In Stressphasen richtig reagieren

Aktien: Sichere Tipps für kritische Zeiten

Seit etlichen Monaten machen Dax & Co zwei Schritte nach vorne und mindestens anderthalb zurück. Entsprechend verunsichert sind Ärzte, die ihr Geld in Aktien angelegt haben. Besser wird es nicht: Nach China-Konjunktur, Ölpreisverfall und Brexit zeichnen sich schon die nächsten Störfeuer ab. Wie sind diese Risiken einzuschätzen und was können Anleger in der Gemengelage tun? Wir erklären, wo sie in diesen unsicheren Zeiten am besten ihre Schwerpunkte setzen.

September und Oktober gelten als ziemlich gefährliche Monate für die Finanzmärkte und Aktien – zu Recht: Schon oft kam es im ersten Herbstmonat bis in den Oktober hinein zu Kurseinbrüchen, die Anleger viel Geld kosteten. In diesem Jahr herrscht wegen einer Reihe von Risiken besondere Skepsis: Im Oktober steht in Italien eine Volksabstimmung an, mit der Premier Matteo Renzi sein politisches Schicksal verknüpft. Gewinnen die Eurokritiker, dürfte eine Diskussion über den Austritt Italiens aus der Währungsunion folgen – inklusive einer Neuauflage der Euro-Krise.

Zudem wählen die USA im November ihr Staatsoberhaupt. Falls der populistische Rabauke Donald Trump die Wahl zum Präsidenten gewinnt, rechnen viele Experten mit erheblichen Verwerfungen an den Finanzmärkten. Nicht zuletzt sorgen der Syrienkrieg und machthungrige Autokraten wie Putin weltweit für Spannungen und Unsicherheit. Anlegern brennt daher eine Frage unter den Nägeln: Was tun: alle Wertpapiere verkaufen, das Geld aufs unverzinste Konto packen und den Einbruch der Aktienmärkte abwarten – oder eine andere Strategie wählen?

Wer Aktien verkauft, verliert

Für Holger Kunicke von der FINUM.Private Finance mit Sitz in Konstanz ist klar: Wer bei der Aktienanlage vor allem auf mögliche politische und wirtschaftliche Unwägbarkeiten achtet, dürfte wenig Erfolg haben. „Das beweist der Rückblick auf die vergangenen Monate. Anleger, die bei schlechten Nachrichten verkauft haben, stehen jetzt schlechter da als diejenigen, die ihren Aktienanteil gehalten oder sogar aufgestockt haben“, erklärt Kunicke.

In der Tat: Ob es um die schwächelnde China-Konjunktur im August 2015 ging, die Sorgen um die US-Wirtschaft im Januar 2016, den Ölpreisverfall im Februar oder den Brexit in diesem Juni – wer im jeweiligen Monat verkaufte, hat bei einem weltweit ausgerichteten Aktiendepot nun zwischen sechs und 17 Prozent weniger Vermögen als die Unbeirrten, die ihre Aktien behalten haben.

Anleihen und Gold als Gegengewicht

Also Augen zu und durch in Sachen Aktien? „Das ist keine gute Idee“, sagt Ingo Schweitzer von der AnCeKa Vermögensbetreungs AG. Der Finanzprofi aus Kaufbeuren rät vielmehr zu zwei Schritten: Zum einen sollten Anleger ihre persönliche Aktienquote am besten mit professioneller Hilfe bestimmen und diese auch in unsicheren Zeiten konsequent beibehalten. Zum anderen ist es „wichtig, als Gegengewicht zum Aktiendepot deutsche oder US-Staatsanleihen und auch Gold ins Portfolio zu nehmen“.

Der Grund: In Stressphasen war zuletzt stets darauf Verlass, dass zumindest einer dieser sicheren Häfen an Wert zulegte. So stieg der Goldpreis in Dollar in den vier genannten Monaten im Durchschnitt um gut sieben Prozent – und die Kurse von länger laufenden deutschen Anleihen kletterten dank sinkender Renditen im Mittel um 3,6 Prozent. „Diese Gewinne halfen, die Verluste bei Aktien spürbar abzufedern“, erklärt Kunicke.

Gesunde Märkte brauchen Skepsis

Wie sich die Finanzmärkte in den kommenden Monaten entwickeln, weiß natürlich keiner der beiden. Gleichwohl sind die Vermögensexperten eher positiv gestimmt. Ingo Schweitzer verweist darauf, dass die Leitbörse in Amerika in den vergangenen 30 Wahljahren deutlich zulegen konnte – vor allem in der zweiten Jahreshälfte. Und für Holger Kunicke ist es ein gutes Zeichen, dass sich die Anleger trotz eines Allzeithochs an der US-Börse Sorgen machen: „Ein Anstieg an den Aktienmärkten ist gesund, wenn er von einer ordentlichen Portion Skepsis begleitet wird.“ Erst wenn diese „Mauer der Angst“ überwunden ist und sich Euphorie breit macht, gebe es Grund zur Sorge – doch davon sei noch nichts zu erkennen, so Kunicke.

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