Gutachten bestätigt Probleme der Ärzte

Ländliche Arztpraxen sind betriebswirtschaftlich nicht tragfähig

Ärzte führen regelmäßig die Einkommensstatistiken an. Diese werden von den gesetzlichen Krankenkassen dann auch gerne als Argument gegen Honorarerhöhungen ins Feld geführt. Aber Durchschnittszahlen bilden aber nicht immer die Lebenswirklichkeit der Ärzte ab. Wie ein aktuelles Gutachten zeigt, sieht es vor allem in Arztpraxen auf dem Land ganz anders aus.

Niedergelassene Ärzte, die eine eigene Praxis in einer ländlichen Region betreiben, können über den Ruf des Mediziners als Großverdiener nur lächeln. Es ist für sie nämlich kaum möglich, ein angemessenes Honorar zu erzielen. Das berichtet der Ärztenachrichtendienst (änd) unter Berufung auf ein Gutachten des Instituts für Gesundheitsökonomik München (Prof. Günter Neubauer). Der Analyse liegen demnach die Kassenarzthonorare in Bayern zugrunde. Deren heutiges Niveau sei zu gering, „um eine betriebswirtschaftlich tragfähige Praxisführung in ländlichen Praxen sicherzustellen und ein angemessenes Arzteinkommen zu ermöglichen“, lautet das Fazit des Experten.

Betroffen sind demnach vor allem Hausärzte, aber auch alle anderen „Versorgerärzte“ (Frauenärzte, Urologen, Hautärzte, Orthopäden, Augen- und HNO-Ärzte), die in den ländlichen Regionen die wohnortnahe medizinische Versorgung sichern.

Für die Analyse wurden die durchschnittlichen Ausgaben typischer Praxen der verschiedenen Fachrichtungen errechnet – von Fortbildungskosten bis zur Miete für die Praxisräume. Die Kostenspanne reicht von 147.400 Euro im Jahr (Allgemeinmedizin) bis 219.400 (Orthopäde). Im zweiten Schritt wurde ein „angemessenes Arzteinkommen“ ermittelt: Ankerpunkt war das durchschnittliche Gehalt eines angestellten Oberarztes, aber auch Einkünfte anderer Freiberufler sowie das kalkulierte Einkommen von Honorarärzten wurden herangezogen. Auch das unternehmerische Risiko wurde einkalkuliert. „Als ein angemessenes Arzteinkommen für einen niedergelassenen Arzt in Deutschland wurde im Rahmen dieser Untersuchung eine Spanne von 159.544 Euro bis 175.136 Euro ermittelt“, heißt es im Gutachten. Klingt nach viel, ist es aber in der Realität gar nicht: Der Freiberufler muss davon schließlich noch seine gesamten Versicherungen und die Altersvorsorge bezahlen und zudem auch noch Geld für die Modernisierung der Praxis bzw. notwendige Investitionen zur Seite legen. Ein angestellter Chefarzt verdient übrigens durchschnittlich etwa 193.222 Euro.

Schließlich wurden Kostenstruktur und SOLL-Honorare der Realität im Freistaat gegenüber gestellt. Das Fazit: Mit den Honoraren aus der Behandlung der Kassenpatienten in Bayern kann das angemessene Arzteinkommen im Durchschnitt in keiner Fachgruppe erreicht werden. Die Ökonomen sehen „deutliche Deckungslücken“. Die Honorare je Patientenfall müssten zum Teil verdoppelt werden, damit ein angemessenes Einkommen erreicht – und die eigene Praxis für den Ärztenachwuchs wieder attraktiv werde.

Auch die Einnahmen aus der Behandlung von Privatpatienten können das Blatt nicht wenden: Selbst mit diesen zusätzlichen Einnahmen werde das angemessene Arzteinkommen in den Praxen „zumeist weiterhin deutlich“ unterschritten.

Das Fazit des Gutachtens: Das heutige Niveau der Honorare aus der Behandlung von Kassenpatienten in Bayern sei zu gering, „um eine betriebswirtschaftlich tragfähige Praxisführung in ländlichen Praxen sicherzustellen und ein angemessenes Arzteinkommen zu ermöglichen“. Ändere sich dies nicht, könnten die Praxen mittel- und langfristig dem medizinische-technischen Fortschritt nicht mehr folgen, da das Geld für Investitionen fehle. Darüber hinaus verlören Praxisübernahmen und Neugründungen gerade in ländlichen Gebieten mehr und mehr an Attraktivität. Das Ergebnis dürfte wohl nicht nur für die ländlichen Arztpraxen in Bayern gelten.

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