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Heizöl: Jetzt zuschlagen oder auf niedrigere Preise hoffen?


Elektronischer Heizungsthermostat in Energiesparmodus

Jetzt Heizöl kaufen oder lieber noch warten? Analysten haben darauf eine klare Antwort. Sie gehen davon aus, dass der Ölpreis – von kleineren Einbrüchen abgesehen – weiter steigen wird. Das ist ärgerlich für die Heizöl-Rechnung, bietet aber als Investment interessante Chancen.

Wer jetzt seinen Heizöltank auffüllen will, muss recht tief in die Tasche greifen: Für 3.000 Liter werden rund 1.800 Euro fällig. Noch im Juli kam man mit 1.500 Euro und im Herbst des Vorjahres sogar mit nur 1.200 Euro recht günstig davon. Viele Eigenheim-Besitzer befürchten in dem Umfeld steigender Preise, dass es bald noch teurer wird und würden gerne sparen. Für sie stellt sich die Frage: Soll ich jetzt Heizöl kaufen oder auf einen Rückgang beim Heizölpreis hoffen und dann zuschlagen?

Mieter sind früher oder später ebenfalls von diesen Entscheidungen betroffen: Nach Schätzung des Deutschen Mieterbundes müssen Bewohner von ölbeheizten Häusern mit Mehrkosten von zehn Prozent rechnen – und in den Folgejahren könnte es für Verbraucher noch teurer werden.

Heizölpreis: Indizien für die weitere Entwicklung

Nun kann niemand mit Gewissheit voraussagen, wie der Heizölpreis in Zukunft aussehen wird. „Dennoch gibt es einige recht verlässliche Indizien für die weitere Preisentwicklung“, sagt Rolf Kazmaier von der SVA Vermögensverwaltung Stuttgart. Dazu gehört nach den Worten des unabhängigen Vermögensverwalters, wie sich das Angebot von und die Nachfrage nach Öl in den nächsten Monaten entwickeln werden. „Das Opec-Förderkartell und Förderstaaten wie Russland halten zusammen – sie haben die Förderbremse beim Rohöl bis Ende 2018 verlängert. Damit wollen sie dem Preisverfall der vergangenen Jahre entgegenwirken“, erklärt Kazmaier.

Das ist ihnen bislang offenbar ganz gut gelungen. So haben sich die Preise für Rohöl und Heizöl, wie sie an den tonangebenden US-Rohstoffbörsen gehandelt werden, von ihrem Tiefpunkt im Januar 2016 bis jetzt so gut wie verdoppelt: Aktuell kostet eine Gallone Heizöl – das sind knapp 3,8 Liter – fast zwei US-Dollar. Im Vergleich: Vor zwei Jahren stand sie noch bei einem Dollar.

Für Pia Bölingen von FINUM.Private Finance in Biberach an der Riß unterstreicht diese Entwicklung: „Die OPEC steht zwar nur für rund 40 Prozent des weltweiten Ölangebots. Doch in Absprache mit anderen Förderländern kann sie den Markt noch immer beeinflussen.“

Analysten rechnen mit steigenden Preisen

Vor diesem Hintergrund rechnen die Analysten von Investmentbanken mehrheitlich mit moderat steigenden Preisen. „Die Erfahrung zeigt aber, dass die meisten Prognosen für die Finanzmärkte daneben liegen“, so Rolf Kazmaier. Getreu dem Motto „Erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt“ könnte der Ölpreis also spürbar fallen oder deutlicher zulegen, als es die Mehrheit jetzt erwartet.

Deutlich günstigere Preise hält der Stuttgarter Finanzprofi aber für wenig wahrscheinlich – nicht nur weil das Angebot verknappt wird und der weltweiten politischen Spannungen. Vor allem der Blick auf die Preisentwicklung seit 2016 verrät, dass sich ein sogenanntes Umkehrmuster gebildet hat. Im Klartext: „Es ist wahrscheinlicher, dass der Ölpreis in den nächsten Jahren weitere 50 Prozent hoch geht, als dass er auf den Tiefstand von 2016 zurückfällt“, erklärt der Finanzprofi.

