsten Monaten vor weiteren Zugewinnen stehen“, so die Einschätzung des Vermögensverwalters. Angesichts der starken Dynamik bei Minenaktien seien Zugewinne von 100 Prozent und mehr durchaus möglich.

Branche hat Hausaufgaben gemacht

Auch Katrin Lisok von der Kieler Niederlassung der Bayerische Vermögen AG ist für Minenaktien positiv gestimmt. „Die Branche hat während des Kursverfalls der Edelmetalle ihre Hausaufgaben gemacht. Mit Kostensenkungen und Verkäufen von Vermögenswerten haben die Gesellschaften ihre operative Basis klar verbessert; viele Unternehmen haben eine weit bessere Finanzstruktur als 2011“, so die Vermögensverwalterin. Weiterer Effekt des langjährigen Bärenmarkts: Viele Goldschürfer sind nun günstig bewertet.

Junior Miners schwanken enorm

Der wichtigste Faktor aber bleibt die Entwicklung des Goldpreises – die Minenaktien stellen darauf quasi einen Hebel dar. Am größten ist der Hebel bei jungen, kleinen Minenbetreibern (Junior Gold Miners) wie Iamgold Corp oder Kirklake Gold. Stoßen solche Unternehmen auf neue Vorkommen, steigert das den Firmenwert erheblich. Scheitert ein kostenintensives Projekt jedoch, kann das im schlimmsten Fall zur Firmenpleite führen. Ruhiger, aber noch immer sehr volatil geht es bei den etablierten Gold Miners wie Barrick Gold und Newmont Mining zu. Lisoks Ratschlag: „Anleger sollten, wenn überhaupt, nur bei den Branchengrößen auf Einzelaktien setzen. Ansonsten ist ein Fonds bzw. Indexfonds auf jeden Fall die bessere Wahl.“ (siehe auch Interview auf der nächsten Seite)

Gold vor neuem Aufwärtsschub?

Gold ist in den Jahren 2000 bis 2011 von 250 auf 1.900 Dollar gestiegen. Mit dem Rückgang auf gut 1.000 Dollar im Jahr 2015 hat es die Hälfte dieses Zuwachses korrigiert – „das ist für eine solche Hausse absolut normal“, erklärt Koch. Dem Goldpreis traut der Vermögensverwalter einiges zu: „Der Anstieg auf 1.400 Dollar im Jahr 2016 hat den vierjährigen Abwärtstrend definitiv beendet. Spätestens wenn der Preis diese Marke überschreitet, wird augenfällig, dass Gold seinen langfristigen Aufwärtstrend wieder aufgenommen hat.“ In diesem Fall dürfte die Edelmetall-Hausse nach Kochs Worten wieder an Fahrt gewinnen.

Wegen der Hebelwirkung auf Gold sollten Anleger Minenaktien nur in kleinen Dosen nutzen. Ein Drittel des Edelmetall-Anteils im Depot empfiehlt sich als Obergrenze, so Katrin Lisok. Konkret: „Wer 15 Prozent in Edelmetalle angelegt hat, sollte höchstens fünf Prozent in einen Minenfonds stecken“, so die Vermögensverwalterin.

 

Interview mit Lothar Koch, GSAM + Spee Asset Management

„Einzelne Minenaktien sind extrem heiße Eisen!“

Herr Koch, Sie raten von einem Investment in einzelne Goldminen-Aktien ab. Warum?

Lothar Koch: Einzelinvestments sind in der Regel viel zu spekulativ und bergen das Risiko eines Totalverlusts. Das kann man vermeiden, wenn man auf einen Fonds setzt, der Dutzende solcher Unternehmen im Portfolio hat.

Was ist sinnvoller: ein aktiv verwalteter Fonds oder ein Indexfonds?

Aktive Fonds können den Index schlagen, aber die Manager können bei der Auswahl der Titel auch kräftig daneben liegen. Auf jeden Fall sind die Gebühren höher als bei den Indexfonds, die jeweils um die 50 Unternehmen enthalten.

Mit welchen täglichen Schwankungen müssen Anleger bei solchen Indexfonds rechnen?

Die letzten Tage zeigen deutlich die hohe Schwankung. Der Junior Gold Miners verlor Ende Februar an nur einem Tag 10 %, Mitte März ging es mehrmals 5 % und dann 11 % nach oben. Bei Einzelaktien können diese Spannen noch größer sein.

Minen-Aktien

Starker Hebel auf den Goldpreis

Die Gewinne der Goldminen besitzen einen Hebel auf den Goldpreis. Deswegen reagieren ihre Aktienkurse auch (sehr) stark auf Veränderungen beim Preis des Edelmetalls. Ein Beispiel: Von Januar bis August stieg der Goldpreis in Dollar um 12 %, der NYSE Arca Gold Bugs-Index stieg um 30 %. Bei einzelnen Unternehmen kann die Hebelwirkung noch viel größer ausfallen. Dies gilt erst recht für Unternehmen, die sich auf die Erschließung neuer Minen konzentrieren (Junior Gold Miners). Die Aktie der kanadischen Iamgold etwa verfünffachte sich in diesen acht Monaten in ihrem Wert. Ebenso heftig kann es aber auch nach unten gehen: 2011 notierte Iamgold noch bei 22 Dollar, Ende 2015 war sie nur 1,15 Dollar wert!

Indexfonds

Mit diesen ETFs schürfen Sie günstig nach Gold *

ETF Volumen Gebühr  ISIN
VanEck Vectors Junior Gold Miners    57 Mio. 0,55 % IE00BQQP9G91
VanEck Vectors Gold Miners 102 Mio. 0,55 % IE00BQQP9F84
iShares Gold Producers  369 Mio.  0,55 % IE00B6R52036
UBS Solactive Global Pure Gold Miners 34 Mio. 0,43 % IE00B7KMNP07

* nur ETFs, die alle Aktien physisch erwerben (keine Swap-Produkte)/
Quelle: http://justetf.comcom

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