Versicherung

Grobe Fahrlässigkeit jetzt auch gedeckt!

Bislang hatten Versicherungskunden, die grob fahrlässig handelten, in der Sachversicherung das Nachsehen. Jetzt gibt es aber auch hier Geld. Unser Autor rät, in jedem Fall Ansprüche anzumelden.

Wer Schaden an seinem Eigentum bislang grob fahrlässig verursachte, wurde von der Versicherung fast immer abgewiesen. Ob die Rotampel übersehen oder ein Einbruch-Diebstahl zu spät gemeldet wurde, die Kunden sahen stets in die Röhre. Die Leistung wurde komplett gestrichen. Nun können, nach neuem Recht seit 1. Januar 2008, etwa auch die Richter entscheiden, wie schwer das Versäumnis war und zumindest eine anteilige Regulierung ermöglichen.

Was ist grobe Fahrlässigkeit? Ordnungsgemäß handelt, wer alle Sorgfaltspflichten beachtet. Grob fahrlässig handelt, wer etwa die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt. Ein Verhalten muss nicht nur sehr gefährlich sein, es muss auch bekannt sein, dass es sehr gefährlich ist.

Was ist leichtfertig, was fahrlässig? Ein Augenblicksversagen an der Rotampel, bei dem der Fahrer fälschlicherweise ein Grünlicht auf sich bezogen hat, ist nicht unbedingt grob fahrlässig. Wer ein Stoppschild übersieht, muss sich diesen Vorwurf jedoch gefallen lassen. Aber: In beiden Schadenfällen, gibt es nun zumindest anteiligen (Kasko-)Schadenersatz.

In der Haftpflicht, also auch in der Arzthaftpflicht oder in der Kfz-Haftpflicht, gelten die neuen Regelungen nicht. Denn eine gekürzte Leistung würde hier ja die Opfer treffen und nicht die versicherte Person selbst. Das neue Recht greift ebenfalls nicht, wenn Vorsatz im Spiel ist. Beispiel: Ein Kunde reicht seinem Hausratversicherer eine manipulierte Rechnung ein oder verschweigt einen Vorschaden. Hier gibt es auch weiterhin kein Geld. Im Gegen-teil, es droht eine Strafanzeige wegen arglistiger Täuschung.

Grobe Fahrlässigkeit als Tatbestand wurde durch die gesetzliche Neuregelung aber nicht abgeschafft. Wer aus dem Haus geht und die Kerzen am Tisch weiter brennen lässt, muss sich diesen Vorwurf weiter gefallen lassen, wenn seine Unterlassung beispielsweise einen Zimmerbrand zur Folge hat. Nur: Bislang bekam er nichts, jetzt kann er vielleicht mit 30 oder 50 Prozent Entschädigung rechnen. Wieviel Prozent er erhält, das ist aber nirgends geregelt. Auch die Richter haben hierfür keinen Maßstab. Mit der Zeit wird wohl die Rechtsprechung genügend repräsentative Urteile geschaffen haben, auf die man zurückgreifen kann.

A&W-KOMPAKT

Beispielsfälle

Grob fahrlässig handelt, wer

■ auf der Autobahn bei Geschwindigkeitsbegrenzung mit 170 km/h auf den Vorausfahrenden auffährt

■ verbotenerweise links abbiegt

■ auf einer Autobahnauffahrt wendet

■ ein Stoppschild nicht beachtet

■ ein heruntergefallenes Handy während der Fahrt wieder aufhebt

■ in bestimmten Verkehrssituationen telefoniert

■ in England auf der rechten Straßenseite fährt

■ während eines Toilettengangs im ICE einen Laptop unbeaufsichtigt lässt

■ Kerzen in der Wohnung brennen lässt

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