Aktueller Heizölpreis besonders günstig?

Sollten Eigenheimbesitzer also so schnell wie möglich Heizöl ordern, da es nur noch teurer werden kann? „Gemach, gemach“, sagt dazu Pia Bölingen. Die FINUM-Frau weist darauf hin, dass der Preis für Öl und Heizöl an den Rohstoffbörsen in den Monaten Januar und Februar traditionell eher schwächelt. Es gibt also vielleicht noch Gelegenheiten mehr zu sparen. Der Grund ist, dass die saisonale Nachfrage zurückgeht: „In den Ländern des Nordens sind die meisten Heizöltanks voll, und in den heißen Ländern flaut der Eigenbedarf ab. Zudem hat die Touristik-Saison noch nicht begonnen“, erklärt Bölingen.

Fazit für alle, die beim Heizölkauf nicht unter Druck stehen: Es könnte sich lohnen, ein paar Wochen zu warten und erst im Januar bzw. Februar das nötige Heizöl zu ordern.

Auch wenn der Ölpreis in den kommenden Jahren deutlich steigen sollte, ist nicht gesagt, dass deutsche Käufer gleichermaßen betroffen sind wie Amerikaner. Das liegt daran, dass Öl in US-Dollar gehandelt wird. Oft steigt der Preis des schwarzen Goldes, wenn der Dollar im Vergleich zu anderen Währungen sinkt. Das bedeutet: „Käufer aus Euro-Ländern müssten dann unterm Strich zwar ebenfalls mehr fürs Heizöl bezahlen, aber nicht so viel mehr wie US-Bürger, weil ihre Kaufkraft gestiegen ist“, so Rolf Kazmaier.

Interview mit Pia Bölingen, FINUM.Private Finance AG in Biberach an der Riß

„Auf den Ölpreis wirken unzählige Faktoren“

Frau Bölingen, was sind die wichtigsten Faktoren für einen steigenden Öl- bzw. Heizölpreis?
Pia Bölingen: Da gibt es sehr viele mögliche Faktoren. Der Preis kann steigen, weil eine Förderbremse vereinbart oder verlängert wird, wie Anfang Dezember, oder wenn es zu Ausfällen in einem wichtigen Förderland, etwa Nigeria, kommt. Bei einer unerwartet starken Weltwirtschaft oder nach Naturkatastrophen sind ebenfalls Preissteigerungen möglich.

Gibt es Ereignisse, die den Ölpreis dämpfen oder zu Preisrückgängen führen?
Denken Sie an die umstrittene Fracking-Technologie in den USA. Sie hat die Kräfteverhältnisse am Ölmarkt strukturell verändert, denn ab einem gewissen Ölpreis kommt das durch Fracking geförderte Öl auf den Markt. Das wirkt wie ein Deckel für übertriebene Preisanstiege. Kurzfristig dämpfend wirkt etwa eine Rezession, wie man 2008 sehen konnte.

Lässt sich unter diesen Umständen die Preisentwicklung vernünftig prognostizieren?
Ich halte fundamentale Prognosen für so gut wie unmöglich, denn niemand kann all die Kräfte einschätzen, die auf den Ölmarkt einwirken. Die Analyse der Preisbewegungen selbst ist zwar auch nicht perfekt. Doch mit der sogenannten technischen Analyse lässt sich wenigstens der längerfristige Trend am Markt identifizieren – und aktuell weist dieser Trend nach oben. (julu)

Info-kompakt: Preiszyklen beim Heizöl

Wann ist Heizöl am billigsten – im Sommer, wenn es angeblich niemand braucht? Falsch! Statistiker, die die Preisentwicklung von Rohöl bzw. Heizöl in den vergangenen 30 Jahren untersucht haben, fanden heraus: Im März und April ziehen die Preise im Durchschnitt deutlich an, während sie von Mai bis Juli eher seitwärts laufen. Im August und September verteuerte sich das schwarze Gold in den vergangenen 30 Jahren erneut spürbar, während die Preise von Oktober bis in den Februar fielen. Fazit: Wer die Haushaltskasse schonen will, kauft sein Heizöl am besten im Januar oder bis Mitte Februar.

 

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